US-Wahl 2024

Trump-Krise droht: „Projekt 2025“ könnte Wähler kosten

  • Babett Gumbrecht
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Das von der ultrarechten Denkfabrik erstellte Konzept beinhaltet eine radikale Umgestaltung der US-Regierung. Trump hält Abstand - und das aus triftigem Grund.

Washington D.C. – Es ist ein umstrittener Plan, welcher auch bei den US-Bürgern kurz vor der Wahl durchfällt: 57 Prozent lehnen laut einer Umfrage von NBC News das von der Heritage Foundation konzipierte „Projekt 2025“ ab.

Das von der ultrakonservativen Denkfabrik entwickelte Projekt liefert die Blaupause für eine Revolution von rechts: einen kompletten Umbau des Regierungsapparats und einen radikalen Personalaustausch in den Bundesbehörden. Das Weiße Haus hätte danach die straffe Kontrolle über alle Ressorts.

Was das mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Trump zu tun hat? Zwar hat sich Trump von dem Projekt distanziert, doch unterhält er enge Verbindungen zu dessen Verfassern – darunter zahlreiche ehemalige Mitarbeiter seiner Regierung.

Plötzliche Kehrtwende vor US-Wahl: Trump will parteiunabhängige Wähler nicht verschrecken

Trumps plötzliche Ablehnung könnte aber vor allem mit der Sorge verbunden sein, dass das Radikalprogramm die wichtige Gruppierung der parteiunabhängigen Wähler vor der US-Wahl im November abschrecken könnte. Tatsächlich zeigt die Umfrage von NBC News, dass nur vier Prozent der Befragten das Projekt befürworten. Die Befragung unter 1.000 registrierten Wählerinnen und Wählern wurde zwischen dem 13. und 17. September durchgeführt und weist eine Fehlerquote von plus/minus 3,1 Prozentpunkten auf.

Das „Project 2025“ hat detaillierte Pläne für die Migrationspolitik.

Trump stritt in der Vergangenheit ab, näheres über den Plan zu wissen: „Ich weiß nichts über Projekt 2025“, schrieb der Ex-Präsident Anfang Juli in seinem Onlinenetzwerk Truth Social. „Ich weiß nicht, wer dahintersteckt.“

Recherchen ergaben: Mindestens 140 Ex-Mitarbeiter von Trump-Regierung an Plänen beteiligt

Besonders glaubwürdig ist das allerdings nicht. Denn nach Recherchen des US-Senders CNN waren mindestens 140 Ex-Mitarbeiter der früheren Trump-Regierung an der Ausarbeitung der Pläne beteiligt. Und viele der in „Projekt 2025“ dargelegten Vorhaben decken sich mit Meinungen und Ankündigungen, die Trump selbst ausgesprochen hat.

So hat Trump immer wieder einen angeblich tief von linken Kräften durchsetzten Regierungsapparat angeprangert, der den Konservativen entgegenwirke. In „Projekt 2025“ wird ein radikaler Personalaustausch in den Bundesbehörden angekündigt, bei dem tausende Mitarbeiter durch ultrakonservative Gefolgschaft ersetzt werden sollen, berichtet die Deutsche-Presse-Agentur (dpa).

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Fast alle Teile der Bundesbehörden sollen umgekrempelt, sowie die Ministerien für Erziehung und Heimatschutz komplett abgeschafft werden. Ziel ist eine drastische Zentralisierung der Regierungspolitik, mit der das Weiße Haus eine straffe Kontrolle über alle Ressorts ausüben würde.

Mittels dieser Zentralisierung soll eine ultrakonservative Agenda etabliert werden. Zu ihr gehört eine rigorose Migrationspolitik mit Massenabschiebungen und einer durchgängigen Mauer an der US-Grenze zu Mexiko. Auch das Abtreibungsrecht soll verschärft werden, etwa durch ein Verbot der Abtreibungspille Mifepriston. In der Umweltpolitik sollen Programme für saubere Energien beerdigt, Emissionsbeschränkungen gekippt und die fossilen Energien wieder kräftig unterstützt werden.

Harris richtet Kampagne gezielt gegen „Projekt 2025“: Es sei ein „ein gefährlicher Plan“

Gegen den Plan richtet sich auch die Kampagne von Trumps Konkurrentin Kamala Harris. Ein von Ultrakonservativen und ehemaligen Mitarbeitern Trumps entwickeltes Konzept für den kompletten Umbau des Regierungsapparats sei „ein gefährlicher Plan, den der ehemalige Präsident im Falle seiner Wiederwahl umzusetzen gedenkt“, zitiert die Nachrichtenagentur AFP die Demokratin.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
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Die Umfrage vom Sonntag erfolgte, während das „Projekt 2025“ zu einem ständigen Gesprächsthema geworden ist. Denn nicht nur die Demokratische Partei, sondern auch prominente Vertreter der Republikaner sehen bei einem Wiedereinzug Trumps ins Weiße Haus die US-Demokratie als hochgradig gefährdet an (bg/dpa).

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