Wie reagiert Trump?

„Geste des guten Willens“: Biden streicht Kuba von US-Terrorliste – Doch Entscheidung hat einen Haken

  • VonJan-Frederik Wendt
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Biden will Kuba von der US-Terrorliste streichen. Das Problem: Trump könnte diese Entscheidung bereits in wenigen Tagen rückgängig machen.

Washington/Kuba – US-Präsident Joe Biden hat sich dafür entschieden, Kuba von der US-Liste der Terrorismus unterstützenden Staaten zu streichen. Das berichtet n-tv. Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter sagte: „Uns liegen keine Informationen vor, die die Einstufung Kubas als Staatssponsor des Terrorismus stützen.“

Biden wolle den Kongress darüber informieren, hieß es in Washington. Der Kongress muss eine solche Entscheidung prüfen. Es bestehe die Hoffnung, dass Kuba von der US-Liste gestrichen wird, bevor der künftige US-Präsident Donald Trump das Amt am 20. Januar übernimmt.

Trump setzte Kuba auf US-Terrorliste: Ist Bidens Entscheidung nur von symbolischer Natur?

Kurz vor Ende seiner ersten Amtszeit hatte Trump Kuba wieder auf die Liste gesetzt. Daher könnte Bidens Schritt vor allem symbolischer Natur sein. Ob Kuba tatsächlich nicht mehr auf der Liste stehen wird, liegt bald wieder in der Macht von Trump. Der 78-jährige Republikaner kann Bidens Entscheidung am Montag direkt wieder rückgängig machen.

Joe Biden will Kuba von der US-Terrorliste streichen (Symbolfoto).

Die aktuelle US-Regierung will mit der Ankündigung erreichen, dass auf Kuba zu Unrecht inhaftierte Insassen freikommen – darunter auch Personen, die sich 2021 an den Protesten gegen die kubanische Führung beteiligt hatten. „Wir glauben, dass es eine bedeutende Zahl an Menschen sein wird, die freigelassen wird“, sagte ein Regierungsvertreter. Man rechne damit, dass einige bereits vor Trumps Amtseinführung auf freien Fuß gesetzt werden.

Kuba nicht mehr auf US-Terrorliste: Regierungsvertreter lobt Biden für „Geste des guten Willens“

Der Regierungsvertreter bezeichnete Bidens Vorstoß als eine „Geste des guten Willens“. Dieser helfe dem kubanischen Volk und sei im nationalen Interesse der USA. Der politische Schritt würde theoretisch gewissen Beschränkungen für Finanzgeschäfte mit kubanischen Einrichtungen aufheben.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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Denn: Als Terrorismus fördernde eingestufte Staaten werden stark sanktioniert. Beispielsweise schränken die USA ihre Auslandshilfe enorm ein, Rüstungsexporte und -verkäufe sind verboten und es gibt Exportkontrollen für Güter, die für zivile und militärische Zwecke genutzt werden können. Folgende Staaten stehen noch auf der US-Terrorliste:

  • Nordkorea
  • Iran
  • Syrien

Die USA setzten Kuba 1982 auf die Liste – unter anderem, weil das Land Mitgliedern der baskischen Untergrundorganisation ETA und der kolumbianischen Guerillagruppe FARC Unterschlupf gewährte. (Jan-Frederik Wendt)

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