Verluste im Ukraine-Krieg

„Chaotischer Beschuss“: Ukraine nimmt Bachmut unter Feuer – Russlands Truppen zurückgedrängt

  • Jens Kiffmeier
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Die Ukraine will die Front verschieben. Offenbar ist die Offensive gegen Russland bei Bachmut erfolgreich. Selenskyj spricht von einem Meilenstein.

Bachmut – Durchbruch im Süden, neuer Frontverlauf im Norden: Die Ukraine treibt ihre Gegenoffensive im Krieg gegen Russland beharrlich voran. Offenbar haben Kiews Streitkräfte rund um Bachmut den Invasionstruppen schwere Verluste hinzugefügt und mehrere Dörfer gleichzeitig unter Feuer genommen. Das bestätigte ein vom Kreml eingesetzter Beamter in einem auf Telegram veröffentlichten Video-Beitrag.

„In den letzten 24 Stunden hat der Feind in Richtung Lyman eine Reihe von Aktionen durchgeführt und Kampfaufklärungen in mehrere Richtungen gleichzeitig durchgeführt“, zitierte Kyiv Independent am Freitag (22. September) den russlandtreuen Regionalbeamten Denis Puschilin. Die Situation bleibe rund um Bachmut angespannt, sagte er und fügte hinzu: „Die Stadt selbst steht unter chaotischem Beschuss.“

Aktueller Frontverlauf: Ukraine drängt bei Bachmut Russlands Truppen zurück

Dem Bericht zufolge haben die Streitkräfte der Ukraine nördlich von Bachmut Angriffsbataillone zusammengezogen und mehrere Dörfer angegriffen. Ob der Frontverlauf dadurch aber bereits verschoben wurde, war zunächst unklar. Während Russland behauptete, die Angriffe abgewehrt zu haben, deutete die ukrainische Regierung von Präsident Wolodymyr Selenskyj bereits einen baldigen Erfolg der Gegenoffensive an.

Für einen neuen Frontverlauf: Meter um Meter kämpfen sich die ukrainischen Truppen bei Bachmut gegen Russland vorwärts.

„Wir werden Bachmut von Okkupanten befreien“, sagte Selenskyj im Gespräch mit US-Sender CNN und kündigte die Rückeroberung von Bachmut sowie zweier anderer Städte an. „Ich denke, wir werden noch zwei weitere Städte von Okkupanten befreien.“ Er werde aber aus taktischen Gründen keine Details nennen. „Wir haben einen Plan; einen sehr, sehr umfassenden Plan.“

Gegenoffensive im Ukraine-Krieg: Videos zeigen Kämpfe an der Bachmut-Front

Laut dem US-Institut für Kriegsstudien (ISW) haben die ukrainischen Truppen bei ihrer Offensive vor allem in der Nähe von Odradiwka (9 Kilometer südlich von Bachmut), Andrijiwka (10 Kilometer südwestlich von Bachmut) und Kurdjumiwka (12 Kilometer südwestlich von Bachmut) nennenswerte Fortschritte erzielt. Im Netz kursierten einige Foto- und Videoaufnahmen, die ukrainische Soldatinnen und Soldaten bei ihrem Vorstoß an diesem Frontabschnitt mit einer Helmkamera gemacht hatten und die von der Nachrichtenagentur AP teilweise veröffentlicht worden sind.

Russische Verluste: Kampf um Bachmut ist eine der blutigsten Schlachten im Angriffskrieg

Bachmut wurde im Mai dieses Jahres nach monatelangen brutalen Kämpfen von Russlands Streitkräften im Ukraine-Krieg eingenommen. Die Eroberung der Stadt, bei der vor allem auch die Wagner-Gruppe des inzwischen verstorbenen Söldner-Bosses Jewgeni Prigoschin beteiligt war, war für Russland der bislang am teuersten erkaufte Sieg im Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Verteidiger hatten den Angriffen der Kreml-Truppen sehr lange standgehalten – wohl auch, um ihnen maximale Verluste zuzufügen. Eine Befreiung von Bachmut wäre eine symbolträchtige Niederlage für Russlands Präsidenten Wladimir Putin.

In den USA, einem der wichtigsten Verbündeten Kiews, wurde das Festhalten an Bachmut und der lang anhaltende Rückeroberungskampf lange eher skeptisch gesehen. Angesichts hoher Verluste und einem eher geringen strategischen Wert pochen die US-Militärberater wohl eher auf eine Konzentration der Fähigkeiten auf einen Durchbruchsversuch im südlichen Frontabschnitt, wo es zuletzt größere Erfolge gab. Jedoch räumte das Pentagon zuletzt ein, dass die ukrainische Gegenoffensive an vielen Stellen allmählich ihre Wirkung zeige.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Für neuen Frontverlauf: USA schnüren Waffenpaket – Selenskyj reist nach Kanada

Angesichts der aktuellen Entwicklungen haben die USA noch einmal ihre Waffenhilfe für die Ukraine angepasst. Statt Langstreckenraketen will die Regierung von US-Präsident Joe Biden jetzt vor allem Panzer und Minenräumfahrzeuge zur Verfügung stellen, damit Kiews Truppen die russischen Linien weiter durchbrechen und den Frontverlauf entscheidend verschieben können. Darauf einigte sich Selenskyj mit den US-Vertretern bei seinem Besuch in Washington. Am Freitagnachmittag flog er weiter nach Kanada, wo es ebenfalls um neue Waffenpakete gehen sollte. (jkf)

Rubriklistenbild: © Libkos/ap/dpa

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