Zukünftige US-Regierung
Trump-Kabinett ist vollzählig: Wilder Mix mit vielen Kontroversen
- VonLisa Mahnkeschließen
Trumps Übergangsteam zeigt ein diverses Kabinett: Von einer Wrestling-Managerin bis zu einem Footballer. Jedoch sind viele Bewerber strittig.
Washington, D.C. – Das Wunschkabinett des designierten US-Präsidenten Donald Trump ist „offiziell vollständig“. Das gab das Übergangsteam des Republikaners am Samstag bekannt. Viele der Kandidaten sind kontrovers diskutiert: Milliardäre, mutmaßliche Sexualstraftäter, eine Wrestling-Chefin und ein Footballer prägen das Trump-Kabinett. Wer sind die Menschen, die voraussichtlich bald die US-Politik prägen werden?
Pro-Israel und Anti-Ukraine-Hilfen: Elise Stefanik, John Ratcliffe und Mike Waltz für Außenpolitik und Sicherheit
Im Trump-Kabinett finden sich voraussichtlich viele Unterstützer Israels und Kritiker der Ukraine-Hilfen wieder. Die voraussichtliche US-Botschafterin bei der UN, Elise Stefanik, zum Beispiel steht klar auf der Seite Israels. Auch der designierte CIA-Chef John Ratcliffe kritisierte den angeblich mangelnden Rückhalt für Israel unter dem US-Präsidenten Joe Biden. Während Trumps erster Amszeit sollte Ratcliffe ebenfalls CIA-Chef werden. Da viele Kongressabgeordneten den Trump-Favoriten für zu unerfahren und parteiisch hielten, machte Trump damals einen Rückzieher. Innerhalb der Geheimdienste wird Ratcliffe laut US-Medienberichten als das geringste Übel betrachtet.
Der republikanische Kongressabgeordnete Mike Waltz soll der Nationale Sicherheitsberater werden. Er ist ehemaliger Offizier der US-Militäreinheit Green Berets, die dienstälteste Spezialeinheit der US-Armee. Er ist ebenfalls China-Kritiker und sieht die finanzielle Unterstützung der Ukraine kritisch. Um die Geheimdienstkoordination soll sich die frühere demokratische Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard kümmern, die die US-Unterstützung der Ukraine ebenfalls kritisch sieht.
Außenminister Marco Rubio und der umstrittene Trump-Favorit Pete Hegeseth fürs Verteidigungsminiserium
Der voraussichtliche neue Außenminister Marco Rubio fällt vor allem wegen der Kehrtwende auf, die er in den letzten Tagen vollzogen hat. War er einst Trump-Kritiker, wurde er bald zu einem glühenden Verfechter und galt als eine der Optionen für die Vizepräsidentschaft. Als Kongressabgeordneter stimmte er gegen ein milliardenschweres Paket für militärische Ukraine-Hilfen. Rubio fordert außerdem härtere Sanktionen gegen den Iran.
Trumps Favorit für das Verteidigungsministerium, Pete Hegseth, ist umstritten. Zuletzt landete er wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs in den Medien. Besonders bei ihm wird spekuliert, ob der US-Senat Hegseth möglicherweise ablehnen könnte. Der ehemalige Soldat und Fox-News-Moderator kritisierte viele Spitzenmilitärs im Pentagon als zu „woke“. Europäischen Staaten wirft Hegseth vor, sich zu sehr auf die US-Unterstützung zu verlassen.
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Scott Bessent und Howard Lutnick für Finanzen und Handel im Trump-Kabinett – Kennedy Jr. ins Gesundheitsministerium
Der Hedgefonds-Manager und Milliardär Scott Bessent soll US-Finanzminister werden. Er befürwortet, ähnlich wie Trump, eine protektionistische Strategie à la „America First“. Heißt übersetzt: Die Zölle auf ausländische Importe sollen steigen, während im Inland Steuern gesenkt werden sollen. Der Milliardär und Chef des Finanzdienstleiters Cantor Fitzgerald, Howard Lutnick, ist der Favorit für das Handelsministerium. Der China-Kritiker würde die Erhöhung und Durchsetzung von Zöllen planen.
Trumps Favorit für das Gesundheitsministerium, Robert F. Kennedy Jr., gilt als besonders umstritten. Er ist Impfgegner und verbreitet regelmäßig Verschwörungstheorien. Trump schrieb auf seiner Online-Plattform Truth Social, er solle die US-Bürger künftig vor „Täuschung, Fehlinformation und Desinformation“ schützen, mit denen die Bevölkerung zuvor bedrängt worden sei.
Trump-Team für radikale Migrationspolitik: Kristi Noem, Tom Homan und Stephen Miller
Die voraussichtliche Heimatschutzministerin Kristi Noem gilt als Verfechterin eine strengen Grenzpolitik. Sie würde mit der Aufsicht der Einwanderungs- und Grenzschutzbehörde (ICE) und der Arbeit der Sicherheitsbehörden an den Grenzen zu Mexiko und Kanada betraut sein. Für Trump, der seinen Wahlkampf mit dem Versprechen einer Massenabschiebung geführt hat, ist dieses Ministerium zentral.
Ebenso wichtig ist der voraussichtliche Grenzschutzbeauftragte Tom Homan, der früher Leiter der US-Grenzschutzbehörde ICE war. Laut Trumps Aussagen wäre er vor allem für die Abschiebungen der Migranten verantwortlich. Trumps Pläne für die Migrationspolitik unterstützen soll außerdem der Politikberater Stephen Miller, der neben der Position als stellvertretender Stabschef auch Heimatschutz-Berater werde, so Trump.
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Bürokratieabbau mit der Wrestling-Chefin McMahon und Unternehmern: Wright, Musk und Ramaswamy
Das Bildungsministerium soll die Wrestling-Chefin Linda McMahon übernehmen. Langfristige Jobchancen wird sie dort wohl nicht haben: Das Bildungsministerium soll sich selbst abschaffen, da Trump die Verantwortung für Bildung völlig in die Hände der US-Bundesstaaten legen will.
Deutlich wird auch: Der Kampf gegen den Klimawandel wird unter Trump erneut ins Stocken geraten. Der Energieminister-Favorit Chris Wright ist Fracking-Unternehmer und Klimawandel-Skeptiker. Auch er soll vor allem Bürokratie abbauen, aber auch Investitionen in fossile Brennstoffe ankurbeln. Trump ist ein besonderer Fan von dem umstrittenen Fracking und nannte Wright einen der „Pioniere“. Es handelt sich dabei um eine Extraktionstechnik mit hohen Umweltrisiken, bei der verschlossene Erdöl und -gasvorkommen durch Chemikalien und Druck extrahiert werden.
Deregulieren möchte Trump auch in der US-Umweltbehörde EPA. Der Ex-Abgeordnete Lee Zeldin soll sich darum kümmern. Elon Musk und Vivek Ramaswamy sollen auf die Abbau- und Deregulierungspolitik noch einen draufsetzen. In dem Ministerium für Regierungseffizienz sollen die beiden sich explizit darum kümmern, die Regierungsbürokratie abzubauen und als unnötig empfundene Ausgaben und Vorschriften zu kürzen. Gerade Ramaswamy gilt wegen seiner Teils dubiosen Mitteln, mit denen er zu seinem Vermögen kam, als umstritten.
Statt Matt Gaetz: Justizministerin Pam Bondi – Susie Wiles erste weibliche Stabschefin
Der ehemalige Florida-Abgeordnete im Repräsentantenhaus, Matt Gaetz, der eigentlich das Justizministerium übernehmen sollte, lehnte das Amt ab. Die Juristin und ehemalige Justizministerin von Florida, Pam Bondi, soll ihn jetzt ersetzen und wartet auf die Bestätigung. Sie war von 2011 bis 2019 Generalstaatsanwältin in Florida und verteidigte Trump im Amtsenthebungsverfahren von 2020.
Eine progressive Neuerung findet sich im Posten der Stabschefin. Trump gab diesen in seiner ersten offiziellen Personalentscheidung an die Wahlkampfleiterin Susie Wiles, sie scheint wohl mit ihrem Management der Trump-Kampagne überzeugt zu haben. Wiles stellt damit die erste Frau in der Position dar.
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Chavez-DeRemer für Verkehr, Turner für Wohnungsbau – Duffy soll in Trump-Kabinett Verkehr machen, Burgum Inneres
Die designierte Arbeitsministerin Lori Chavez-DeRemer saß bislang für Oregon im Repräsentantenhaus. Sie verpasste bei der US-Wahl den Wiedereinzug in das Parlament. Wohnungsbauminister soll hingegen der ehemalige NFL-Football-Spieler und Veteran Scott Turner werden. Er ist der einzige Schwarze Amerikaner, den Trump für sein Kabinett ausgewählt hat.
Der ehemalige Kongressabgeordnete und Fox-News-Mitarbeiter Sean Duffy soll sich für Trump um den Verkehr kümmern. Das Landwirtschaftsministerium, das sich auch um die Lebensmittelsicherheit und die Wälder der USA kümmert, soll die Gründerin des „America First Policy Institute“, Brooke Rollins, leiten.
Der republikanische Gouverneur des Bundesstaats North Dakota, Doug Burgum, wurde von Trump als Innenminister nominiert. Als Gouverneur setzte er den wirtschaftlichen Fokus auf Landwirtschaft und Öl. Auch Burgum setzt sich für den Regulierungsabbau und Steuersenkungen ein. Als ehemaliger Suchtkranker setzte er sich als Gouverneur auch für die Bereitstellung von Behandlungsmitteln ein. Die soziale Frage ist ihm dafür eher fremd und in Sachen LGBTQ-Rechte stimmte Burgum sehr konservativ.
Die vollständige Liste: Wer sind Trumps Favoriten für das Kabinett? Senat muss noch bestätigen
| Name | Position |
|---|---|
| J.D. Vance | Vizepräsident |
| Susie Wiles | Stabschef des Weißen Hauses |
| Marco Rubio | Außenminister |
| Pete Hegseth | Verteidigungsminister |
| Kristi Noem | Ministerin für Innere Sicherheit |
| John Ratcliffe | CIA-Direktor |
| Tulsi Gabbard | Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes |
| Michael Waltz | Nationaler Sicherheitsberater |
| Pam Bondi | Justizministerin |
| Robert F. Kennedy Jr. | Gesundheitsminister |
| Dr. Mehmet Oz | Verwalter der Medicare- und Medicaid-Dienste |
| Dr. Janette Nesheiwat | Chirurgische Generalin |
| Russ Vought | Direktor des Amts für Verwaltung uns Haushaltswesen |
| Elise Stefanik | UN-Botschafterin |
| Tom Homan | sog. Grenzzar |
| Doug Collins | Veteranenminister |
| Elon Musk/Vivek Ramaswamy | DOGE (Abteilung für Regierungseffizienz) |
| Dan Scavino | Stellvertretender Stabschef |
| Steven Cheung | Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses |
| Karoline Leavitt | Pressesprecherin des Weißen Hauses |
| Doug Burgum | Innenminister |
| Chris Wright | Energieminister |
| Sean Duffy | Verkehrsminister |
| Howard Lutnick | Handelsminister |
| Linda McMahon | Bildungsministerin |
| Scott Bessent | Finanzminister |
| Lori Chavez-DeRemer | Arbeitsministerin |
| Brooke Rollins | Landwirtschaftsministerin |
| William McGinley | Berater im Weißen Haus |
| Matthew Whitaker | Nato-Botschafter |
| Scott Turner | Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung |
| Lee Zeldin | Leiter der Umweltschutzbehörde |
| Dean John Sauer | Generalanwalt |
| Marty Makary | FDA-Comissioner (Arzneimittelbehörde) |
| David Weldon | CDC-Direktor (Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention) |
| Brendan Carr | FCC-Vorsitzender (Bundeskommunikationskommission) |
| Todd Blanche | Stellvertrender Generalstaatsanwalt |
| Mike Huckabee | US-Botschafter in Israel |
| Pete Hoekstra | US-Botschafter in Kanada |
Zudem wurden Stabschefs für spezialisierte Bereiche (Stephen Miller, James Blair, Taylor Budowich, Sergio Gor) und ein US-Staatsanwalt für den südlichen Bezirk von New York (Jay Clayton) festgelegt.
Bevor das Trump-Kabinett offiziell ist, müssen viele der Positionen noch von dem US-Senat bestätigt werden. Gerade bei den umstrittenen Kandidaten könnte es also dazu kommen, dass Trump nochmal einen neuen Kandidaten auswählen müssten. Es wird besonders im Fall von Hegseth spekuliert, ob dies der Fall sein könnte – wegen der Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs äußerten bereits einige Republikanerinnen ihre Zweifel. (lismah)
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