„Sicherheit an erster Stelle“

MiG-29-Kampfjet-Debakel für Ukraine, weil F-35 fehlen – doch Selenskyj bleibt hartnäckig

  • Victoria Krumbeck
    VonVictoria Krumbeck
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Die Ukraine bittet Polen um weitere Lieferungen der MiG-29-Kampfflugzeuge. Doch diese will Polen erst abgeben, wenn es F-35-Jets erhält. Das kann dauern.

Kiew/Warschau – Um im Ukraine-Krieg gegen Russland vorzugehen, benötigt die Ukraine dringend Waffen. Polen hatte der Ukraine bereits zehn MiG-29-Kampflugzeuge geliefert. Weitere sollten folgen, doch bisher ließen diese auf sich warten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte erneut die Dringlichkeit der Lieferungen und appellierte an seinen Verbündeten. Doch Polens Verteidigungsminister stellt seine Bedingungen klar.

Keine MiG-29-Kampfjets für die Ukraine: Polen wartet auf F-35-Lieferung

Am Montag (26. August) appellierte Selenskyj an Polen, mehr Militärhilfe zu leisten, wie die Kyiv Post berichtete. Dabei soll es vor allem um die Lieferung der sowjetische MiG-29 gehen. Selenskyj betonte zwar, dass Polen der Ukraine bereits geholfen hätte, „aber einige Dinge in Polen sind geblieben“, zitierte ihn die polnische Nachrichtenagentur PAP. „Wir brauchen ihre MiGs sehr dringend“, so der ukrainische Präsident.

Die Ukraine bittet Polen darum, weitere MiG-29-Kampfflugzeuge zu liefern. Doch dies ist derzeit nicht möglich, wie das Land erklärt.

Dieser Bitte erteilte der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz eine deutliche Absage. „Unsere Aufgabe ist es, Entscheidungen im Einklang mit den Interessen des polnischen Staates zu treffen. Und diese Entscheidungen treffen wir heute“, sagte er der PAP. „Die polnische Regierung, sowohl unsere Regierung als auch die Regierung unserer Vorgänger, hat der Ukraine Ausrüstung im Wert von mehreren Milliarden Dollar gespendet. Das ist alles, was wir spenden konnten“, erklärte Kosiniak-Kamysz weiter.

Ohne F-35-Jets: Polen weist MiG-Bitte der Ukraine ab – „Sicherheit an erster Stelle“

Er betonte die dringende Fähigkeit Polens, sich weiterhin verteidigen zu müssen: „Aber die Sicherheit des polnischen Staates steht für mich immer an erster Stelle, und alle Entscheidungen, die wir in dieser Angelegenheit treffen, werden unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit des polnischen Staates getroffen.“ Der Verteidigungsminister könne den Appell von Selenskyj zwar verstehen, müssen Entscheidungen jedoch im Interesse des polnischen Staates treffen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Polen: MiG-29-Entscheidung für Ukraine erst nach F-35-Lieferung

Selenskyj bezog sich mit seiner Bitte auf ein von ihm und dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk unterschriebenen Sicherheitsabkommen vom Juli. Darin hieß es, dass Polen in Erwägung zieht, der Ukraine mindestens eine zusätzliche MiG-29-Staffel von mindestens 14 Kampfflugzeugen zur Verfügung zu stellen. Dies würde geschehen, wenn die Nato-Verbündeten die gelieferten MiG-29 ersetzen könnten.

Polen hat bereits 2020 F-35-Kampflugzeuge in den USA bestellt, von denen die ersten jedoch erst 2026 vollständig geliefert werden sollen. Erst danach könne entschieden werden, was mit den alten MiG-29 Kampfflugzeugen passieren würde. Solange werden diese unter anderem zum Schutz des polnischen Luftraumes eingesetzt. Die in der Ukraine stationierten MiG-29-Kampflugzuge waren auch immer wieder Opfer russischer Angriffe. (vk)

Rubriklistenbild: © Air Forces of Ukraine/AFP

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