Modell bringt überraschende Daten

„Mega-Umfrage“ zu Trump und Harris weist auf eindeutigen Sieg bei US-Wahl hin

  • Stephanie Munk
    VonStephanie Munk
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Die US-Wahlprognosen lassen ein enges Duell zwischen Trump und Harris erwarten. Eine neue Umfrage bringt jedoch eine unerwartete Neuigkeit.

Washington, D. C. – Der Sieg von Trumps bei der US-Wahl 2016 und der Ausstieg der Briten aus der EU – beides versetzte der Weltöffentlichkeit eine Art Schock. Denn vorhergesagt hatten diese Ergebnisse fast keine Umfrage. Nur das britische Meinungsforschungsinstitut YouGov sagte laut einem Bericht von Politico damals beide Ereignisse voraus: sowohl den spektakulären Sieg Trumps über Hillary Clinton als auch den Brexit.

YouGov verwendete damals beide Male bei seiner statistischen Methode sogenannte MRP-Modelle – genannt auch „Mega-Umfragen“. Jetzt, vor der US-Wahl am kommenden Dienstag, ist wieder solch eine Mega-Umfrage, erstellt aus riesigen Umfragedaten, erschienen. Diesmal publizierte sie nicht YouGov, sondern Focaldata, ein anderes britisches Meinungsforschungsinstitut. Und diese neuen Ergebnisse zu Umfragen bei der US-Wahl sagen einen deutlichen Sieg von Kamala Harris über Donald Trump voraus.

Neue Umfrage zur US-Wahl: Wohl kein enges Rennen zwischen Harris und Trump

Stimmt die Prognose von Focaldata zur US-Wahl, würde die Demokratin Kamala Harris am 5. November am Republikaner Donald Trump vorbeiziehen. Die Methode namens „Mulitlevel Regression and Post-Stratification“ (kurz: MRP) basiert auf einer gigantischen Stichprobe: In den gesamten USA wurden rund 31.000 Wähler befragt, gleichzeitig gab es eine groß angelegte Online-Umfrage unter US-Wählern in den Swing States.

Hoffen auf Erfolg in den „Swing States“: Donald Trump und Kamala Harris.

Die beiden Datensätze wurden mithilfe demografischer Daten auf die Ebene der US-Bundesstaaten heruntergebrochen. So wird eine genauere Prognose möglich, wie Harris und Trump in den wichtigen Swing States abschneiden werden. Und das ist wegen des speziellen Wahlsystems in den USA mit der Devise „the winner takes it all“ besonders entscheidend.

Kamala Harris liegt laut neuer Umfrage in einigen Swing States deutlich vor Trump

Das Resultat der neuen „Mega-Umfrage“, das dem US-Magazin Politico vorliegt, fällt deutlich anders aus als andere Umfragen zur US-Wahl. Kamala Harris kann demnach im Swing State Michigan auf einen Vorsprung von fast fünf Prozent vor Donald Trump hoffen, in Nevada auf einen Vorsprung von zwei Prozent vor Trump.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Auch für Pennsylvania und Wisconsin prognostiziert die „Mega-Umfrage“ einen knappen Vorsprung der Demokraten vor den Republikanern. In Georgia und North Carolina dagegen läge Trump laut den Umfragezahlen vor Harris. Unklare Ergebnisse erzielt das Modell für den Ausgang der Wahl im Swing State Arizona. Warum aber liegt diese Mega-Umfrage, beruhend auf dem MRP-Modell, so weit entfernt von anderen US-Wahl-Umfragen? Für Michigan zum Beispiel sehen andere Umfragen nur einen hauchdünnen Vorsprung für Harris, wohingegen die „Mega-Umfrage“ sie jetzt satte fünf Prozent vorne sieht.

Forscher beobachtet „Herdenverhalten“ bei Umfragen zur US-Wahl

Eine Erklärung sehen die Meinungsforscher von Focaldata darin, dass unter den Umfrageinstituten bei dieser US-Wahl eine Tendenz zu „Herdenverhalten“ herrscht. Um nicht wieder derart falsch zu liegen wie bei der Wahl 2016, würden die ihre Umfrageergebnisse zur Mitte des Verteilungsdiagramms hin gruppieren. Heraus kämen dadurch Ergebnisse, die tendenziell eine 50:50-Chance beider Kandidaten prognostizieren.

„Wir haben, wie auch andere, bei dieser Wahl Anzeichen von Herdenverhalten unter den Meinungsforschern gesehen – wahrscheinlich aus Angst, Trump zum dritten Mal in Folge zu unterschätzen“, erklärte dazu James Kanagasooriam, Forschungsleiter bei Focaldata. Zu beobachten sei ein auffälliger Mangel an „Ausreißer“-Ergebnissen bei den Umfragen zur US-Wahl: Fast keine Umfrage sehen einen klaren Sieg für einen der Kandidaten. Es sei aber durchaus denkbar, dass die US-Wahl trotz all der Kopf-an-Kopf-Umfragen überhaupt nicht knapp ausfallen wird – sondern überraschend eindeutig. (smu)

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