Trump schießt gegen Harris

Harris bringt Hoffnung für die Demokraten – Aber eine klare Message fehlt noch

  • VonSimon Schröder
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Kamala Harris wird in den kommenden Wochen noch beweisen müssen, warum die amerikanischen Wahlberechtigten bei der US-Wahl für sie stimmen sollen.

Washington D.C. – Seit Präsident Joe Bidens Rücktritt vom US-Wahlkampf konnte seine Vizepräsidentin Kamala Harris fast über Nacht die Wahlkampfkampagne übernehmen. In der US-Wahl ist das Momentum gerade aufseiten der Demokraten. Die ehemalige Staatsanwältin konnte bereits nach wenigen Tagen die nötigen Delegiertenstimmen aus den Vorwahlen hinter sich vereinigen. Beim kommenden Parteitag der Demokraten im August wird sie wohl keinen Gegenwind erwarten müssen.

Direkt nach Übernahme der Biden-Kampagne brach Harris einen Spendenrekord: 81 Millionen Dollar innerhalb von 24 Stunden konnte die 59-Jährige für ihren Wahlkampf sammeln, wie AP News berichtet. Damit das Momentum allerdings auch weiterhin auf ihrer Seite bleibt, muss sie jetzt vor allem ein Problem angehen: Bei Trump wissen die Wählerinnen und Wähler, woran sie sind. Harris ist hingegen neu auf der Bühne und obwohl sie als Vizepräsidentin das Land mitregiert, bei vielen unbekannt. Sie wird sich daher die nächsten Wochen noch beweisen müssen.

Kamala Harris besucht während des US-Wahlkampfes Indianapolis.

Für Kamala Harris heiße es jetzt weiterhin auf Angriff zu gehen, sich zu etablieren und auch ein Stück weit von Biden abzusetzen, wie n-tv berichtet. Unterdessen ließ Donald Trump keinen Moment vergehen, um selbst zum Angriff überzugehen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in North Carolina hatte Trump bereits einen neuen Spitznamen für Harris parat: „Lyin‘ Kamala Harris“, also „lügende Kamala Harris“. Im Trommelfeuer ging es weiter, als er sie als „wahre Marxistin“, „radikale linke Verrückte“ oder auch „Zarin der Grenze“ bezeichnete.

Harris kann bei den Frauen und Afroamerikanerinnen punkten

Einen großen Vorteil hat Harris gegenüber Biden vor allem bei Minderheiten. Für viele war Biden das geringere Übel, das sie bereit waren zu wählen. Mit Harris allerdings erhoffen sich viele, dass nun ein frischer Wind in der Demokratischen Partei weht, wie Politico berichtet. Über Zoom hatten sich beispielsweise viele schwarze Frauen am Sonntag nach Bidens Rücktritt zusammengeschlossen, um für Harris Spenden einzusammeln. Bis zu 40.000 Unterstützer kamen so zeitweise spontan online zusammen.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Und auch bei weißen Frauen kann Harris punkten. Bei einem Treffen am Donnerstagabend unter dem Namen „Weiße Frauen: Geht ans Telefon!“ nahmen rund 164.000 Personen teil. Insgesamt konnte die Gruppe über 8 Millionen Dollar an Spenden für Harris einsammeln.

Harris startet kämpferisch in den US-Wahlkampf: Kontrastprogramm zu Biden

Harris kann auch in ihrem Auftreten überzeugen. Der 81-jährige Biden war zwar stets bemüht, vital und fit in Erscheinung zu treten, doch spätestens nach dem TV-Duell gegen Trump war für alle klar ersichtlich, dass Biden das Alter zu schaffen macht. Harris scheint dagegen mit ihren 59 Jahren fast schon jugendlich. In ihrer ersten Wahlkampfrede präsentierte sie sich kämpferisch und voller Energie.

Jetzt muss sie vor allem die Unentschiedenen noch von sich überzeugen. Die Republikaner versuchen das, indem sie Steuersenkungen und protektionistische Maßnahmen versprechen. Höhere Löhne und niedrige Inflation. Harris müsse nun dagegenhalten, um die Unentschlossenen nicht an die Republikaner zu verlieren, wie es auf n-tv heißt. Ein schweres Unterfangen als amtierende Vizepräsidentin. (SiSch)

Rubriklistenbild: © Darron Cummings/dpa