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Elektroautos: Ein großes Hindernis für die E-Mobilität könnte in Deutschland bald überwunden sein

  • Patrick Freiwah
    VonPatrick Freiwah
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Die Vorbehalte gegenüber Elektroautos könnten in Deutschland bald einem Enthusiasmus weichen. Eine Barriere für die Verbreitung der Elektromobilität steht kurz vor der Lösung.

Berlin/München – Die Trendwende zur Elektromobilität stagniert und das liegt nicht nur am Stopp der staatlichen Förderprämie: Neben hohen Anschaffungskosten erzeugen auch begrenzte Reichweiten und eine als unzureichend empfundene Ladeinfrastruktur Bedenken bei potenziellen Autokäufern.

Im Vergleich zum Tanken eines Verbrenners sind Ladesäulen aus einem weiteren Grund ein großer Hemmschuh für die schnellere Verbreitung von E-Autos: Viele verschiedene Apps und Anbieter, überteuerte Lade-Roamingpreise und totale Intransparenz schaden dem Hochlauf. Das wird sich in der Zukunft ändern.

E-Mobilität in Deutschland: Habeck-Ministerium forciert Ladesäulen-Transparenz

Das Bundeswirtschafts- und Klimaministerium (BMWK) plant eine Anpassung der deutschen Ladesäulenverordnung (LSV), um sie mit einer neuen EU-Verordnung in Einklang zu bringen. Deren Kernpunkt sind „angemessene, einfache und eindeutig vergleichbare, transparente und nichtdiskriminierenden Preise“ sowie die Preisangabenpflicht für Ladesäulenbetreiber und die Preisangabenpflicht für Mobilitätsdienstleister für vertragliches Laden.

Die geplante Maßnahme reiht sich in die Vorschläge zur Reform des Stromsystems in Deutschland ein, die im Wesentlichen auf erneuerbare Energien und die praktikable Umsetzung „grüner Energie“ für Verbraucher und Verbraucherinnen abzielt.

Elektroauto an der Stromtankstelle: Die Ladesäulenverordnung in Deutschland steht vor der Überarbeitung.

Elektroauto laden: Neue Ladesäulenverordnung soll Kernproblem lösen

Eine Anpassung der hiesigen Ladesäulenverordnung wäre eine Antwort auf das Bedürfnis der Verbraucher nach klarer und einfacher Preisgestaltung beim Laden von Elektroautos - so wie man es seit Jahrzehnten von Tankstellen kennt.

Denn prinzipiell sind auch viele Menschen für Elektromobilität offen, die bislang Autos mit Verbrennermotor fahren: Eine Studie der Europäischen Beobachtungsstelle für alternative Kraftstoffe (EAFO) verdeutlicht, dass eine Mehrheit der Europäer offen für den Kauf eines E-Autos ist: Unter Nicht-BEV-Eigentümern geben 57 Prozent der Befragten an, dass sie sich kurz-, mittel- oder langfristig ein Elektroauto kaufen würden - während dies 25 Prozent ausschließen. Auf Deutschland heruntergebrochen sind die Erfassungsdaten der ausführlichen Studie ähnlich. Anschaffungskosten und die Ladeinfrastruktur werden als entscheidende Hindernisse für eine bessere Marktsituation bei Stromern genannt.

Warum mehr Transparenz an Ladesäulen der E-Mobilität hilft

Durch eine neue Ladesäulenverordnung würden auf dem ganzen Kontinent potenzielle Käufer von Elektroautos entlastet, sei es im Hinblick auf Preise, Zeit und auch Nerven – da versteckte Kosten an der Ladesäule nicht mehr für eine böse Überraschung sorgen. Die transparente Preisgestaltung an Ladestationen macht es einfacher, die tatsächlichen Ladekosten eines E-Autos zu kalkulieren.

Zweifellos würde auch die (deutsche) Automobilindustrie von einer verbesserten Ladeinfrastruktur profitieren: Zuverlässige und benutzerfreundliche Ladesäulen sind (mit-)entscheidend für die Akzeptanz und Verbreitung von Elektroautos auch der hiesigen Hersteller.

Von der Bildfläche verschwunden: Zehn große Automarken, die es nicht mehr gibt

Ein Simca 1100 GLS Baujahr 1972 auf einer Oldtimermesse
Ein Oldsmobile Vista Cruiser
Ein NSU Prinz auf einem Oldtimer-Treffen
Ein Plymouth Superbird in einem Museum
Von der Bildfläche verschwunden: Zehn große Automarken, die es nicht mehr gibt

Doch auch wenn die Änderungen der Ladesäulenverordnung ein wichtiger Schritt sind, um das Durcheinander beim Laden von Elektroautos zu beenden: Der Zeithorizont ist noch unklar.

Neue Ladesäulenverordnung in Deutschland - der lange Weg zur Gesetzgebung

Der Entwurf des Ressorts von Robert Habeck (Grüne) stellt lediglich die Grundlage dar, die im Ministerium auf Referenten-Ebene unter Berücksichtigung politischer Vorgaben aus Brüssel erarbeitet wurde. Bevor ein solcher Entwurf final und beschlussfähig ist, durchläuft er in der Regel zahlreiche Abstimmungsrunden und wird rechtssicher formuliert. Der endgültige Wortlaut weicht nach den Verhandlungsrunden oft vom ursprünglichen Entwurf ab, führt Electrive.net aus.

Wann die Änderungsverordnung bei den Ladesäulen in Deutschland also tatsächlich in Kraft tritt, ist noch unklar. Im Entwurf steht lediglich ein Platzhalter: „Diese Verordnung tritt am … (einsetzen: erster Tag des auf die Verkündung folgenden Quartals) in Kraft.“ Zudem wird den Betreibern eine Übergangsfrist von drei Monaten ab Gültigkeit der neuen Gesetzgebung gewährt. (PF)

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