„Unkontrollierbare Eskalation“

Ende des Ukraine-Kriegs: Russland warnt vor Nato-Friedenstruppen

  • Paula Völkner
    VonPaula Völkner
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Wie kann der Krieg in der Ukraine enden? Die Entsendung von Nato-Friedenstruppen wird diskutiert – laut Trump wäre das Europas Job. Moskau lehnt die Überlegung ab.

Moskau – Vertreter von Nato-Staaten äußern sich seit Wochen immer wieder über die Möglichkeit, Friedenstruppen in die Ukraine zu entsenden. In der Debatte geht es auch darum, wie die Ukraine in die Lage versetzt werden könnte, mögliche Friedensverhandlungen mit Russland aus einer Position der Stärke herauszuführen. Neben Waffen für die Ukraine sind daher auch die Nato-Truppen im Gespräch, die eine mögliche Waffenruhe absichern könnten. Nachdem sich in den vergangenen Tagen Vertreterinnen und Vertreter von Nato-Staaten teils offen für die Entsendung von Truppen gezeigt hatten, äußerte sich nun auch Moskau.

Frieden in der Ukraine: Moskau lehnt Nato-Friedenstruppen ab – „unkontrollierbare Eskalation“

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte am Donnerstag (23. Januar) laut Reuters-Bericht, Russland lehne die Überlegung der Nato-Staaten ab. Die Entsendung, so die russische Außenministerin, würde die Gefahr einer „unkontrollierbaren Eskalation“ bergen. Sacharowa soll sich bei der Pressekonferenz auf Äußerungen des britischen Premierministers Keir Starmer sowie des deutschen Verteidigungsministers Boris Pistorius bezogen haben.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Trumps schließt US-Truppen in der Ukraine aus: Pistorius sieht Deutschland in der Verantwortung

Pistorius hatte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung vor wenigen Tagen die Entsendung deutscher Friedenstruppen nicht ausgeschlossen. „Wir sind der größte Nato-Partner in Europa. Da liegt es ja auf der Hand, dass wir eine Rolle spielen werden, Verantwortung übernehmen müssen“, so der Verteidigungsminister. Jedoch betonte Pistorius auch, man werde über die Frage diskutieren, „wenn es so weit ist“.

Die Debatte über die Entsendung von Friedenstruppen hatte der französische Präsident Emmanuel Macron im Dezember angestoßen. Bundeskanzler Olaf Scholz kritisierte den Vorstoß damals als verfrüht. Mit dem Amtseintritt von US-Präsident Donald Trump am 20. Januar haben Diskussionen darüber, wie der Ukraine-Krieg enden könnte, noch einmal an Fahrt aufgenommen. Seine Ankündigung, den Krieg innerhalb von 24 Stunden zu beenden, korrigierte das Team des Republikaners bereits vor Amtsantritt: Es werde ein Prozess über mehrere Monate erwartet.

Ende des Ukraine-Kriegs: Moskau warnt vor der Entsendung von Nato-Friedenstruppen (Montage)

Trump soll laut Reuters-Bericht bei einem Treffen mit Macron und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Dezember deutlich gemacht haben, dass die USA keine Soldaten für die Sicherheit der Ukraine entsenden würde. Das müsse Europa übernehmen.

Ende des Ukraine-Kriegs: Debatte über Nato-Friedenstruppen – Selenskyj spricht von „mindestens 200.000“

Kiew erklärte Mitte Januar, die Stationierung von Nato-Staaten zu unterstützen. „Wir unterstützen, dass ein Kontingent des einen oder anderen Landes, unserer Verbündeten, unserer strategischen Partner, ein Teil der Sicherheitsgarantien werden kann“, sagte Selenskyj auf einer Pressekonferenz mit dem polnischen Regierungschef Donald Tusk in Warschau. Die Frage der Truppenstationierung habe er bereits mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und Vertretern der baltischen Staaten diskutiert. Er werde das auch mit Großbritannien besprechen, kündigte Selenskyj an.

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos erklärte der ukrainische Präsident am Dienstag, es brauche „mindestens 200.000“ Soldaten der Unterstützer-Staaten, um ein Friedensabkommen in der Ukraine durchzusetzen. Im Interview mit Bloomberg betonte Selenskyj, jede wirksame Friedenstruppe benötige US-Truppen. Verbündete in Europa hätten nicht genügend Soldaten. (pav mit Agenturen)

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