Bei Abwehr russischer Raketen

Ukraine verliert F-16-Kampfjets im Krieg– „Friendly Fire“?

  • Nils Thomas Hinsberger
    VonNils Thomas Hinsberger
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Die Ukraine erhielt eine Reihe von F-16-Kampfjets aus dem Westen. Das erste Flugzeug ist nun abgestürzt – ein Rückschlag im Krieg mit Russland.

Kiew – Der Absturz eines F-16-Kampfjets im Ukraine-Krieg wirft Fragen auf. Am Donnerstag (29. August) teilte die ukrainische Armee über Telegram mit, dass eines der US-Kampfflugzeuge bei der Abwehr russischer Luftangriffe abgestürzt sei. „Beim Anflug auf das nächste Ziel ging die Kommunikation mit einem der Flugzeuge verloren“, ließ die Armee verlauten. Erst später sei bekannt geworden, dass der F-16-Kampfjet abgestürzt sei.

Pilot stirbt bei Absturz von F-16-Kampfjet im Ukraine-Krieg – „Friendly Fire“ als mögliche Ursache genannt

Bei dem Absturz soll auch der Pilot des F-16-Kampfjets ums Leben gekommen sein. Oleksij Mes, auch bekannt unter dem Pseudonym „Moonfish“ (zu Deutsch „Mondfisch“), soll vor seinem tödlichen Absturz noch „drei Marschflugkörper und eine Angriffsdrohne“ zerstört haben. Mes habe sich laut CNN in den USA für die Lieferung der Flugzeuge starkgemacht.

Die Untersuchung des Absturzes des F-16-Kampfjets sei aktuell noch im Gange, wie die Luftwaffe der Ukraine gegenüber Voice of America berichtete. „Es werden verschiedene Versionen in Betracht gezogen“, so ein Sprecher. „Darunter ‚Friendly Fire‘ von unseren Flugabwehrsystemen, eine technische Fehlfunktion und Pilotenfehler. Die genaue Ursache wird jedoch erst nach Abschluss der Ermittlungen bekannt sein“.

Wolodymyr Selenskyj vor einem F-16-Kampfflugzeug. Die Ukraine verspricht sich mit den Jets einen Vorteil im Krieg gegen Russland.

Mit „Friendly Fire“ wird der unbeabsichtigte Angriff auf Einheiten der eigenen Armee gemeint. Damit scheint es also möglich, dass die Ukraine ihren eigenen F-16-Kampfjet abgeschossen haben könnte. Ob es sich möglicherweise um einen solchen gravierenden Fehler gehandelt habe, werde nun mithilfe einer eigens ins Leben gerufenen Kommission untersucht, wie die Washington Post berichtete.

F-16-Kampfjet im Ukraine-Krieg: Mangel an Piloten im Kampf gegen Russland

Die Ukraine versprach sich zuletzt, mit den F-16-Kampfjets die massiven russischen Raketenangriffe besser abwehren zu können. Nachdem die Regierung unter Wolodymyr Selenskyj die Kampfjets erhalten hatte, schrieb der Präsident auf X: „Wir haben das möglich gemacht, was unser Ehrgeiz und unser Verteidigungsbedürfnis war, und jetzt ist die F-16 wirklich eine Realität, eine Realität in unserem Luftraum.“

Für den Einsatz der aus dem Westen gelieferten F-16-Kampfjets wurden einige ukrainische Soldaten unter anderem in den USA ausgebildet. Doch dem von Russland angegriffenen Land mangelt es weiterhin an Piloten, die im Umgang mit den F-16 geschult sind. Bis Ende des Jahres könnte die Armee gerade einmal über 20 einsatzbereite Piloten verfügen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Demnach ist der Verlust eines F-16-Piloten ein herber Rückschlag für die Verteidigungsfähigkeit im Abwehrkrieg gegen die Truppen von Russlands Machthaber Wladimir Putin. Denn auch wenn sich weitere Piloten in Ausbildung befinden, dauert das Trainingsprogramm mindestens „mehrere Monate“, wie das Magazin Flug Revue berichtete. Normalerweise seien für das Training sechs Monate veranschlagt.

F-16-Kampfjets für die Ukraine – Flugzeuge dürfen im Ukraine-Krieg auch in Russland eingesetzt werden

Viele aus dem Westen gelieferte Waffensysteme unterliegen strengen Auflagen. So dürfen ukrainische Truppen bislang keine Langstreckenwaffen der USA gegen Ziele auf russischem Gebiet einsetzen. Wie das Pentagon nun jedoch bekannt gab, soll bei ein Treffen zwischen dem US-Verteidigungsminister und seinem ukrainischen Amtskollegen Rustem Umrejow geklärt werden, ob diese Verbot weiter eingehalten werden müssen.

Wie CNN berichtete, wolle Umrejow eine Liste möglicher Ziele in Russland vorlegen. So wolle man „das Weiße Haus konkret davon zu überzeugen, die Beschränkungen für Angriffe mit weitreichenden Waffen auf russisches Territorium aufzuheben“, zitiert CNN einen namentlich nicht genannten ukrainischen Beamten.

Für die F-16-Kampfjets könnten diese Einsatzbeschränkungen nur teilweise gelten. In einem Interview mit dem niederländischen Sender NOS sagte der Kommandeur der niederländischen Streitkräfte, dass sie „keine Einschränkungen für den Einsatz und die Reichweite der F-16“ vorgesehen hätten. Voraussetzung sei dabei, dass das Kriegsrecht eingehalten werde. Die Niederlande liefert gemeinsam mit Dänemark, Belgien und Norwegen die Kampfflugzeuge an die Ukraine. (nhi)

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