Bei „Maybrit Illner“

„Ballon geplatzt“: Strack-Zimmermann erteilt Taurus-Ringtausch klare Absage

  • VonKilian Beck
    schließen

Taurus-Marschflugkörper für Großbritannien und dafür britische Storm Shadows für die Ukraine? Ein Ringtausch ist keine Option für FDP-Politikerin Strack-Zimmermann.

Berlin – Der Streit in der Ampel-Koalition um die Taurus-Marschflugkörper geht weiter. Verteidigungsausschussvorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) wurde in der ZDF-Sendung Maybrit Illner nach dem Taurus-Ringtausch gefragt und antwortete metaphorisch: „Da hat einer einen Ballon losgelassen und der ist schon auf dem Weg nach oben geplatzt“.

Ein Ringtausch mit Großbritannien, das im Gegenzug für deutsche Taurus-Flugkörper weitere vom Typ Storm Shadow aus eigener Produktion an die Ukraine liefern würde, steht seit Ende Januar im Raum. Gestritten wird über die Lieferungen seit Monaten.

Streiten sich um die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine: Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Verteidigungsexpertin Agnes Strack-Zimmermann (FDP).

Selenskyj hofft auf Taurus-Marschflugkörper aus Deutschland

Zuletzt hoffte der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, noch im ARD-Interview, dass die Ukraine Taurus aus Deutschland geliefert bekomme. Ins Detail gehen, woher er diese Hoffnung schöpfe, wollte er in dem Interview nicht. Aktuell sperrt sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), die Waffen an das von Russland angegriffene Land zu liefern. Christian Mölling, Sicherheitspolitikexperte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, sagte dem ZDF, die Lieferung der Waffen wäre sinnvoll, da sie, verglichen zu den britischen Marschflugkörpern, die „Handlungsfähigkeit der Ukraine“ deutlich verbessern würde.

Es sei aber keine Waffe, die das Kriegsgeschehen fundamental verändere. Der Ukraine-Krieg entwickelte sich spätestens mit dem Scheitern der ukrainischen Gegenoffensive zu einem Stellungs- und Abnutzungskrieg. Russland greift zudem gezielt zivile Infrastruktur an.

Strack-Zimmermann bezeichnet Scholzs Sorge vor Eskalation als „Unsinn“

In dem gehe es darum, möglichst viel Logistik des Gegners zu zerstören, so Mölling. Genau dafür könnten die Taurus hilfreich sein. Scholz begründete seine Haltung stets mit einer Sorge vor der Eskalation des Krieges. Strack-Zimmermann (FDP) bezeichnete dies bei Maybrit Illner zum wiederholten Male als „Unsinn“. Sie nehme an, Scholz gebe die Marschflugkörper nicht frei, „schlicht, weil er nicht will“. Eine Sorge, die Scholz äußerte, ist, dass die Taurus russisches Staatsgebiet erreichen könnten und dies zu einer Eskalation führen könnte.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ein Ringtausch mit Großbritannien kritisierte Strack-Zimmermann zuletzt gegenüber IPPEN.MEDIA als „untauglich“, da die Storm Shadows den Taurus technisch unterlegen seien. Auch der Grüne Europaausschussvorsitzende Anton Hofreiter forderte Taurus-Lieferungen an die Ukraine.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sei die anhaltende Debatte „leid“, sagte der SPD-Politiker am Mittwochabend (31. Januar) bei den Haushaltsberatungen im Bundestag. Obwohl Deutschland der zweitgrößte Unterstützer der Ukraine sei, werde ausschließlich über ein spezielles Waffensystem diskutiert – „als wenn es darauf ankäme, ob wir alles liefern, was geht, oder ob wir uns auch selber noch ein Stück Freiheit und Verantwortung dafür nehmen, diese Entscheidung zu treffen“. (kb mit dpa)

Rubriklistenbild: © Andrea Bienert/Bundeswehr/Christian Charisius/Henning Kaiser/dpa/Montage