Verzweiflung wegen Harris?

Entsetzen über wirre Pressekonferenz: „Donald Trump implodiert im Live-TV“

  • VonLisa Mahnke
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Die Pressekonferenz des Republikaners Trump wirkte verzweifelt. Die fehlende Strategie gegen Kamala Harris könnte die US-Wahl 2024 stark beeinflussen.

Palm Beach – Außer Atem, ohne roten Faden und mit Widersprüchen: Bei einer kürzlichen Pressekonferenz des Republikaners und Präsidentschaftskandidaten Donald Trump schimpfte der Ex-Präsident scheinbar haltlos. In einem wirren Auftritt voller haltloser Behauptungen und offensichtlicher Lügen versuchte Trump wohl, seiner demokratischen Rivalin Kamala Harris für die US-Wahl 2024 das Rampenlicht zu stehlen.

Die Vorwürfe gegen Harris waren vielfältig und unerschöpflich. Die Demokratin habe mit dem US-Präsidenten Joe Biden den Ukraine-Krieg und den Angriff der Hamas am siebten Oktober 2023 nicht verhindert, sei zu weich in der Verbrechensbekämpfung und habe durch den Rückzug der USA aus unter anderem Afghanistan Schwäche gezeigt.

Wegen Harris stünde die Wall Street an einer „Depression, nicht einer Rezession“ und die Demokraten hätten die Abschaffung des Rechts auf Abtreibung verharmlost. Bei seinem Schwall an Angriffen griff Trump auch die kürzliche Kontroverse um Harris ethnische Identität auf und gab an, er habe mit einem Ex-Freund von Harris geredet, der ihm „schreckliche Dinge über sie erzählte“.

Der Ex-Präsident hielt seine Pressekonferenz in seinem Anwesen Mar-a-Lago ab.

Trump rudert zur US-Wahl 2024 bei alten Kontroversen zurück – und verstrickt sich in Widersprüche

Bei einer anderen Frau versuchte Trump plötzlich, seine Aussagen rückgängig zu machen. Er sei „sehr schützend“ gegenüber Hillary Clinton gewesen, die im Jahr 2016 für die Demokraten gegen Trump antrat. In der Kampagne hatte der Republikaner regelmäßig gefordert, Clinton müsse ins Gefängnis kommen. Womöglich versuchte der Ex-Präsident nun zurückzurudern, weil er selbst in mehreren Prozessen angeklagt ist und bei einem sogar bereits für schuldig erklärt wurde.

Auch zum Sturm auf das Kapitol im Jahr 2021 verbreitete Trump Lügen: „Niemand wurde am 6. Januar getötet“, so der Ex-Präsident, obwohl insgesamt neun Tode mit dem Sturm in Verbindung gebracht werden. Trump lobte in seiner Rede allerdings auch die Aufständischen und gab an, er wolle sie begnadigen. Gleichzeitig gab er jedoch an, dass es eine „friedliche Übergabe“ der Macht gegeben hätte – ein Wirrwarr voller widersprüchlicher Aussagen.

Trumps abstruser Vergleich bei der Pressekonferenz: Martin Luther King und Donald Trump

Stolz zeigte sich der Republikaner auch auf das Publikum bei seiner Rede vom 6. Januar 2021, bei der er seine Unterstützer zum „Kämpfen wie der Teufel“ aufrief. „Niemand hat zu größerem Publikum gesprochen als ich“, so Trump. „Wenn man sich Martin Luther King ansieht, als er seine Rede hielt, seine große Rede, und wenn man sich unsere anschaut, dieselben Immobilien, dasselbe alles, dieselbe Anzahl von Menschen, wenn nicht sogar mehr.“ In dem Vergleich geht es um die berühmte „I have a dream“-Rede, die Martin Luther King 1968 gehalten hatte.

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Dass Trump falsche Informationen über die Größe seines Publikums verbreitet, wäre nicht das erste Mal. Allerdings widersprach sich der Republikaner in seiner Pressekonferenz immer wieder selbst. „Sie sagten, ich hätte 25.000 und er hätte eine Million Menschen. Und ich habe kein Problem damit, denn ich mochte Dr. Martin Luther King“.

Trump schießt in der US-Wahl 2024 ohne Strategie gegen Harris – Erste Konsequenzen bereits zu sehen

Die Pressekonferenz am Donnerstag (8. August) bestätigte, was der prominente Republikaner Karl Rove bereits einen Tag zuvor beim Wall Street Journal geschrieben hatte: „Die Trump-Kampagne ist ins Trudeln geraten. Herr Trump scheint verunsichert. Er begeht viele unfreiwillige Fehler und verschwendet wertvolle, unersetzliche Zeit mit Beleidigungen, Nebensächlichkeiten und Belanglosigkeiten.“

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
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„Ich habe die Strategie überhaupt nicht neu kalibriert“, sagte Trump in der Presskonferenz und bestätigte damit, was die Trump-Kampagne schon länger kritisierte. Dass es keine klare Linie gibt, führte bereits zu Unsicherheiten bei vielen Republikanern. Rove gab an, Trump und sein Kandidat für die Vizepräsidentschaft, J.D. Vance, müssten sich bald auf eine Angriffslinie gegen Harris und ihren Vizekandidaten Tim Walz einlassen und dann dabei bleiben. „Wenn sie diese beiden Ziele nicht erreichen kann, könnte ein Rennen, das Herr Trump vor drei Wochen noch kurz vor dem Sieg stand, verloren sein.“

Doch der Aufritt von Trump zeigte bereits Wirkung und unterstrich eine Verzweiflung, die den Republikanern schon länger unterstellt wurde. Der demokratische Kampagnensprecher Ammar Moussa gab laut der US-Nachrichtenseite Independent an, Trump hätte „online und heute bei seinem Country Club Wutausbrüche für die Medien“, weil er nicht die Aufmerksamkeit bekäme, die er wolle. Die Organisation „Republikaner gegen Trump“ gab auf X an: „Donald Trump implodiert im Live-Fernsehen“. Sollten Trump auch bei dem geplanten TV-Duell gegen Harris keine klare Strategie fahren, könnte das weitreichende Auswirkungen für die US-Wahl 2024 haben. (lismah)

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