Altersarmut in Deutschland?
Grundsicherung trotz Rente: Immer mehr brauchen finanzielle Unterstützung im Alter
VonLisa Kleinschließen
Immer mehr Menschen in Deutschland beziehen im Alter die Grundsicherung trotz Rente – die Zahl der Frauen ist dabei höher. Was es damit auf sich hat.
Das Thema Rente ist kein einfaches – dennoch sollten sich vor allem junge Menschen schon jetzt Gedanken über ihre Altersvorsorge machen. Denn die Rente fällt später nicht für alle gleich aus – die Unterschiede bei der Rentenhöhe können gravierend sein. Während manche im Ruhestand gut von ihrem Geld leben können, kratzen andere am Existenzminimum. echo24.de erklärt, wie jeder ganz leicht ausrechnen kann, wie hoch seine Rente mal ausfällt.
Hunderttausende Menschen sind im Alter trotz ihrer Bezüge aus der Rentenkasse auf zusätzliche Hilfe angewiesen. Und die Zahl steigt. Das hängt auch mit einer gesetzlichen Änderung zusammen.
Immer mehr Rentner beziehen Grundsicherung – Deutsche Rentenversicherung erklärt Zuwachs
Immer mehr Altersrentner beziehen zusätzlich Grundsicherung. Die Zahl stieg von rund 414.000 Ende 2020 auf 469.000 im September 2023, wie aus einer Auswertung des Statistischen Bundesamts für die AfD im Bundestag hervorgeht, die der „Deutschen Presse-Agentur“ (dpa) in Berlin vorliegt. 2010 bezogen nur 283.000 Rentner die Grundsicherung im Alter.
Laut der Deutschen Rentenversicherung ist der Zuwachs hauptsächlich auf die Auswirkungen einer Freibetragsregelung zurückzuführen, wie eine Sprecherin erläuterte. Diese Freibetragsregelungen waren mit der Anfang 2021 gestarteten Grundrente eingeführt worden. Das Ziel war, dass Menschen mit besonders geringem Lohn Altersbezüge über der Grundsicherung erhalten.
Freibetragsregelungen seit 2021
Wer mindestens 33 Jahre Beiträge für Beschäftigung, Erziehung oder Pflege geleistet, aber besonders wenig verdient hat, kann seit Januar 2021 einen zusätzlichen Freibetrag bei der Beantragung von Leistungen der Grundsicherung im Alter geltend machen. So sind 2021 bis zu 223 Euro der Rente bei der Grundsicherung anrechnungsfrei geblieben, 2023 bis zu 251 Euro.
„Wer also mit seinem Einkommen bisher knapp über einem Grundsicherungsanspruch lag, kann durch den neuen (jährlich steigenden) Freibetrag anspruchsberechtigt werden“, sagte die Sprecherin. „Damit erklärt sich die Zunahme der Zahlen.“
Mehr Frauen als Männer beziehen Grundsicherung im Alter – trotz Rente
Die Sprecherin der Rentenversicherung erklärt außerdem: Bei insgesamt rund 16,3 Millionen Beziehern einer Altersrente entspricht dies einer Grundsicherungsquote von rund 2,8 Prozent. Von rund 454.000 Beziehern im Jahr 2022 waren davon 249.000 Frauen und 205.000 Männer.
Laut einem Bericht droht jeder zweiten Rentnerin Baden-Württemberg die Altersarmut. Warum Rentnerin? Weil Frauen im Schnitt deutlich weniger Rente bekommen – teils hunderte Euro weniger. echo24.de berichtet, wie viel Geld mit 30 Jahren angelegt werden muss, damit „reich“ in Rente gegangen werden kann.
Insgesamt ist auch die Zahl der Senioren mit Grundsicherung im Alter – also nicht nur jener mit Rentenbezug – in den vergangenen Jahren gestiegen. So waren Ende 2020 mehr als 564.000 Menschen in Deutschland auf die staatliche Grundsicherung angewiesen – zu dem Zeitpunkt der höchste Wert zum Jahresende seit der Einführung der Leistung 2003. Ende 2022 waren es sogar 659.000.
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