Auf Hühnerfleisch
Ekelfund auf Lidl-Fleisch: Tierschutzorganisation entdeckt multiresistente Keime
VonMichaela Ebertschließen
Auf dem Hühnerfleisch von Lidl findet eine Tierschutzorganisation multiresistente Keime – rund 71 Prozent der Proben sollen kontaminiert sein.
Erneut treffen den Discounter Lidl schwere Vorwürfe: Die Tierschutzorganisation Albert Schweitzer Stiftung soll auf Lidl-Fleisch antibiotikaresistente Keime gefunden haben – eine Gefahr sowohl für Verbraucher, als auch für die Tiere, wie aus einer Pressemeldung der Stiftung hervorgeht.
Erst vor wenigen Monaten hatte die Albert Schweitzer Stiftung dem Unternehmen Lidl Tierquälerei vorgeworfen. Der Konzern mit Sitz in Bad Wimpfen (Landkreis Heilbronn) äußerte sich daraufhin zu den Anschuldigungen – man würde die Vorwürfe sehr ernst nehmen. Nun aber steht der Lebensmittelhändler erneut in der Kritik.
Multiresistente Keime auf Lidl-Eigenmarke: Hühnerfleisch laut Tierschutzorganisation kontaminiert
Die Keime sollen vor allem auf Hühnerfleisch aus dem Sortiment der Lidl-Eigenmarke „Metzgerfrisch“ gefunden worden sein. Auf rund 71 Prozent der Proben sollen die multiresistenten Krankheitserregern nachgewiesen worden sein. Die Untersuchung hatte die Albert Schweitzer Stiftung Anfang 2023 geführt.
Was sind multiresistente/antibiotikaresistente Keime?
Bakterien, die gegen die Wirkung von Antibiotika widerstandsfähig sind, bezeichnet man als resistent. Sie können nicht mehr abgetötet oder in ihrem Wachstum gehemmt werden. Derartige Keime sind besonders ein Problem in der Massentierhaltung, da bereits bei nur einem erkrankten Tier die gesamte Population mit Antibiotika behandelt wird und somit eine Residenz entwickelt.
Diese Keime können zum Beispiel sein:
MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) – ein Bakterium, das vor allem auf der Haut und in Schleimhäuten vorkommt und in diesem Fall resistent gegen das Antibiotikum Methicillin (und auch die meisten anderen Antibiotika) ist.
ESBL (Extended Spektrum Beta-Laktamase) – ein Enzym, das Bakterien, häufig zum Beispiel das Darmbakterium Escherichia coli (E. coli), immun gegen Beta-Laktam-Antibiotika macht.
VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken) – Darmbakterien, die gegen das Antibiotikum Vancomycin resistent sind.
Neben den antibiotikaresistenten Keimen wurden laut Albert Schweitzer Stiftung auf vielen Fleischstücken außerdem weitere gefährliche Krankheitserreger, wie zum Beispiel Enterokokken oder Salmonellen entdeckt.
Krankheitserreger auf Lidl-Fleisch: großes Problem für viele Verbraucher
Besonders für die Verbraucher läge dort laut der Stiftung ein großes Problem: Viele der Keime könnten zwar durch starkes Erhitzen abgetötet werden, doch nicht jeder könne die erforderliche Küchenhygiene derart einhalten. Auf Oberflächen halten sich laut den Experten die Bakterien beispielsweise bis zu sechs Wochen. Gerade für vorerkrankte oder immunschwache Menschen könnte das kontaminierte Fleisch somit eine große Gefahr darstellen.
Tierschutzorganisation fordert höhere Tierschutz-Standards
Aber auch das Wohl der Tiere liegt der Tierschutzorganisation besonders am Herzen. In der Pressemeldung positionieren sich die Tierschützer klar zu dem Fund auf dem Lidl-Fleisch: „Je schlechter die Haltung, desto mehr Antibiotika“. Die Albert Schweitzer Stiftung fordert deshalb höhere Tierschutz-Standards bei der Europäischen Masthuhn-Initiative.
Dadurch könne auch der Discounter Lidl das Gesundheitsrisiko durch schädliche Keime aus dem Masthuhn verringern. Zu den Vorwürfen seitens der Tierschutzorganisation hat der Konzern Lidl bisher noch keine Stellung genommen.
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