Nächtlicher Angriff

Russische Partisanen schlagen in Russland zu: Putin reagiert und spottet

Russische Partisanen kündigen neue Angriffe gegen russische Soldaten an.
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Russische Partisanen kündigen neue Angriffe gegen russische Soldaten an.
  • Bedrettin Bölükbasi
    VonBedrettin Bölükbasi
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Im Ukraine-Krieg mischen auch russische Partisanengruppen mit. Sie haben nun wieder zugeschlagen und kündigen „heftige Kämpfe“ an.

Update vom 13. März, 6.30 Uhr: Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich über die Angriffe russischer Partisanen auf die Grenzregionen Kursk und Belgorod geäußert. „Die Erklärung ist ganz einfach. All dies geschieht vor dem Hintergrund von Misserfolgen an der Kontaktlinie, an der Front. Sie haben keines der Ziele erreicht, die sie sich letztes Jahr gesetzt hatten“, sagte Putin über die Partisanen, die teils auch der ukrainischen Armee angehören oder von ihr unterstützt werden. Die Partisanen wollten, so Putin, „etwas zeigen“, um von den Misserfolgen abzulenken. Laut Putin hätten bis zu 300 Kämpfer – darunter auch „ausländische Söldner“ – die russischen Grenzregionen attackiert.

Erstmeldung vom 12. März: Moskau – Nicht nur die Ukraine wünscht sich ein Russland ohne das Regime von Kreml-Chef Wladimir Putin: Russische Partisanen und Freiwillige haben nun zusammen mit dem ukrainischen Militär zu den Waffen gegriffen. In der Nacht auf Dienstag (12. März) sind sie nach eigenen Angaben in die russischen Regionen Belgorod und Kursk an der ukrainischen Grenze eingedrungen.

Russische Partisanen attackieren Putins Soldaten: „Freiheit und Gerechtigkeit in unser russisches Land“

Über Monate war es weitgehend still um das „Sibirien-Bataillon“ – eine bewaffnete Gruppe, die zwar Teil des ukrainischen Militärs ist, aber nicht aus Ukrainern, sondern aus russischen Freiwilligen besteht. Am Dienstagmorgen brachen sie ihr Schweigen: Im Kurznachrichtendienst Telegram veröffentlichten sie zwei Videos, die die Kämpfer des Bataillons bei Angriffen auf russische Truppen in Belgorod und Kursk zeigen sollen.

Das erste Video, offenbar mit einer Wärmebildkamera aufgenommen, zeigt, wie Einheiten der Truppe auf russischem Boden vordringen und mit Sturm- sowie Scharfschützengewehren russische Soldaten attackieren. Dazu die Botschaft: „Nun sind wir endlich zu Hause.“ Wie versprochen bringe man „Freiheit und Gerechtigkeit in unser russisches Land“. Das „kriminelle diktatorische Regime in der Russischen Föderation“ könne man nicht friedlich zu stürzen, sondern „nur mit Waffen in der Hand“ beseitigen: „Auf russischem Territorium kommt es zu heftigen Kämpfen.“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Russische Partisanen greifen im Ukraine-Krieg ein – Appell zur Russland-Wahl

Ein zweites Video zeigte mindestens drei Kämpfer des Bataillons in einem Waldstück. Zwei Personen knien in der Aufnahme neben Bäumen und blicken offenbar in Richtung von Stellungen des russischen Militärs. Ein weiterer Kämpfer filmt sich und seine Kameraden. Der Textnachricht des Videos zufolge rufen die Partisanen das russische Volk dazu auf, die anstehenden Wahlen in Russland zu ignorieren.

„Stimmzettel und Wahllokale sind in diesem Fall Fiktion. Nur mit Waffen in der Hand können Sie Ihr Leben wirklich zum Besseren verändern. Wer ein Leben in Armut und Tyrannei nicht akzeptiert, muss die richtige Wahl treffen“, appellierte das Bataillion auf seinem Telegram-Kanal.

Zeitgleich mit dem Vorstoß des „Sibirien-Bataillons“ auf russischem Boden veröffentlichte auch die „Legion Freiheit Russlands“ neue Aufnahmen aus mutmaßlich russischem Territorium. Dabei handelt es sich um eine unabhängig agierende russische Partisanen-Gruppe, die allerdings Berichten zufolge vom ukrainischen Militär unterstützt wird. In einem Video auf Telegram zeigte die „Legion“, wie ihre Kämpfer in der Nacht die ukrainisch-russische Grenze überquerten, um Putins Truppen anzugreifen.

Russische Partisanen-Gruppe droht Putin: „Werden dem Regime unser Land wegnehmen“

Zuvor hieß es in einer Videobotschaft: „Wie alle unsere Mitbürger träumen wir in der Legion von einem Russland, das von Putins Diktatur befreit ist. Aber wir träumen nicht nur, sondern wir setzen alles daran, diese Träume wahr werden zu lassen. Wir werden dem Regime unser Land Zentimeter für Zentimeter wegnehmen.“ Die Russen würden „ruhig schlafen, keine Angst vor der Türklingel haben und ohne Angst sagen, was sie denken“, so das Versprechen der „Legion“. „Die Russen werden wählen, wen sie wollen, und nicht, wen sie sollten. Die Russen werden frei leben“, heißt es weiter.

Später wurde ein weiteres Video geteilt, das offenbar den Angriff auf einen russischen Schützenpanzer in der Siedlung Tjotkino in der Grenzregion Kursk zeigt. Gleichzeitig wurden weitere Attacken verkündet. Zudem baten die Partisanen russische Bürger um Hilfe: Sie forderten Personen, die Informationen zu militärischen Einheiten oder Produktionsstätten an der ukrainischen Grenze haben, wurden dazu auf, diese über einen Telegram-Bot mit den Kämpfern zu teilen.

Der Sprecher des ukrainischen Geheimdienstes, Andrii Yusow, bestätigte die Zusammenstöße auf russischem Territorium. Im ukrainischen Sender Kanal 24 sagte er, die einzelnen Einheiten seien zwar separate Truppen, führten derzeit aber „sehr wahrscheinlich eine gemeinsame Operation“ aus. Die letzten großen Angriffe der Partisanen auf russischem Territorium hatten im Mai und Juni 2023 stattgefunden.

Russland reagiert auf Partisanen-Angriff: „Versuch des Kiewer Regimes vereitelt“

Aus Russlands Hauptstadt Moskau kam wenig später eine erste Reaktion auf den Angriff der Partisanen. „Ukrainische Saboteure“ hätten versucht, mit gepanzerten Fahrzeugen aus drei Richtungen in die russischen Regionen Kursk und Belgorod einzudringen. „Der Versuch des Kiewer Regimes wurde durch die Grenzschutzeinheiten und den Einheiten des FSB vereitelt“, hieß es vom russischen Verteidigungsministerium.

Bei den Zusammenstößen habe man bis zu 60 „ukrainische Terroristen“, 5 Panzer und einen Schützenpanzer ausgeschaltet. Die Angriffe aus der Ukraine seien mit Flugzeugen, Artillerie und Raketenschlägen abgewehrt worden. Zu einer Verletzung der russischen Grenze sei es nicht gekommen. Die Angaben der Kriegsparteien lassen sich nicht unabhängig verifizieren. (bb)

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