Unterwegs im Top-Modell
Der Cupra Terramar will BMW X1 und Audi Q3 ärgern – unser Fahrtest zeigt, wie die Chancen stehen
VonRudolf Bögelschließen
Spanische Verführung auf deutschem Fundament: Der Cupra Terramar nutzt VW-Technik, sieht aber völlig anders aus. Unser ausführlicher Test.
Sieben Modelle in sieben Jahren – Cupra ist der Senkrechtstarter im Volkswagen-Konzern. Beeindruckend ist nicht nur das große Produkt-Portfolio, sondern auch der Absatz. Im ersten Quartal 2025 haben die sportlichen Spanier 78.300 Fahrzeuge verkauft und damit sogar die katalanische Mutter Seat überflügelt, die nur 68.400 Autos im gleichen Zeitraum an die Kundschaft ausgeliefert hat. Verwunderlich ist das schon. Denn ebenso wie Seat kocht Cupra auch nur mit Wasser aus Wolfsburg. Technisch greifen sie nämlich alle auf das gleiche VW-Konzernregal zu.
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Das sind die Konkurrenten des Cupra Terramar
Der große Unterschied ist das Image – und das kommt vom Design. Scharf, schnittig, skulptural und mit vielen Kupferakzenten – so sieht auch der neue Terramar aus, der größere und geräumigere Bruder des Formentor, der weiterhin im Programm bleibt. Er ist sieben Zentimeter länger, drei Zentimeter breiter und sieben Zentimeter höher. Auch beim Kofferraum bietet er mehr – insgesamt 540 Liter bis 1.600 Liter umgeklappt. Beim PHEV sind es wegen der zusätzlichen Batterie allerdings nur 450 Liter, und damit nur genauso viel wie beim Formentor, der hauseigenen Konkurrenz. Ansonsten tritt der Terramar gegen Bestseller wie BMW X1 an, den Volvo XC 40, Audi Q3 oder Skoda Kodiaq.
Insgesamt fünf Motorvarianten bietet Cupra beim Terramar an. Einen Diesel gibt es nicht, der bleibt dem artverwandten VW Tiguan vorbehalten. Der Elektroantrieb hingegen bleibt exklusiv beim Tavascan, der dem VW Tayron Konkurrenz macht. Den Terramar gibt es mit einem 1,5-Liter Mildhybrid (150 PS), einem 2,0-Liter-Benziner mit 204 oder 265 PS, sowie zwei Plug-in-Hybriden mit 204 oder 272 PS. Die Autos mit der Kraft der zwei Herzen sind bei den deutschen Privat-Käufern sehr beliebt. Der Grund: Sie sehen ein reines Elektroauto immer noch skeptisch.
Unter der Motorhaube des Terramar werkelt jeweils ein 1,5-Liter-Benziner, der von einem Elektromotor unterstützt wird. Beim VZ fällt die E-Maschine stärker aus. Keinen Unterschied gibt es beim Akku. Er hat eine Kapazität von 25,8 kWh (brutto) und soll für Reichweiten bis zu 120 Kilometer im elektrischen Betrieb gut sein. Netto sind es nur 19,7 kWh, was eher für 100 Kilometer spricht. Der Energiespeicher lässt sich an AC-Säulen mit bis zu 11 kW laden, bei DC sind es immerhin 50 kW. Wie das in der Wirklichkeit aussieht, hängt ganz von der jeweiligen Säule ab. Und natürlich bleibt die Ladekurve nicht immer gleich hoch. In der Regel fällt sie nach dem Start stark ab, die Ursachen dafür sind vielfältig. Im Idealfall bringt man den Akku in rund 26 Minuten von zehn auf 80 Prozent Kapazität.
Bärige Leistung mit 272 PS und 400 Nm Drehmoment
Der Verbrauch des Terramar VZ soll laut Cupra bei 17,5 kWh liegen. Bei unserem Test war es um einiges mehr. Denn die Temperaturen lagen in dem für Akkus eher unfreundlichen Bereich von unter zehn Grad. Abhängig ist der Verbrauch natürlich immer ganz vom Fahrstil. Die 272 PS und 400 Nm Drehmoment verführen immer wieder zum entschlossenen Tritt auf das Gaspedal. So bärig das auch klingt, es fühlt sich nicht ganz so stark an. Immerhin schleppt der Hybrid-Terramar 1,9 Tonnen mit sich herum, das sind fast 300 Kilogramm mehr als der Mild-Hybrid mit 150 PS. In 7,3 Sekunden geht es mit Automatik und Frontantrieb von 0 auf 100 km/h. Das im Vergleich zum Technik-Bruder Tiguan um zehn Millimeter tiefergelegte Serien-Fahrwerk ist einen Tick härter, was aber ganz gut zum sportlich-dynamischen Grund-Charakter von Cupra passt. Wer es bequemer mag, der kann auch das Adaptivfahrwerk ordern. Die Lenkung arbeitet präzise und sauber. Wie ein Wolfsburger Uhrwerk. Im Vergleich zum Tiguan aber auch ein wenig direkter.
Unter dem Motto „Ein bißchen VW tut nicht weh“ steht das Cockpit des Terramar. Der 12,9 Zoll große Infotainment-Bildschirm (Serie) kommt deshalb folgerichtig mit den bei manchen Kunden so ungeliebten Slidern für Temperatur und Lautstärke daher. Die Klimabedienung hat man aus den Tiefen des Menüs befreit und als feststehende Leiste am unteren Bildschirmrand platziert. Das ist benutzerfreundlicher als früher. Die Bedienung des Touchscreens fällt leicht, weil sie logisch ist – und auch die Software arbeitet schnell und zuversichtlich, was ja nicht immer der Fall war früher. Der Gangwahlhebel sitzt am Lenkrad, weshalb in der Mittelkonsole jetzt eine Ladeschale für das Smartphone Platz hat. Sie hat sogar eine Kühlfunktion für den aufgeheizten Akku. So gar nicht nach VW sieht die Cockpitgestaltung aus. Die verwendeten Materialien sind teilweise hochwertiger. Überall finden sich die für Cupra typischen kupferfarbenen Akzente, auf dem Lenkrad prangt das Logo im Tribal-Design, das Kraft und Entschlossenheit ausstrahlen soll.
Unser Fazit zum Cupra Terramar 1,5 e-Hybrid VZ
Kommen wir zu den Preisen: Mit 56.310 Euro ist der Plug-in-Hybrid nicht gerade ein Schnäppchen. Unser Tipp: der Mild-Hybrid mit 43.020 Euro und 150 PS ist da die bessere Wahl, wenn man auf Leistung verzichten kann. Unser Fazit zum neuen Cupra Terramar: Das sportliche SUV der Seat-Tochter glänzt mit seinem edlen und progressiven Design, das offenbar auch jüngere Käufer überzeugen kann. Technisch ist der Terramar ein echtes Kind des Volkswagen-Konzerns. Das heißt: Grundsolide, moderne Technik sowie eine gute Verarbeitung. Das Sahnehäubchen ist die dynamische Ausrichtung des SUVs. Der Terramar – so gut wie ein Tiguan, nur sexy und schneller. (Rudolf Bögel)







