Arbeitslosengeld

Überraschendes Ergebnis: So viel Bürgergeld wird in Deutschland tatsächlich gezahlt

  • Fabian Girschick
    VonFabian Girschick
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Seit Einführung des Bürgergeldes im Jahr 2023 gibt es immer wieder Debatten darüber, ob dieses nicht zu hoch angesetzt sei. Doch erhalten die Empfänger tatsächlich so viel wie gedacht?

Durch das am 1. Januar 2023 eingeführte Bürgergeld sollen die Empfänger laut des „Bundesministeriums für Arbeit und Soziales“ (BMAS) ihren Lebenshalt – und damit ein menschenwürdiges  Existenzminimum – sichern können. Allerdings gibt es immer wieder Vorwürfe gegenüber der Bundesregierung, dass viele Bürger dieses aufgrund der „hohen Attraktivität“ ausnutzen und auf ihre Arbeit verzichten würden.

echo24.de klärt in diesem Artikel auf, ob das Bürgergeld tatsächlich so attraktiv ist, wie viele spekulieren, und wonach sich dieses bemisst. Tatsächlich sind nämlich verschiedene Einflussfaktoren dafür verantwortlich, wie viel Geld die Empfänger letztlich erhalten.

Bürgergeld: Der „Regelbedarf“ ist einer der Haupteinflussfaktoren

Einen dieser Haupteinflussfaktoren stellt der sogenannte Regelbedarf dar, der laut des BMAS, folgende Bedarfe umfasst: Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Hausrat, Haushaltsenergie (ohne die auf die Heizung und Erzeugung von Warmwasser entfallenen Anteile) sowie Bedarfe zur Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft.

Dieser Regelbedarf wird beim Bürgergeld als monatlicher Pauschalbetrag berücksichtigt, wobei der Bürgergeldberechtigte eigenverantwortlich über die Verwendung entscheidet. Je nachdem, in welcher Lebenslage man befindet, gibt es unterschiedliche Höhen für den Regelbedarf.

So hoch fällt das Bürgergeld aus

Alleinstehenden bzw. Alleinerziehenden und Volljährigen mit minderjährigen Partnern steht bspw. ein Regelbedarf in Höhe von 563 Euro zu, volljährigen Partnern jeweils 506 Euro. Auch für Kinder gibt es altersbedingt unterschiedliche Berechnungen – von 357 Euro für 0- bis 5-Jährige bis hin zu 471 Euro für 14- bis 17-Jährige. Für Schwangere und Alleinerziehende kann es darüber hinaus auch Mehrbedarfe geben.

Eine ausführliche Übersicht stellt das BMAS auf dessen Website zur Verfügung.

Bedarfe für Unterkunft und Heizung werden beim Bürgergeld berücksichtigt

Neben dem Regelbedarf würden auch die Bedarfe für die Unterkunft und Heizung in Höhe der angemessenen Aufwendungen berücksichtigt werden – darunter auch die Nebenkosten wie z. B. für die Kalt- und Warmwasserversorgung. Die Angemessenheit der Aufwendungen würde i. d. R. von dem örtlich zuständigen kommunalen Träger der Grundsicherung für Arbeitsuchende in einer Richtlinie festgelegt werden.

Darüber hinaus gäbe es auch die Möglichkeit, einmalige Leistungen für die Bürgergeldempfänger zu gewähren. Diese könnten u. a. auftreten, wenn ein Haushalt zu gründen sei, die Geburt eines Kindes bevorstünde oder die Versorgung mit orthopädischen Schuhen erforderlich sei.

Beispielrechnungen geben Aufschluss über die tatsächliche Höhe des Bürgergelds

Wichtig zu wissen ist allerdings, dass die Höhe des Bürgergeldes auch von einem möglicherweise zu berücksichtigenden Einkommen abhängig ist. Denn dadurch könne dieses reduziert werden, wie einige Rechenbeispiele des BMAS zeigen.

Ein Alleinstehender, der über kein zu berücksichtigendes Einkommen verfügt, erhält einen Regelbedarf in Höhe von 563 Euro sowie einen Unterkunfts- und Heizungsbedarf in Höhe von 391 Euro. Der Gesamtbedarf beträgt somit 954 Euro. Da er kein zu berücksichtigendes Einkommen hat, steht ihm ein Anspruch auf die vollständige Summe zu.

Würde es sich bei der Person um einen Alleinerziehenden handeln, würde dieser durch das Kindergeld (250 Euro) und den Unterhaltsvorschuss (in diesem Beispiel 187 Euro) ein zu berücksichtigendes Einkommen haben. Dieses würde dann vom Gesamtbedarf abgezogen werden, wobei der Alleinerziehende einen Mehrbedarf in Höhe von 202,68 Euro sowie einen Regelbedarf in Höhe von 357 Euro für sein 4-jähriges Kind erhält.

Und das neben seinem eigenen Regelbedarf (563 Euro) und dem Unterkunfts- und Heizungsbedarf (in diesem Beispiel 568 Euro). Ihm stünden selbst nach Abzug des zu berücksichtigenden Einkommens also immer noch 1.831 Euro zu.

Fairness der Bürgergeld-Höhe ist schwierig zu beurteilen

Wie die Rechenbeispiele zeigen, ist es also schwierig, eine pauschale Aussage zu treffen, wie attraktiv – und fair – das Bürgergeld tatsächlich ist. Schließlich hängt die Höhe von vielen verschiedenen Einflussfaktoren ab.

In Deutschland lag das Durchschnittsbruttomonatsgehalt laut StepStone 2024 bei rund 3.646 Euro – wobei hier natürlich noch einiges an Steuerabzügen dazu kommt. Doch selbst wenn dieses netto bspw. „nur“ noch 2.378 Euro beträgt, ist es i. d. R. doch noch mal um einiges höher als das eines Bürgergeldempfängers.

Rubriklistenbild: © Imago/Felix Schlikis