„Gegen Kriegspolitik“

Rheinmetall baut Munitionsfabrik trotz Protesten – Scholz und Pistorius bei Spatenstich

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
    schließen

Rheinmetall nutzt den Ukraine-Krieg für Expansion: Ein neues Werk entsteht in der Lüneburger Heide. Doch der Bau stößt auf Widerstand.

Unterlüß – Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist einer der wenigen Profiteure im Ukraine-Krieg. Angesichts des großen Munitionsbedarfs eröffnet der Rüstungskonzern ein neues Werk in der Lüneburger Heide.

Bundeskanzler Olaf Scholz und Verteidigungsminister Boris Pistorius (beide SPD) nehmen am Montag (12. Februar) am Start des Baus der Fabrik in Niedersachsen teil. Zum symbolischen ersten Spatenstich um 13 Uhr am Firmenstandort Unterlüß reist laut Bundesregierung auch Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen an.

Demonstrierende Landwirte blockieren eine Zufahrt zum Rüstungskonzern Rheinmetall.

Scholz und Pistorius bei Spatenstich für Rheinmetall-Fabrik – Demonstration geplant

Doch die neue Waffenfabrik stößt auch auf Kritik. Demonstrierende haben sich bereits am Morgen vor der geplanten Munitionsfabrik versammelt. Zahlreiche Menschen versuchten, Zufahrten in Unterlüß zu blockieren, Landwirte mit Treckern seien unterwegs, sagte ein Polizeisprecher. Zahlen zu Teilnehmern der Demonstrationen wollte er zunächst nicht nennen. Die Proteste seien friedlich: „Wir kommen gut durch.“ 

Die Friedensaktion Südheide wollte zudem mit einer Mahnwache mit etwa zehn Menschen friedlich demonstrieren – gegen „Rüstungs- und Kriegspolitik“, wie ein Sprecher sagte: „Wir erwarten von der Regierung, dass sie deeskalierend wirkt.“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Rheinmetall plant wegen Ukraine-Krieg vermehrt Produktion von Artilleriemunition

Das Unternehmen will in der neuen Munitionsfabrik insbesondere die Produktion von 155-Millimeter-Artilleriegeschossen ausweiten. Unterlüß ist der größte Produktionsstandort des Rüstungskonzerns, neben Munition werden dort auch Militärfahrzeuge wie der Schützenpanzer Puma hergestellt.

Die Bundesregierung bewertete den Ausbau der Munitionsproduktion im Vorfeld als Signal für die fortgesetzte militärische Unterstützung der Ukraine durch Deutschland. In Zukunft will der Konzern demnach dort pro Jahr 200.000 Schuss Artilleriemunition sowie Sprengstoff und Raketenmotoren herstellen. Rheinmetall will in den niedersächsischen Standort rund 300 Millionen Euro investieren. (sot mit dpa/afp)

Rubriklistenbild: © Philipp Schulze/dpa