Regierung will Militär aufrüsten
Trump-Drohung: Dänemark pumpt Milliarden in Grönland-Verteidigung – EU will Ruhe bewahren
- VonJan-Frederik Wendtschließen
Mit einem Deal will Trump Grönland übernehmen. Dänemark antwortet mit einem milliardenschweren Verteidigungsprogramm für die Arktis.
Update 28. Januar, 16.10 Uhr: Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hat sich auch aus Deutschland Rückendeckung geholt. Bei einem Treffen mit Olaf Scholz in Berlin sagte der Bundeskanzler: „Grenzen dürfen nicht mit Gewalt verschoben werden – to whom it may concern (an alle, die es betrifft).“ Weiter erklärte Scholz: „Die Unverletzlichkeit von Grenzen ist ein Grundprinzip des Völkerrechts.“
Erstmeldung: Kopenhagen – Zur Verteidigung von Grönland hat Dänemark ein Milliardenprogramm angekündigt. Das berichtet der Spiegel. Die Regierung will 14,6 Milliarden dänische Kronen investieren – umgerechnet knapp zwei Milliarden Euro. Allein 11,9 Milliarden Kronen sollen für militärische Zwecke ausgegeben werden.
Damit reagiert Dänemark auf Trumps Plan, dass die arktischen Gebiete zu den USA gehören sollten. Völkerrechtlich ist Grönland ein Teil von Dänemark. Zwar lebt die Bevölkerung weitgehend selbstständig – ist finanziell aber auf Dänemark angewiesen.
Unter anderem will die dänische Führung das Militär mit drei speziell für die Arktis ausgerüsteten Schiffen ausrüsten. Zudem sollen zwei Drohnen für Langzeiteinsätze gekauft und Satelliten-Kapazitäten ausgebaut werden. Das berichtet der dänische Rundfunk. Ein Großteil der Ausstattung soll auf und um Grönland zum Einsatz kommen.
Dänemark investiert Milliarden Euro in Grönland-Verteidigung
Seit längerer Zeit ringt die dänische Politik um eine verbesserte Ausrüstung in der Arktis. Nach jahrelangem Sparkurs versprach die Regierung bereits im vergangenen Jahr mehr Geld in das Militär zu investieren – einen Teil davon auch in der Arktis. Im Laufe der kommenden zehn Jahre sollen 25 Milliarden Euro ausgegeben werden. Damals blieben die Details unklar.
Offenbar haben sich der zuständige Parlamentsausschuss und die Regierung nun geeinigt. Beispielsweise sollen vier ältere Inspektionsschiffe der Marine ersetzt werden. Der Ersatz soll flexibler sein und Platz für Hubschrauber und Drohnen bieten. In der Zukunft sollen unbemannte Flugobjekte das dänische Hoheitsgebiet hauptsächlich überwachen – worunter Grönland fällt.
Die Grönländer wünschen sich ihre Unabhängigkeit. Seit Jahren beschäftigen die Gesellschaften eine Debatte über koloniales Unrecht. Doch die schamlosen Trump-Offerten verunsichern. Bei der Präsentation des neuen Militäraktes in Kopenhagen war auch Vivian Motzfeldt, Ministerin für Äußeres und Handel auf Grönland: „Wir sind uns auch darüber im Klaren, dass sich die sicherheitspolitische Lage verändert hat, und dem müssen wir Rechnung tragen.“
Trumps Grönland-Plan: Telefonat zwischen USA und Dänemark
Künftig sollen mehr Menschen auf Grönland eine militärische Grundausbildung erhalten. Das Programm dafür gibt es erst seit vergangenem Jahr.
Die Nato wächst und kämpft: Alle Mitgliedstaaten und Einsätze des Bündnisses




Vor wenigen Tagen verlief ein Telefonat zwischen Kopenhagen und Washington wohl desaströs, berichtete die Financial Times. Seitdem läuft in Dänemark offenbar ein Notfallprogramm.
In einer gemeinsamen Erklärung haben die US-republikanische Senatorin Lisa Murkowski und die dänische Abgeordnete Aaja Chemnitz mitgeteilt: Die arktische Insel sei „für Geschäfte offen, aber nicht zum Verkauf“. Das berichtet Politico. Murkowski vertritt Alaska, Chemitz vertritt Grönland.
Trump bezeichnet Grönland als „wunderbaren Ort“ und schließt Gewalt nicht aus
„Als Gesetzgeberinnen, die Grönland in Dänemark und den Vereinigten Staaten vertreten, sehen wir einen besseren Weg nach vorne. Die Vereinigten Staaten sollten wie Dänemark erkennen, dass die Zukunft von Partnerschaft und nicht von Besitz bestimmt wird“, fügten die Politikerinnen hinzu.
Zuvor hatte Trump militärische Gewalt nicht ausgeschlossen. „Grönland ist ein wunderbarer Ort. Wir brauchen es für die internationale Sicherheit. Und ich bin sicher, dass Dänemark mitmachen wird – es kostet sie viel Geld, es zu erhalten, es zu behalten“, sagte der US-Präsident letzte Woche im Oval Office gegenüber Reportern.
Laut der Financial Times haben Nato und EU Stillschweigen über Grönland vereinbart. Laut vier Beamten arbeitet Dänemark mit beiden Akteuren eng zusammen. Kopenhagen wolle eine öffentliche Konfrontation mit Trump vermeiden. In einem Telefonat habe der Republikaner der dänischen Premierministerin Mette Frederiksen mit US-Zöllen gedroht und erneut verweigert, eine gewaltsame US-Einnahme von Grönland auszuschließen. (Jan-Frederik Wendt)
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