Obama, Harris & Co.

Gegen Trump: Das sind Biden-Alternativen der Demokraten bei der US-Wahl 2024

  • Marcus Giebel
    VonMarcus Giebel
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Joe Biden und Donald Trump können als US-Präsidentschaftskandidaten kaum Aufbruchstimmung entfachen. Ein Blick auf die Alternativen der Demokraten.

Washington, D.C. – Für das Amt des mutmaßlich mächtigsten Mannes der Welt kann man gar nicht alt genug sein. Dieser Eindruck drängt sich im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen in diesem November auf. Nachdem Donald Trump mit seinen Erfolgen bei den Vorwahlen der Republikaner alle Konkurrenten zur Aufgabe gezwungen hat, deutet alles auf eine Neuauflage des Duells von 2020 hin. Denn Amtsinhaber Joe Biden will wieder antreten.

US-Wahl im November: Biden gegen Trump oder 82 Jahre gegen 78 Jahre

Dabei feiert der Demokrat kurz nach der Wahl seinen 82. Geburtstag. Und Trump wird dann auch schon 78 Jahre alt sein. Bei seinem Amtsantritt im Januar 2017 stellte der Unternehmer selbst einen Altersrekord für einen neuen Präsidenten auf – mit damals 70 Jahren. Der Altersunterschied zu seiner Kontrahentin Hillary Clinton betrug jedoch nicht einmal ein Jahr.

Die US-Bürger haben also seit einigen Jahren die Wahl zwischen Bewerbern im Seniorenalter. Oder um es drastischer auszudrücken: alt, älter, US-Präsident.

Vielleicht aber setzt doch noch ein Umdenken ein. Zumindest bei den Demokraten scheint Biden keinesfalls so sicher auf dem Wahlzettel zu landen, wie es bislang wirkt. Ihm unterlaufen bei öffentlichen Auftritten zuweilen Patzer, die wohl seinem fortgeschrittenen Alter geschuldet sind. So verhaspelte er sich bei Reden oder brachte Fakten durcheinander. Letzteres ist Trump zuletzt allerdings auch schon passiert, doch an dem wohl streitbarsten aller US-Präsidenten gibt es für die Republikaner augenscheinlich kein Vorbeikommen.

Wirkt sich seiner Sache nicht immer ganz sicher: Joe Biden strebt eine zweite Amtszeit als US-Präsident an.

Alternativen der Demokraten zu Biden als US-Präsident: Harris liefert schlechte Umfragewerte

Biden, der bei einem weiteren Wahlsieg seinen 86. Geburtstag im Weißen Haus erleben würde, dürfte auch deshalb wieder der Hoffnungsträger der Demokraten sein, weil sich in deren Reihen niemand wirklich als Alternative aufdrängt. Das verdeutlicht auch das US-Wirtschaftsmagazin Forbes, das einige mögliche Kandidaten unter die Lupe genommen hat, die im Fall der Fälle in die Bresche springen könnten.

Auf der Hand liegt natürlich eine Beförderung von Kamala Harris, die als Vizepräsidentin unter Biden ohnehin einspringen würde, falls das Staatsoberhaupt die Geschäfte nicht führen könnte. Die 59-Jährige verfügt jedoch nicht über die Popularität des aktuellen Präsidenten. Laut einer aktuellen Umfrage von USA Today und der Suffolk University sind nur 36 Prozent der Teilnehmer mit ihrer Arbeit zufrieden, 52 Prozent sehen sie dagegen kritisch.

Gerade einmal 38 Prozent der Befragten haben grundsätzlich eine positive Meinung von ihr, womit sie sogar noch hinter Trump landet, der auf 40 Prozent kommt. Biden schafft hier 41 Prozent.

Wird Sanders US-Präsident? Für die Demokraten wohl wegen Alter und politischer Ausrichtung keine Option

Der zweite auch international bekannte Name unter den Kandidaten ist Bernie Sanders. Doch ist der eigentlich unabhängige Politiker, der sich im US-Senat den Demokraten angeschlossen hat, noch ein Jahr älter als Biden. Der 82-Jährige zog zudem vor vier und acht Jahren bei den Vorwahlen jeweils den Kürzeren.

Bereits vor knapp einem Jahr hatte Sanders zudem Biden seine Unterstützung zugesichert. Darüberhinaus soll die Partei vor seinen Aussagen zurückschrecken, sich am demokratischen Sozialismus zu orientieren. Eine solche politische Ausrichtung scheint in den USA kaum mehrheitsfähig zu sein.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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Obama-Rückkehr ins Weiße Haus: Ehemalige First Lady ist bei den US-Bürgern beliebt

Gehandelt wird bereits seit einiger Zeit auch Michelle Obama. Ihr könnte gemeinsam mit Barack Obama das gelingen, woran die Clintons gescheitert sind: das Weiße Haus jeweils als Staatsoberhaupt und als Ehepartner sein Zuhause nennen zu dürfen. Die ehemalige First Lady hat zwar hervorragende Umfragewerte – so erhielt sie bei einer Befragung für das US-Portal Newsweek 46 Prozent Zustimmung und würde von jedem fünften Trump-Wähler unterstützt werden –, doch lehnt sie eine Kandidatur bisher eisern ab.

Ebenfalls in der öffentlichen Verlosung ist Gavin Newsom. Der Gouverneur von Kalifornien betont jedoch bei jeder Gelegenheit seine Loyalität zu Biden. Da müsste der US-Präsident wohl schon freiwillig zur Seite treten und ihn bitten, die Kampagne anzuführen.

Gleiches gilt für die Gouverneure J.B. Pritzker aus Illinois, Gretchen Whitmer aus Michigan, Jared Polis aus Colorado und Josh Shapiro aus Pennsylvania. Auch für das Quartett, das 2022 überzeugende Wahlsiege einfuhr, scheint es nicht infrage zu kommen, Biden dazwischenzugrätschen. „Der Mann weiß mehr, als die meisten von uns vergessen haben“, lobte Pritzker den US-Präsidenten laut dem Bericht auf einer Pressekonferenz.

Alternativen zu Joe Biden, die wohl keine Optionen sind: Vizepräsidentin Kamala Harris (l.), Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom und Ex-First-Lady Michelle Obama werden in der Öffentlichkeit als US-Präsident(in) gehandelt.

Buttigeg aktuell ohne Chance: Verkehrsminister muss sich von Folgen eines Zugunglücks erholen

Nicht erwähnt wird in dem Artikel Pete Buttigeg. Der 42-Jährige war 2020 in den Vorwahlen früh ausgestiegen und gehört als Verkehrsminister Bidens Kabinett an. In dieser Funktion machte er sich jedoch im vergangenen Jahr infolge des Zugunglücks von East Palestine im Bundesstaat Ohio angreifbar. Damals waren giftige Chemikalien freigesetzt worden, nicht nur die Republikaner warfen ihm eine ausgebliebene Reaktion vor.

So gab Buttigeg in einem CNN-Gespräch Fehler zu und gestand, die politischen Folgen des Unfalls unterschätzt zu haben. Zudem hätte er eingesehen, dass er sich früher am Unglücksort hätte zeigen müssen. Den Verkehrsminister in dieser Zeit treffen zu können, hätte den Bürgern seiner Meinung nach geholfen.

Buttigeg als künftiger US-Präsident? Seine Zeit wird wohl noch kommen

Vorerst scheint sich Buttigeg damit ins Abseits geschossen zu haben, wenn es um die Präsidenten-Diskussion geht. Wohl auch deshalb kommt er bei Forbes gar nicht zur Sprache. Doch seine Zeit kann ja noch kommen. Im Gegensatz zu Biden und Trump sollte er noch eine lange Politiker-Karriere vor sich haben können.

Dass man auch im hohen Alter noch für den wichtigsten Posten in den USA infrage kommt, wird Buttigeg seit einigen Jahren vorgeführt. Sehr wahrscheinlich auch bei der anstehenden Wahl im November wieder. (mg)

Rubriklistenbild: © imago (Collage)

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