„Letzter verzweifelter Versuch“

„Hochwertige“ Ziele Russlands von der Ukraine aufgelistet: USA urteilen über ATACMS-Einsätze im Krieg

  • VonSimon Schröder
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Kiew besteht darauf, Langstreckenwaffen gegen Wladimir Putin einzusetzen, um sich weiterhin effektiv gegen Wladimir Putin verteidigen zu können.

Kiew/Washington D.C. – Die Ukraine will Präsident Joe Biden überzeugen, die schlagkräftigen ATACMS-Langstreckenraketen auch gegen Ziele im Ukraine-Krieg einsetzen zu dürfen, die tief in russischem Gebiet liegen. Eigens dafür habe die Ukraine eine List ausgearbeitet, auf der sich einige hochkarätige Ziele in Russland befinden, die theoretisch in Reichweite der US-Waffe wären, wie Ukrainska Pravda berichtet. Die bisherige Richtlinie für die Ukraine war, dass keine Ziele tief innerhalb Russlands mit US-Waffen angegriffen werden dürfen, um eine Eskalation des Konflikts zu verhindern.

Ende Mai hatte die USA der Ukraine zur Verteidigung von Charkiw eine Ausnahme erteilt. Die Ukraine durfte das Feuer auf russische Stellungen innerhalb Wladimir Putins Territorium erwidern. Die Nutzung der US-Langstreckenwaffen tief innerhalb Russlands jedoch war weiterhin untersagt. Auch während der Kursk-Offensive war und ist die Richtlinie der USA weiterhin dieselbe. Der Ukraine wurde von US-Seite geraten, die ATACMS-Angriffe stattdessen auf die von Russland besetzte Krim-Halbinsel zu fokussieren.

Eine ATACMS-Rakete startet aus einem HIMARS-Mehrfachraketenwerfer.

Ukraine will Biden überzeugen US-Waffen im Ukraine-Krieg gegen Russland einsetzen zu dürfen

Rustem Umerow, Verteidigungsminister der Ukraine und Andriy Yermak, Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, werden diese Woche nach Washington reisen, um der Biden-Administration die Liste mit den „hochwertigen“ Zielen vorzulegen, wie Politico berichtet. Diese Auflistung soll laut Politico ein „letzter verzweifelter Versuch“ sein, um die Großmacht von der strategischen Wichtigkeit zu überzeugen, die ATACMS auch innerhalb Russlands einsetzen zu dürfen.

Denn die USA beharren seit Monaten nun mehr darauf, dass es aus strategischer Sicht keinen Unterschied mache, ob die Ukraine Langstreckenwaffen gegen Russland einsetzten darf, da die wichtigen Ziele von Russland mittlerweile sowieso außer Reichweite sind. Diese neue Liste soll Biden jedoch vom Gegenteil überzeugen.

Am Montag (26. August) äußerte sich Selenskyj in einem Statement: „Es sollte keine Restriktionen bei der Reichweite der Waffen für die Ukraine geben, während die Terroristen (Russland, Anm. d. Red.) keine Restriktionen haben.“ Weiter sagte er: „Die Verteidiger des Lebens sollten keine Restriktionen beim Einsatz von Waffen haben.“

US-Richtlinie über die Benutzung von US-Waffen im Ukraine-Krieg habe sich nicht geändert

John Kirby, Sprecher des Verteidigungsministeriums, sagte bei einer Pressekonferenz am Montag noch, es gebe keine Kehrtwende von den bisherigen Richtlinien in der Thematik. „Dies ist beileibe kein neuer Wunsch von Präsident Selenskyj. Aber wie ich bereits viele Male gesagt habe, werden wir mit den Ukrainern weiterhin im Austausch sein, allerdings im Privaten.“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ein anonymer Abgeordneter im US-Kongress äußerte sich gegenüber Politico, dass die Biden-Regierung den aktuellen Vorschlag aus Kiew zumindest in Betracht ziehe. Nächsten Monat sollen sich außerdem Biden und Selenskyj bei der UN-Generalversammlung in New York treffen. (sischr)

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