Ukrainische Luftabwehr

Sichere Ukraine, sichere Nato: Kiew bringt neuen Vorschlag zur Russland-Abwehr ein

  • Paula Völkner
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Täglich beschießt Russland die Ukraine. Der Vorschlag des ukrainischen Außenministers: Von Polen aus den ukrainischen und den Nato-Luftraum gleichzeitig schützen.

Kiew – Rund 2000 Marschflugkörper und Raketen hat die Ukraine nach eigenen Angaben seit Beginn des Krieges im Februar 2022 abgewehrt. Trotzdem wurden viele Städte und Orte zerstört und zahlreiche Menschen bei Luftangriffen getötet. Aktuell starten Wladimir Putins Truppen erneut täglich Luftangriffe auf die Ukraine.

Immer wieder fordert der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj daher die westlichen Staatschefs auf, weitere Luftabwehrsysteme zu liefern. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba spielte indessen ein neues Szenario für die Luftabwehr der Ukraine durch: die Verteidigung der Ukraine von Nato-Grund aus.

Kuleba hat in einem Interview mit TSN.Week gesagt, er prüfe die Möglichkeit, in Polen Patriot-Raketensysteme zum Schutz der westukrainischen Grenze zu nutzen. „Das ist jetzt realistisch. Tatsächlich würde es die Nato-Staaten auch vor dem Eintreffen von Drohnen oder Raketen auf ihrem Territorium schützen“, sagte der ukrainische Außenminister Nexta zufolge. Allein der deutsche Bundeswehr-Bestand verfügt noch über zehn Einheiten des Patriot-Systems. Viele davon seien jedoch für Nato-Einsätze reserviert, berichtete Tagesspiegel.

Deutschland stationierte 2023 Patriot-Systeme in Polen nach Raketeneinschlag auf polnischen Gebiet

Die Stationierung des Flugabwehrsystems in Polen ist grundsätzlich keine neue Idee. Bereits im Jahr 2023 stationierte Deutschland in Polen Luftabwehrsysteme, zum Schutz des Nato-Staates. Fast zehn Monate lang waren die deutschen „Patriot“-Kampfstaffeln dort stationiert. Ende 2023 kehrten die drei Patriot-Flugabwehrraketen nach Deutschland zurück.

Damals ging es um den Schutz des polnischen- und damit des Nato-Luftraums. Auslöser für die Lieferung der Patriot-Luftabwehrsysteme waren im November 2022 Raketeneinschläge auf polnischem Gebiet, bei denen zwei Männer starben. Bei den Raketeneinschlägen handelte es sich wahrscheinlich nicht um einen russischen Angriff auf einen Nato-Staat, sondern um fehlgeleitete ukrainische Raketen.

Ein Startgerät des Flugabwehrraketensystems Patriot (Archivbild)

Die Bundeswehr schreibt über das Patriot-System, das zur Bekämpfung von Flugzeugen, taktischen ballistischen Raketen und Marschflugkörpern dient, es sei „schneller als der Schall“. Patriot erkennt über sein Radarsystem Flugobjekte und leitet diese an die zuständigen Einheiten weiter. Mithilfe von Computern wird das Objekt verifiziert und eingeordnet. Nach Überprüfung der Bedrohungsanalyse durch die zuständigen Soldaten, leiten diese die Bekämpfung, also den Abschuss der Abwehrrakete, ein.

Scholz und Selenskyj geben weitere deutsche Patriot-Lieferung an Ukraine bekannt

Am Samstag (13. April) gaben die deutsche Bundesregierung und Selenskyj bekannt, dass von Deutschland ein drittes Patriot-Flugabwehrsystem an die Ukraine geliefert werden soll. Darauf hatten sich Selenskyj und Bundeskanzler Olaf Scholz in einem Telefonat geeinigt, berichtete Euronews. Der Militärexperte Carlo Masala kommentierte die geplante Lieferung auf der Plattform X: „Deutschland liefert eine zusätzliche PATRIOT Feuereinheit in die Ukraine. Das ist sehr gut. Es fehlen trotzdem noch 7-9 Einheiten. Europa wo bist du?“.

Außenministerin Baerbock fordert Nato-Staaten zur Patriot-Lieferung an die Ukraine auf

Außenministerin Annalena Baerbock teilte ebenso am Samstag zusammen mit dem ukrainischen Außenminister ein Video auf der Plattform X, in dem auch sie die europäischen Staaten zur Lieferung weiterer Flugabwehrsysteme aufrief. „Mit der weiteren #Patriot-Einheit verstärken wir den Schutzschirm der #Ukraine. Denn sie verteidigt auch unsere Friedensordnung“, kommentierte Baerbock das Video. Gemeinsam mit Verteidigungsminister Pistorius wolle sie bei den Partnern „systematisch für weitere Sofortlieferungen an Luftverteidigung“ werben.

Ukraine, Charkiw: Außenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90 / Die Grünen) geht während ihrer Reise im Januar 2023 in die Ostukraine neben dem ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba in Charkiw durch den stark zerstörten Stadtteil Saltiwka (Archivbild)

Zuletzt hatte auch der Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg die westlichen Verbündeten aufgefordert, weitere Unterstützung zur Luftabwehr an die Ukraine zu senden. „Verzögerungen bei der Lieferung von Luftabwehrsystemen werden es russischen Raketen ermöglichen, mehr Ziele zu treffen“, erklärte er dem Tagesspiegel zufolge.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Nato-Bündnisstaaten geben für 5,5 Milliarden Dollar Beschaffung von 1000 Patriot-Raketen in Auftrag

Bislang haben neben Deutschland die USA ein System in die Ukraine geliefert. Dazu kamen zwei Patriot-Abschussrampen aus den Niederlanden. Die ukrainischen Nachbarländer Ungarn, die Slowakei und Polen verfügen bislang über keine eigenen Patriot-Systeme. Lediglich Rumänien verfügt über acht Patriot-Abwehrsysteme, die das Land als wesentliches Bestandteil der Nato-Ostflanke jedoch höchstwahrscheinlich nicht an die Ukraine liefern wird. Ein Bündnis der Nato-Staaten, darunter Deutschland, die Niederlande und Spanien, hat im Januar für 5,5 Milliarden Dollar die Beschaffung von 1000 Patriot-Raketen in Auftrag gegeben. (pav)

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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