Bizarrer Vorschlag aus Berlin

„Iron Dome“ als Schutz: Israels Top-Raketenschild weckt Begehrlichkeit in Deutschland – was kann es?

  • VonDayan Djajadisastra
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Die Berliner CDU fordert den „Iron Dome“ zum Schutz der Hauptstadt. Aktuell befindet sich das Raketenabwehrsystem in Israel erneut im Einsatz. Wie funktioniert es? 

Berlin – Eskalation im Nahen Osten: Mit einem Überraschungsangriff auf die Atomanlagen im Iran hat Israel die Auseinandersetzung zwischen den beiden verfeindeten Ländern wieder aufflammen lassen. Die Großattacke blieb nicht lange unbeantwortet. In einer ersten Reaktion schoss das Regime am Freitag (13. Juni) mehr als 100 Drohnen in Richtung des Erzfeindes ab. Doch der Gegenschlag verpuffte weitgehend. Der Großteil wurde von der israelischen Luftwaffe nach ZDF-Informationen abgeschossen. Insgesamt fühlt sich Israel gegen mögliche Luftschläge ausreichend gerüstet – dank des berühmten „Iron Dome“.

Trotz der Gefahr weiterer Gegenschläge aus dem Iran bietet der „Iron Dome“, Teil der israelischen Verteidigung, der Bevölkerung nämlich einen zuverlässigen Schutzschild: Mit einer vom Hersteller angegebenen Erfolgsquote von rund 90 Prozent soll das Raketenabwehrsystem eines der besten der Welt sein. Doch was steckt dahinter?

Wie funktioniert das Raketenabwehrsystem Iron Dome?

Das Abwehrsystem „Iron Dome“ dient dem Staat Israel bereits seit dem Jahr 2011. Es soll Israel vor Raketen- und Mörserangriffen schützen. Jede Einheit besteht aus drei entscheidenden Bausteinen:

  • einem Radarsystem zur Erkennung anfliegender Flugkörper
  • einem Leitrechner zur Berechnung ihrer Flugbahn
  • sowie einer Startrampe für die Abfangraketen

Bis zu 20 dieser Startrampen sind in einer Batterie zusammengefasst. Die Einheiten sind mobil und können daher im Ernstfall schnell dorthin verlegt werden, wo ihr Schutz am dringendsten ist. Die Iron-Dome-Batterien fangen laut ZDF Raketen und Mörsergranaten mit einer Reichweite von bis zu 70 Kilometern ab. Der „Iron Dome“ ist jedoch nur Teil eines ausgeklügelten Verbundes: Zusammen mit dem Arrow- und dem David’s-Sling-System soll das Gerät den Luftraum Israels vor Attacken schützen.

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Die Bundeswehr ist zu See, an Land und in der Luft mit verschiedenen Waffensystemen präsent.
Ein Startfahrzeug eines Patriot-Luftabwehrsystems der Bundeswehr. (Symbolfoto)
Ein Flugabwehrsystem Skyranger 35 von Rheinmetall, in diesem Fall auf einem GTK Boxer als Waffenplattform.
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Debatte über Iron Dome in Deutschland entfacht - Schutz vor Putins und Russland

Der Erfolg des israelischen „Iron Dome“ sorgt jetzt auch in Deutschland für Aufsehen und Forderungen nach einem ähnlichen Raketenabwehrsystem zum Schutz der Hauptstadt. Wie unter anderem die Nachrichtenagentur dpa berichtet, hatte die Berliner CDU just einen Tag vor der Eskalation im Nahen Osten die Einführung eines „Iron Dome“ zum Schutz von Berlin gefordert. CDU-Fraktionschef Dirk Stettner plant demnach in der kommenden Woche eine Reise nach Tel Aviv, um sich dort über das israelische Abwehrsystem zu informieren. Im Anschluss sind Besuche bei deutschen Rüstungsunternehmen vorgesehen. Ob die Reisepläne angesichts der aktuellen Ereignisse aufrechterhalten lassen, bleibt abzuwarten.

„Der Schutz Berlins ist eine originäre Aufgabe des Staates“, zitierte der Tagesspiel Stettner. Auch bei den anstehenden Verhandlungen zum Hauptstadtvertrag, der Ende 2027 ausläuft, müsse das Thema Sicherheit stärker berücksichtigt werden. „Wir müssen in den Schutz und die Sicherheit der Berlinerinnen und Berliner investieren angesichts russischer Aggressionen“, sagte Stettner bereits am Donnerstag bei einem Gespräch mit Journalisten. Laut dem Tagesspiegel zeigen sich SPD, Linke und Grüne allerdings skeptisch: Grünen-Politiker Vasili Franco warf Stettner vor, mit „Blendgranaten“ abzulenken, während die Linke den Vorstoß als Ablenkung von eigenen Problemen kritisierte.

Der Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende Dirk Stettner fordert Iron Dome für Berlin

Iron Dome zum Schutz von Berlin - kommt das Raketenabwehrsystem nach Deutschland?

Die Debatte, die die Berliner CDU mit ihrem Vorstoß entfacht hat, findet vor dem Hintergrund einer zunehmend angespannten Stimmung in Russland statt. Eine aktuelle Umfrage des unabhängigen Lewada-Zentrums, veröffentlicht vom Nachrichtenmagazin SPIEGEL, zeigte jüngstüberraschende Ergebnisse: Mehr als die Hälfte der befragten Russinnen und Russen (55 Prozent) betrachten Deutschland als den größten Feind ihres Landes. Diese Wahrnehmung unterstreicht die komplexen und angespannten deutsch-russischen Beziehungen in der aktuellen geopolitischen Lage.

Das Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ ist in Israel seit 2011 im Einsatz. (Archivbild)

Iron Dome: Wie hoch sind die Kosten des israelischen Abwehrsystems?

Sollte der Iron Dome wirklich nach Deutschland kommen, stellt sich natürlich auch die Frage der Kosten. Laut Augsburger Allgemeinen liegt der Preis für eine einzelne Abfangrakete des „Iron Dome“ bei etwa 50.000 Euro.

Rubriklistenbild: © Ariel Schalit/AP/dpa