„Idiotentest“
Schreckgespenst MPU: So teuer kann die Untersuchung laut einem Experten werden
VonSebastian Oppenheimerschließen
Nach einem Führerscheinentzug bekommen Autofahrer ihren „Lappen“ oft erst durch eine MPU wieder. Die kann ins Geld gehen. Ein Experte erklärt die Details.
Im Volksmund wird sie häufig als „Idiotentest“ oder „Depperltest“ bezeichnet – die Rede ist von der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung, kurz: MPU. Sie muss oft von Autofahrern absolviert werden, denen der Führerschein aufgrund von Verkehrsvergehen entzogen wurde. Das ist ein Unterschied zum Fahrverbot, nach dessen Ablauf Verkehrssünder ihren „Lappen“ automatisch wieder erhalten. Eine MPU geht ordentlich ins Geld – allerdings unterscheiden sich die Kosten von Fall zu Fall.
Medizinisch-Psychologische Untersuchung: Gründe für eine Anordnung
Häufig wird eine MPU nach extremen Alkoholfahrten mit mehr als 1,6 Promille angeordnet. Auch Medikamenteneinfluss am Steuer kann einen „Idiotentest“ nach sich ziehen. Doch auch wer durch andere Vergehen im Verkehr mehr als sieben Punkte in Flensburg gesammelt hat, muss seinen Führerschein abgeben – und bekommt ihn dann oft erst nach dem positiven Abschluss der MPU wieder. Als weitere Gründe für eine MPU führt der TÜV Hessen beispielsweise Straftaten im Straßenverkehr, wie etwa Nötigung oder Unfallflucht auf. Auch Straftaten, die auf ein hohes Aggressionspotenzial hindeuten – etwa wiederholte gefährliche Körperverletzung – können einen MPU nach sich ziehen.
Seriöse MPU-Vorbereitung: So erkennt man kompetente Anbieter
Eine Vorbereitung auf die MPU ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber dringend empfehlenswert. Denn wer durchfällt, zahlt am Ende schließlich doppelt. Eine seriöse MPU-Vorbereitung erkennt man laut einer Auflistung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) anhand verschiedener Kriterien. Unter anderem geben die Anbieter keine Garantien wie zum Beispiel „Geld-zurück“ oder „100-Prozent-Chance“. Außerdem werde man nicht dazu genötigt, „zurechtgebastelte“ Geschichten auswendig zu lernen, die den Gutachter angeblich überzeugen.
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MPU: Diese verschiedenen Posten können auf Autofahrer zukommen
In einem YouTube-Video hat ADAC-Clubjurist Levin Schneider die Kosten einer MPU detailliert aufgeschlüsselt. Wichtig ist dabei zu betonen, dass es keine Pauschalpreise gibt – die Kosten unterscheiden sich von Fall zu Fall. Laut Schneider kann man jedoch mit folgenden Posten rechnen:
- Vorbereitung: Möglich ist die Vorbereitung in Einzelsitzungen, bei denen man mit rund 100 Euro pro Stunde rechnen kann. Bei zehn Stunden käme man also auf rund 1.000 Euro. Gruppensitzungen sind billiger: Geht man von 18 Gruppensitzungen aus, so komme man meist auf etwa 500 bis 600 Euro.
- Abstinenznachweise: Diese werden normalerweise im Falle von Alkohol- oder Drogenfahrten gefordert. Ein Gespräch mit einem Verkehrspsychologen kann klären, was genau im individuellen Fall erbracht werden muss. Haaranalysen kosten zumeist zwischen 200 und 300 Euro, die Untersuchung von Urinproben 50 bis 100 Euro.
- Kosten für Begutachtung, also die MPU selbst: Hier gibt es eine relativ große Bandbreite, weil die Gutachter nicht mehr an die Gebührenordnung gebunden sind, sondern ihre Preise selbst festlegen können. Normalerweise reicht die Spanne von 400 bis 800 Euro. Die günstigste Variante ist in der Regel die „Punkte-MPU“. Autofahrer, die aufgrund von Alkoholdelikten den Führerschein verloren haben, müssen mehr zahlen. Die teuerste Variante ist in der Regel die „Drogen-MPU“.
- Neubeantragung des Führerscheins: Hier werden noch einmal rund 250 Euro fällig.
Kosten für eine MPU: Höhe unterscheidet sich je nach Vergehen
Zusammenfassend lässt sich also sagen: Wer seinen Führerschein durch zu viele Punkte in Flensburg verloren hat und den Weg der Gruppensitzungen wählt, kann mit etwa 1.250 Euro an Kosten rechnen. Eine MPU aufgrund von Alkohol am Steuer wird dann mit 1.800 bis 2.300 Euro schon deutlich teurer, unter anderem aufgrund der nötigen Abstinenznachweise. Noch einmal wesentlich mehr ins Geld geht der „Idiotentest“ aufgrund von Drogendelikten: Hier können schnell mehr als 2.500 Euro fällig werden.
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