Waffen für die Ukraine

Nach US-Wende bei ATACMS: Union drängt auf Taurus-Lieferungen – Scholz bleibt beim Nein

  • Jekaterina Jalunina
    VonJekaterina Jalunina
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Die Union forderte Bundeskanzler Olaf Scholz zum Kurswechsel bei den Taurus-Lieferungen an die Ukraine auf. Trotz der Kehrtwende der USA bleibt Scholz bei seinem Nein.

Berlin – Die Forderungen nach Taurus-Lieferungen an die Ukraine werden immer lauter und kommen aus verschiedensten Lagern. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bleibt trotz der US-Freigabe für den Einsatz weitreichender Waffen durch die Ukraine bei seiner Ablehnung der Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern.

Vize-Regierungssprecher Wolfgang Büchner erklärte am Montag in Berlin, die Haltung des Bundeskanzlers bleibe unverändert. Scholz habe sich „klar festgelegt“ und betont, dass er seine Meinung „auch nicht mehr ändern“ werde. Büchner sagte: „Ja, die Bundesregierung war darüber informiert und nein, es hat keine Auswirkungen auf die Entscheidung des Bundeskanzlers, Taurus nicht zu liefern“.

Scholz lehnt eine Taurus-Lieferung an die Ukraine weiter ab. (Archivbild)

Nach ATACMS-Freigabe durch USA: Union fordert Scholz zum Kurswechsel bei Taurus-Lieferungen auf

Nach langem Zögern hatten die USA der Ukraine erlaubt, Reichweitenbeschränkungen für bestimmte Waffen aufzuheben, um Ziele in Russland anzugreifen. Laut der New York Times betrifft dies Raketen des Typs ATACMS, die eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern haben und zur Unterstützung ukrainischer Truppen in der russischen Grenzregion Kursk eingesetzt werden könnten.

Die Union hat Bundeskanzler Olaf Scholz aufgefordert, der Ukraine den Einsatz weitreichender Raketen gegen bestimmte Ziele in Russland zu gestatten. Johann Wadephul, Verteidigungsexperte der CDU, betonte gegenüber der Rheinischen Post: „Es wäre logisch, wenn Deutschland sich wie die USA verhielte.“

Die Union warb im Bundestag vehement dafür, der von Russland angegriffene Ukraine mit der Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern zu helfen.

Wadephul bezeichnete die Entscheidung der USA als „eine verständliche Reaktion auf die Eskalation durch Russland, welches jetzt auch nordkoreanische Spezialtruppen einsetzt“. Diese könnten nun durch die Ukraine bekämpft werden. Er betonte zudem, Russlands Präsident Wladimir Putin müsse „immer wieder erfahren, dass wir ihn mit seiner brutalen Aggression nicht durchkommen lassen“.

Taurus-Lieferungen: Grünen-Chef Habeck würde als Kanzler reichweitenstarke Waffen an die Ukraine liefern

Der frisch nominierte Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck erklärte, dass er als Regierungschef Taurus-Marschflugkörper an die Ukraine liefern würde. Er würde die Entscheidung von Scholz, diese Waffen nicht zur Verfügung zu stellen, rückgängig machen, so Habeck am Sonntag in einem Interview mit der ARD. Gleichzeitig betonte er, dass Waffenlieferungen stets zu den „schwierigsten Entscheidungen“ gehören, die eine Regierung treffen müsse.

Zuvor hatte FDP-Fraktionschef Christian Dürr die Möglichkeit einer erneuten Abstimmung über die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern noch vor der vorgezogenen Bundestagswahl angestoßen. „Ich könnte mir vorstellen, dass ein solcher Antrag Erfolg haben könnte, wenn man sich die Positionen von Union und Grünen anschaut“, sagte Dürr in einem Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die USA hatten nach langem Zögern der Ukraine grünes Licht für den Einsatz weiterreichender Waffen gegen Russland gegeben. Ein US-Vertreter bestätigte am Sonntag Berichte von US-Medien, wonach Präsident Joe Biden die bislang geltenden Beschränkungen für an die Ukraine gelieferte Waffen aufgehoben hat. In Deutschland zeigt sich die Regierung deutlich zurückhaltender. (afp/dpa/jal)

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