„Arbeitsteilung“ bei Ukraine-Verhandlungen
Trump als „Good Cop“? Experte vermutet Doppelstrategie von Trump und EU
VonStephanie Munkschließen
Haben Europa und die USA eine gemeinsame Taktik bei den Ukraine-Verhandlungen vereinbart? Trump könnte den Putin-Versteher nur spielen, so ein Experte.
Washington, D. C./Brüssel – Nach dem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump ist Russlands Machthaber Wladimir Putin weiterhin nicht bereit zu einem Waffenstillstand im Ukraine-Krieg. Trump zieht daraus aber keine Konsequenzen, etwa durch neue US-Sanktionen gegen Russland.
Im Gegenteil: Trump bezeichnet sein Gespräch mit Putin als „exzellent“ und stellte eine Handelspartnerschaft mit Russland in Aussicht. Europa reibt sich die Augen: Waren sich doch die europäischen Regierungschefs Friedrich Merz, Keir Starmer, Emmanuel Macron und Donald Tusk vergangene Woche noch sicher, Trump in Sachen Sanktionen auf ihrer Seite zu haben.
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Donald Trump tritt als Putin-Versteher auf – Doppelstrategie mit Europa im Ukraine-Krieg?
Was ist da los? Warum tritt Donald Trump gegenüber Putin, dem Aggressor im Ukraine-Krieg, so gefügig auf? Das Verhalten von Trump befeuerte bereits Spekulationen, dass er viel tiefere Beziehungen zu Putin pflegt, als er zugibt, möglicherweise sogar ein Spion Russlands ist.
Der Außenpolitik-Experte Benedikt Franke, Geschäftsführer der Münchner Sicherheitskonferenz, äußerte im aktuellen Bild-Podcast „Ronzheimer“ eine ganz andere Theorie zu den aktuellen Ukraine-Verhandlungen: „Ich glaube, dass die ‚Good Cop, Bad Cop‘-Theorie (…) die beste Erklärung für das ist, was wir da gerade sehen.“
Europa und die USA hätten sich auf eine Doppelstrategie gegenüber Russland verständigt, glaubt Franke: „Ein Trump, der immer wieder das Türchen für Russland offen hält, der Putin jede Steilvorlage gibt, und Europäer, die versuchen müssen, die Ukraine in eine bestmögliche Verhandlungsposition zu bringen und Putin die Grenzen aufzuzeigen.“ Das sei „eine Arbeitsteilung“, so der Fachmann – „wenn auch keine gute, aber es ist eine“.
Trump habe „ernsthaftes Interesse“ an Ende des Ukraine-Kriegs und stehe auf Seite Europas
Franke warnte daher im Podcast davor, Trump „in eine Kiste“ mit Putin zu stecken. Trump sei nach wie vor auf der Seite der Europäer und habe ein „ernsthaftes Interesse“, den Ukraine-Krieg zu beenden, schon allein, weil er als Friedensstifter in die Geschichte eingehen wolle. „Ich glaube, das ist das, was Trump möchte, dass er immer wieder den Putin-Versteher mimt und die möglichen wirtschaftlichen Versprechen eines Kriegsendes betont.“ Europäische Politiker wie Merz und Macron würden dagegen die Rolle des „Bad Cop“ zufallen. Dazu gehöre, Russland mit Sanktionen zu drohen und diese auch durchzusetzen, den Druck auf Putin hochhalten.
Kanzler Merz schreibt auf X von Verständigung mit Trump über Sanktionen gegen Putin
Dazu passt ein aktueller X-Beitrag des deutschen Kanzlers Friedrich Merz nach dem Telefonat von Trump und Putin. Merz schrieb am Montagabend: „Europa und Amerika sind hier sehr geschlossen: Wir werden die Ukraine auf dem Weg hin zu einem Waffenstillstand eng begleiten. Europa wird den Druck auf Moskau durch Sanktionen erhöhen. Darauf haben wir uns mit @POTUS nach seinem Gespräch mit Putin verständigt.“ Zu einer abgestimmten Strategie der USA und Europa passt auch, dass Trump die europäischen Staatschefs wohl direkt nach seinem Putin-Telefonat über die Lage informiert hat.
Wichtig sei jetzt, dass Europa bei einer harten Linie gegenüber Russland bleibe und angedrohte Sanktionen tatsächlich durchziehe, glaubt Franke. Aktuell kommen die EU-Verteidigungs- und Außenminister in Brüssel zusammen, um ein neues Sanktionspaket gegen Putin freizugeben. Weitere Strafmaßnahmen sollen dort außerdem diskutiert werden.
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Trump setzte nicht nur bei Putin auf „Good Cop, Bad Cop“-Strategie
Ob die „Good Cop, Bad Cop“-Theorie des Siko-Experten stimmt, bleibt abzuwarten. Donald Trump setzte jedenfalls schon des Öfteren auf diese Strategie in der internationalen Politik, zum Beispiel bei Verhandlungen mit dem Iran und bei seinem Umgang mit Nordkorea, wie die Deutsche Welle in einer Analyse schreibt. Auch im Zollkrieg lasse Trump einige seiner Vertrauten die „guten Polizisten“, andere die „bösen Polizisten“ spielen, heißt es bei der BBC.
Vor allem US-Außenminister Marco Rubio spiele gegenüber anderen Staaten gerne den „Good Cop“, während Trump den „Bad Cop“ mime, schreibt auch das US-Blatt Washington Examiner. Beispiele seien Fragen der Rückführung von illegalen Einwanderern, der Übernahme von Grönland und des Panama-Kanals und einer US-Kontrolle des Gazastreifens. (smu)
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