Historischer Dreikampf
Formel-1-WM-Finale verspricht größte Spannung seit Jahren
VonSimon Monesschließen
Lando Norris, Max Verstappen und Oscar Piastri duellieren sich im Dreikampf. So intensiv war der Titelkampf der Formel 1 zuletzt vor 15 Jahren.
Abu Dhabi – Die Formel 1 steht vor einem historischen Moment. Wenn am Sonntag die Ampeln auf dem Yas Marina Circuit ausgehen, beginnt nicht nur das letzte Rennen der Saison 2025, sondern der dramatischste Titelkampf seit anderthalb Jahrzehnten. Lando Norris, Max Verstappen und Oscar Piastri liefern sich einen Dreikampf um die Weltmeisterschaft, wie ihn der Motorsport zuletzt 2010 gesehen hat. Die Ausgangslage könnte kaum spannender sein.
Nur 16 Punkte trennen die drei Kontrahenten, während in Abu Dhabi noch maximal 26 Punkte zu vergeben sind. Norris führt mit 408 Zählern vor Verstappen (396) und Piastri (392). Der Brite vom McLaren-Team hält zwar theoretisch sein Schicksal in den eigenen Händen, doch sein Vorsprung ist so fragil wie Porzellan. Ein einziger technischer Defekt, eine unglückliche Safety-Car-Phase oder eine Berührung in der ersten Kurve könnten alles auf den Kopf stellen.
Formel-1-WM so spannend wie zuletzt 2010
Dass es zu dieser dramatischen Situation kam, ist auch einem katastrophalen Strategiefehler von McLaren geschuldet. Beim vorletzten Rennen in Katar hatte das Team die Chance, den Titelkampf vorzeitig zu entscheiden oder zumindest auf ein internes Duell zu reduzieren. Stattdessen verwandelte sich das Wochenende in Lusail in einen Albtraum für das Papaya-Team.
Als eine Safety-Car-Phase das Rennen neutralisierte, traf der McLaren-Kommandostand eine folgenschwere Entscheidung: Sowohl Norris als auch Piastri blieben draußen, während der Rest des Feldes – einschließlich Verstappen – die Gelegenheit nutzte, um frische Gummis aufzuziehen. Max Verstappen nutzte dieses unerwartete Geschenk gnadenlos aus und stürmte zu seinem siebten Saisonsieg und halbierte seinen Rückstand auf Norris.
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Das letzte Mal, dass die Formel 1 ein derartiges Spektakel erlebte, war 2010 – und ausgerechnet auch in Abu Dhabi. Damals war die Situation noch dramatischer: Vier Fahrer reisten mit Titelchancen zum Saisonfinale auf den Yas Marina Circuit. Fernando Alonso führte die Tabelle mit 246 Punkten an, gefolgt von Mark Webber (238), Sebastian Vettel (231) und Lewis Hamilton (222). Der Spanier war der klare Favorit, doch was dann geschah, ging als eine der größten strategischen Katastrophen in die F1-Geschichte ein.
Ferrari konzentrierte sich im Rennen vollständig auf Mark Webber und holte Alonso aus Angst vor einem Undercut früh an die Box. Diese Entscheidung erwies sich als fatal, denn beide kamen im Verkehr hinter Vitaly Petrov wieder auf die Strecke und konnten den Renault bis zum Rennende nicht überholen. Während Alonso auf Platz sieben feststeckte, führte Sebastian Vettel das Rennen von der Pole-Position aus in sauberer Luft an und sicherte sich mit dem Sieg seinen ersten WM-Titel.
2007 als WM-Warnung an McLaren
Und auch das Jahr 2007 sollte für McLaren ein mahnendes Beispiel sein. Damals lieferten sich Alonso und Hamilton ein erbittertes Duell, das das Team regelrecht zerriss. Der Spanier fühlte sich – ähnlich wie Piastri heute – vom Team benachteiligt. Vor dem Saisonfinale führte Hamilton die Tabelle mit 107 Punkten an, gefolgt von Alonso (103) und Kimi Räikkönen im Ferrari (100).
Am Ende war es der Ferrari-Pilot, der in Brasilien über den Titel jubelte – mit nur einem Zähler Vorsprung auf die punktgleichen McLaren. Raikönnen profitierte dabei aber auch davon, dass Hamilton sich nach Getriebe-Problemen von Platz 18 vorkämpfen musste. Ob sich die Geschichte wiederholt oder es dieses Mal ein Happy End für Papya gibt, zeigt sich am Wochenende. (smo)
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