Neue Bestmarke im Visier

Rüstungsexporte: Deutschland steuert 2023 auf neues Rekordjahr zu

  • Patrick Freiwah
    VonPatrick Freiwah
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In Kriegszeiten floriert die Rüstungsindustrie. Das gilt besonders für Deutschland, das in diesem Jahr auf einen neuen Rekord zusteuert. Ins Gewicht fällt besonders der Konflikt in der Ukraine.

Berlin/München - Nach den ersten drei Quartalen des Jahres befindet sich Deutschland bei den Rüstungsexporten auf Rekordkurs. Von Januar bis September 2023 hat die Ampelkoalition bereits Ausfuhren im Wert von 8,76 Milliarden Euro genehmigt und damit schon jetzt mehr als im gesamten Vorjahr (8,36 Mrd.).

Den größten Anteil nimmt wenig verwunderlich das derzeit größte Krisengebiet am Rande Europas ein: Über ein Drittel der Genehmigungen für die Rüstungsexporte der Bundesrepublik entfielen auf die Ukraine mit 3,3 Milliarden Euro. Die Rüstungsexporte in die Ukraine haben sich gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres mehr als vervierfacht. Insgesamt stiegen die Genehmigungszahlen gegenüber den ersten drei Quartalen 2022 um 38 Prozent.

Deutsche Rüstungsexporte: Ungarn großer Abnehmer für hiesige Produkte

Die Zahlen gehen aus einer vom Bundeswirtschaftsministerium veröffentlichten Statistik hervor - das Ministerium von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ist für die Exportbescheinigungen in Sachen Rüstung zuständig.

Was aus dem Bericht noch hervor geht: In EU-Staaten, NATO-Mitgliedsländer sowie die „Wertepartner“ Schweiz, Japan, Australien oder Neuseeland wurden bis September 2023 deutsche Rüstungsgüter in Höhe von 4,33 Milliarden Euro genehmigt. Den höchsten Wert nehmen hier die Ausfuhren nach Ungarn ein (1,03 Mrd.), das Land von Präsident Victor Orban befindet sich in einer Phase der massiven Aufrüstung und Modernisierung des militärischen Bestands.

Kampfpanzer der deutschen Bundeswehr vom Typ Leopard 2 (A6).

Neben der Ukraine ist ein weiteres sogenanntes „Drittstaaten-Land“ in den Top Ten vertreten: Südkorea, für das vom Wirtschaftsministerium Lieferungen im Wert von 251 Millionen Euro bewilligt wurden.

Der aktuelle Rekord bei den Rüstungsexporten stammt aus dem Jahr 2021: Damals hatte die Koalition aus CDU/CSU und SPD im letzten Regierungsjahr der Legislaturperiode Rüstungsexporten im Wert von 9,35 Mrd. Euro „grünes Licht“ erteilt. Bis Ende 2023 dürfte diese Bestmarke in Deutschland mit hoher Wahrscheinlichkeit fallen.

Rüstungsexporte aus Deutschland: Neues Prozedere bei Genehmigungen

Den Rekordkurs ermöglicht auch eine schlankere Bürokratie im Rahmen eines neuen Verfahrens für Exportkontrolle: Der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Sven Giegold (Grüne), sagte, es sei „unabdingbar“, die Rüstungszusammenarbeit mit Bündnis- und Wertepartnern zu intensivieren und zu erleichtern. „Genehmigungen für enge Partnerländer werden daher seit Monatsbeginn konzentriert in Form sogenannter Allgemeingenehmigungen erteilt, sofern die Güter nicht für den Reexport bestimmt sind.“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Dem Grünen-Politiker zufolge ermögliche es diese Vereinfachung, die Kontrolle von Exporten in Drittländer zu verstärken - „insbesondere mit Blick auf die Kernfrage der Menschenrechtsbelange“. Die Opposition im Bundestag ist angesichts der Entwicklung anderer Meinung und kritisiert: „Ein Wahlversprechen nach dem anderen erweist sich bei den Grünen als purer Betrug“, so die Linken-Abgeordnete Sevim Dagdelen. (PF mit Material der dpa)

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