20 Prozent und mehr

Autobranche in der Krise: Hersteller locken mit saftigen Rabatten

  • Markus Hofstetter
    VonMarkus Hofstetter
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Die Autoverkäufe gehen zurück. Das zwingt die Hersteller zu drastischen Reaktionen. Sie führen wieder Rabatte ein und lassen Bänder stillstehen.

Berlin - Die Autobauer in Deutschland stehen vor großen Herausforderungen. Der Absatz bricht immer mehr ein. Vor allem bei Elektroautos, in denen die meisten Hersteller ihre Zukunft sehen, ist die Entwicklung bedrohlich. Seit die staatliche Förderung für Elektroautos in diesem Jahr gekürzt wurde, verzeichnen sie sinkende Auftragszahlen.

Autobauer geben wieder Rabatte: Tesla hat Preisschlacht angezettelt

Auch der von Tesla angezettelte Preiskampf zeigt Wirkung. Der US-Hersteller senkte Anfang des Jahres die Preise für das Model 3 und das Model Y in Deutschland. Mitte September folgten Model X und Model S. Die Preise sanken teilweise um fast 20.000 Euro.

VW lässt die Bänder stillstehen, um der sinkenden Nachfrage zu begegnen.

Das zwingt die Autohersteller zu drastischen Konsequenzen. In den vergangenen Jahren konnten sie es sich angesichts der hohen Nachfrage und des knappen Angebots leisten, die Rabatte auf nahezu Null zu senken. Doch nun kehren die Rabatte wieder zurück, und das wohl in zunehmendem Maße.

Autobauer geben wieder Rabatte: Nachlässe von 20 Prozent und mehr werden gewährt

„Wir gehen auch davon aus, dass die Nachfrage sich zum Ende des Jahres oder Anfang 2024 abschwächt und dann der Rabattdruck deutlich ansteigen wird“, sagt Martin Benecke, Senior Manager bei S&P Global Mobility laut der Fachzeitschrift Automobilwoche. Vor allem für Elektroautos, die dann weniger gefördert werden, werde die Luft dünner.

Laut Automobilwoche erhalten Fiat-Händler für den 500 Elektro derzeit 26 statt bisher sechs Prozent Marge. Sie können also 20 Prozent Rabatt geben, ohne Verluste zu machen. Aber auch Opel, VW, Skoda und Seat bieten teilweise Nachlässe von 20 Prozent und mehr, berichtet Matthias Riemer, Partner bei der Unternehmensberatung Simon Kucher.

Autobauer drosseln Produktion: VW streicht eine Schicht

Eine Folge der sinkenden Nachfrage ist, dass Fahrzeuge für die Halde produziert werden. Um das zu verhindern oder zumindest einzudämmen, stehen in den Fabriken die Bänder still. Fiat hat in seinem Turiner Werk die Produktion des 500 Elektro gestoppt. Außerdem sollen die Arbeiter die Hälfte des Oktobers eine Zwangspause einlegen.

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VW hatte offenbar zunächst geplant, die Produktion des ID.3 in der Gläsernen Manufaktur in Dresden einzustellen. Doch nun bleibt der Standort erhalten, allerdings stehen die Bänder für zwei Wochen still. Gleiches gilt für das E-Werk in Zwickau, wo Stellen abgebaut werden und dann eine Schicht gestrichen wird.

Gefahr für heimische Autobauer: Marken aus China drängen nach Deutschland

Ob das reicht, wird sich zeigen. Denn die nächste Bedrohung steht schon vor der Tür. Chinesische E-Autobauer drängen massiv auf den deutschen Markt. Ihre Fahrzeuge sind nicht nur preislich, sondern auch technisch mehr als konkurrenzfähig. Davon profitieren die Autokäufer, die künftig wohl weniger tief in die Tasche greifen müssen.

Rubriklistenbild: © Jan Woitas/dpa/picture alliance