Wahlkampf in den USA

Harris-Chancen gegen Trump steigen: Aktuelle US-Wahl-Umfragen in Swing States zeigen Details

  • VonKilian Beck
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Die Umfragen vor der US-Wahl zeigen eine Aufholjagd. Kamala Harris schließt die Lücke, die US-Präsident Biden zu Donald Trump hinterlassen hat. Noch ist trotzdem einiges unklar.

Washington D.C. – Das Ergebnis der US-Wahl zwischen der demokratischen Vizepräsidentin und Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris und dem republikanischen Ex-Präsidenten Donald Trump könnte knapp ausfallen. So geht es zumindest aus aktuellen Umfragen zur US-Wahl in sieben umkämpften Bundesstaaten – sogenannten Swing States – hervor. In den Umfragen aus den Bundesstaaten Arizona, Georgia, Michigan, Nevada, North Carolina, Pennsylvania und Wisconsin liegt Harris entweder knapp vor Trump oder in Schlagdistanz, also innerhalb der statistischen Schwankungsbreite.

Hat derzeit allen Grund zur Freude: Kamala Harris führt in den meisten Umfragen vor Donald Trump.

Umfragen zur US-Wahl: Harris noch nicht lange genug Kandidatin für verlässliche Daten

Politikwissenschaftlich sind die meisten Umfragen zur US-Wahl, die Harris einbeziehen, noch recht wenig aussagekräftig. Einige sind sogenannte Blitzumfragen mit kleinen Stichproben oder sie wurden kurz vor oder nach Harris Nominierung zur Kandidatin erhoben. Die meisten Umfragen wurden in der zweiten Juli-Hälfte, also nach dem Rückzug von US-Präsident Joe Biden von seiner Kandidatur erhoben.

Manche Faktoren sind in diesen Umfragen aktuell noch schwer zu messen: Der Einfluss von Harris‘ Wahlkampf wird sich erst in den kommenden Wochen voll zeigen. Genauso könnte auch die Entscheidung von Harris für Tim Walz, Gouverneur von Minnesota, als Vizepräsidentschaftskandidat noch einen Einfluss insbesondere auf Wählerinnen und Wähler im Mittleren Westen der USA haben. Doch die Republikaner sind aktuell noch um eine neue Wahlkampfstrategie bemüht. Daher lässt sich aktuell schon ein Trend aus den Umfragen herauslesen, wo es mit Harris als Präsidentschaftskandidatin gehen könnte.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Hält Harris die Swing-States, die Biden einst gewann? Umfragen sehen knappes Rennen bei US-Wahl

Im von der Tageszeitung New York Times berechneten Durchschnitt der landesweiten Umfragen zur US-Wahl liegt Harris einen Prozentpunkt vor Trump – mit 45 zur 44 Prozent. Aufgrund des Electoral-College-Wahlsystems zählt es jedoch nur, in welchen Bundesstaaten Harris eine Mehrheit erreicht. Zwar seien hochqualitative Umfragen in den Swing States noch „dünn gesät“, schrieb das Daten-Team der Zeitung am Montag (5. August), für die Staaten Wisconsin, Michigan und Pennsylvania gaben die Analystinnen und Analysten jedoch bereits Trends an. Alle drei Staaten gingen 2016 an Trump und wurden 2020 von US-Präsident Joe Biden gewonnen.

Wisconsin: Umfragen im Swing State vor US-Wahl zeigen hauchdünnen Vorsprung von Harris zu Biden

Im Bundesstaat Wisconsin liegen Harris und Biden demnach mit jeweils 49 Prozentpunkten jeweils gleichauf. Wird der unabhängige Kandidat Robert F. Kennedy Jr. einbezogen, würden 46 Prozent der Befragten ihre Stimme Harris geben und 45 Prozent Trump. Kennedy käme auf vier Prozent. Alle Umfragen zur US-Wahl, die Kennedy einbeziehen, wurden vor seinem Geständnis, einen toten Bären in den Central Park in New York gelegt zu haben, erhoben.

Kandidatin oder KandidatHarrisTrumpKennedy
Umfrage-Schnitt Wisconsin46 Prozent45 Prozent4 Prozent

(Quelle: New York Times)

Michigan: Umfragen zur US-Wahl sehen Trump und Harris gleichauf

In Michigan, liegen Harris und Trump gleich auf, egal ob eine Kandidatur Kennedys einbezogen wurde, oder nicht. In einem Duell liegen Harris und Trump bei jeweils 49 Prozent, ist Kennedy im Rennen, liegt er bei sechs Prozent und Harris und Trump bei jeweils 44 Prozent. Trump führte allerdings in sechs von zwölf Umfragen, die in der letzten Juliwoche erhoben wurden, berichtete das US-Portal Newsweek.

Kandidatin oder KandidatHarrisTrumpKennedy
Umfrage-Schnitt Michigan44 Prozent44 Prozent6 Prozent

(Quelle: New York Times)

Umfragen aus Pennsylvania: Rächt sich Harris Vize-Entscheidung? Knapper Vorsprung vor Trump

Kritisch ist die Situation der Demokraten im Bundesstaat Pennsylvania. Im Schnitt der Umfragen zur US-Wahl liegt Trump mit 49 Prozent vor Harris mit 47 Prozent. Der Abstand schrumpft allerdings, wenn Kennedy in die Umfragen einbezogen wurde. Er liegt bei vier Prozent, Trump bei 44 Prozent und Harris bei 45 Prozent. In fünf von zehn Umfragen aus der letzten Juli- und ersten Augustwoche führte Trump. Lediglich drei sahen Harris vorne, berichtete das Portal. In den kommenden Wochen wird sich in Pennsylvania zeigen, ob Harris Entscheidung gegen Josh Shapiro, den beliebten Gouverneur des Staates, als Vizepräsidentschaftskandidaten richtig war. Mit 20 von 538 Stimmen im Electoral College Pennsylvania der größte Swing State an der Ostküste.

Kandidatin oder KandidatHarrisTrumpKennedy
Umfrage-Schnitt Michigan45 Prozent44 Prozent4 Prozent

(Quelle: New York Times)

Wenige Umfragen zur US-Wahl aus Arizona, Georgia, North Carolina und Nevada – Harris besser als Biden

In Arizona, Georgia, North Carolina und Nevada sahen die Analystinnen und Analysten der New York Times noch nicht genügend Umfragen, um einen Durchschnitt zu errechnen. In Arizona ist die Datenbasis dünn, aber es sieht nach einem Vorsprung Trumps aus, den Harris langsam aufholt. Lediglich zwei renommierte Institute befragten dort Wählerinnen und Wähler nach Harris‘ Kandidatur. In den Umfragen von Public Opinion Strategies und dem Emerson College führte Trump jeweils mit fünf Prozentpunkten vor Harris. Aus den von Newsweek ausgewerteten Blitzumfragen aus der letzten Juliwoche geht allerdings hervor: Die Umfragewerte von Harris liegen inzwischen innerhalb der Schwankungsbreite. Zudem seien ihre Umfragewerte teils um zehn Punkte besser als Bidens.

Kandidatin oder KandidatHarrisTrumpKennedy
Public Opinion Strategies43 Prozent48 Prozent
Emerson College*47 Prozent53 Prozent
Emerson College*40 Prozent48 Prozent5 Prozent

(Quelle: New York Times, *selbe Umfrage)

Georgia vor US-Wahl: Trumps Vorsprung vor Harris hauchdünn

In Georgia zeigen zwei, Mitte Juli erhobene Umfragen, Trump hauchdünn vor Harris. Trump lag darin jeweils bei 48 beziehungsweise 51 Prozent. Harris bei 47 Prozent beziehungsweise 49 Prozent. Demnach könnte eine Kandidatur Kennedys zur US-Wahl Harris in Georgia mehr schaden als Trump. Kennedy erreichte in beiden Umfragen vier Prozent, zog allerdings mehr Befragte von Harris ab, als von Trump und vergrößerte so den Abstand zwischen beiden. Der Abstand blieb allerdings in beiden Szenarien innerhalb der statistischen Schwankungsbreite. Auch in Georgia deuteten Blitzumfragen auf ein Aufschließen Harris gegenüber Trump hin.

Kandidatin oder KandidatHarrisTrumpKennedy
Emerson College43 Prozent46 Prozent4 Prozent
Landmark Commucations44 Prozent46 Prozent4 Prozent

(Quelle: New York Times)

North Carolina: Wenige Umfragen – Harris hinter Trump

Die Datenlage für den Bundesstaat North Carolina war am Mittwoch (7. August) noch besonders dünn. Die letzte hochwertige Umfrage, in der Harris noch als hypothetische Kandidatin der Demokraten zur US-Wahl abgefragt wurde, wurde im Februar erhoben. 50 Prozent der Befragten hätten damals Trump gewählt und lediglich 41 Prozent hätten für Harris gestimmt. Eine Umfrage im Auftrag des US-Senders Bloomberg von Ende Juli zeigte allerdings bereits, dass Trump an Zustimmung verlor und Harris aufschließen konnte. Sie ergab 48 Prozent für Trump und 46 Prozent für Harris, damit liegen beide innerhalb der Schwankungsbreite. Dieser Trend deckt sich mit Blitzumfragen, wie in Arizona sind Harris Umfragewerte in North Carolina deutlich besser als die von US-Präsident Biden.

Kandidatin oder KandidatHarrisTrump
Bloomberg46 Prozent48 Prozent

(Quelle: New York Times)

Harris holt in Nevada auf – manche Umfragen sehen sie gleichauf mit Trump

Auch im Bundesstaat Nevada setzte sich Harris Umfrage-Aufholgjagd fort: Im Februar lag sie als hypothetische Kandidatin in einer Emerson-College-Umfrage noch neun Prozentpunkte hinter Trump. In der letzten Juliwoche führte Trump in einer Umfrage von Public Opinion Strategies mit 46 Prozent, dicht gefolgt von Harris mit 45 Prozent. Eine Blitzumfrage im Auftrag der Tageszeitung Telegraph sah beide gleichauf, mit jeweils 40 Prozent und Kennedy bei fünf Prozent.

Kandidatin oder KandidatHarrisTrump
Public Opinion Strategies45 Prozent46 Prozent

Quelle: New York Times)

Bei allem Optimismus, den Spindoktoren der Demokraten gerade angesichts der Harris steigender Umfragewerte zur US-Wahl zu streuen versuchen, bleibt jedoch ein Aspekt, der die Stimmung trübt: Im Durchschnitt der landesweiten Umfragen liegt Harris aktuell nur knapp über dem Wert, den Biden kurz vor seinem schwachen Auftritt im TV-Duell gegen Donald Trump erreichte.

Für Harris dagegen spricht eine neue Erhebung von The Economist/YouGov. Laut der Umfrage glaubt eine Mehrheit der Amerikaner nun wieder, dass die Demokraten die US-Wahl gegen Donald Trump gewinnen werden. (kb)

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