Nach TV-Duell

Biden begründet miserablen TV-Auftritt gegen Trump: „Keine Entschuldigung, aber Erklärung“

  • VonSimon Schröder
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Das TV-Duell entpuppte sich für Präsident Biden als große Niederlage. Jetzt meint er einen Grund dafür ausgemacht zu haben.

Update vom 3. Juli, 5.11 Uhr: Joe Biden hat seinen schwachen Auftritt bei der ersten TV-Debatte vor der Präsidentschaftswahl mit Müdigkeit nach internationalen Reisen erklärt. Es sei nicht sehr klug gewesen, kurz vor dem Duell „mehrmals um die Welt zu reisen“, sagte der US-Präsident. Er habe nicht auf seine Mitarbeiter gehört, meinte Biden, „und dann ich bin auf der Bühne fast eingeschlafen.“ Es sei „keine Entschuldigung, aber eine Erklärung“.

Biden – mit seinen 81 Jahren der älteste Präsident der US-Geschichte – hatte bei der TV-Debatte mit seinem voraussichtlichen Herausforderer Donald Trump im Sender CNN mit heiserer Stimme gesprochen, sich wiederholt in seinen Formulierungen verheddert und Sätze unbeendet gelassen.

US-Präsident Joe Biden (Archiv) schiebt eine Erklärung für seine TV-Performance nach.

Vernichtende Umfrage prognostiziert Schlappe für Biden bei US-Wahl

Erstmeldung: Washington D.C. – Nach dem desaströsen Auftritt Joe Bidens im TV-Duell gegen Donald Trump spiegeln die aktuellen Umfragewerte das wider, was viele Demokraten befürchtet hatten: Biden kam nach der Debatte nicht gut weg. Laut der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts AtlasIntel hat Ex-Präsident Trump mit mehr als fünf Prozent die Nase vorne.

So stimmten in der Umfrage 45,5 Prozent für Donald Trump, wohingegen Joe Biden lediglich auf 40,3 Prozent kam. Ein deutlicher Vorsprung für Trump vier Monate vor der Präsidentschaftswahl im November. Insgesamt wurden für die Umfrage 1634 potenzielle Wähler und Wählerinnen zwischen dem 26. und 28. Juni befragt. Das heißt: Viele der Befragten hatten die Debatte vom 27. Juni wahrscheinlich auch gesehen.

Biden verliert vor allem die junge Wählerschaft an Trump

Besonders schwerwiegend: Die jungen Wähler stimmten in der Umfrage vor allem für Trump ab. Zwischen den 18-29-Jährigen gaben 41,6 Prozent an, für Trump im November stimmen zu werden, wohingegen Biden nur auf 27 Prozent kam. Historisch gesehen hatten die Demokraten eigentlich gerade in dieser Altersklasse punkten können, wie Newsweek berichtet. Und gerade diese scheint es, hat Biden im Wahlkampf verloren.

Dafür konnte Biden einen kleinen Vorsprung bei den Wählern und Wählerinnen zwischen 45 und 64 Jahren herausholen. Hier stimmten 47,7 Prozent für den 81-Jährigen. Trump erhielt in dieser Altersgruppe 45,1 Prozent. Und auch die CNN-Umfrage direkt nach dem TV-Duell hatte es in sich für Biden: von 565 registrierten Wählerinnen und Wählern gaben nach der Debatte 31 Prozent an, sie hätten eine positive Meinung zu Biden. Vor dem TV-Duell waren es noch 37 Prozent.

Erschreckende Werte für Biden nach TV-Duell: Viele Demokraten wollen anderen Kandidaten

Trump hingegen gewann dazu: vor der Debatte gaben 40 Prozent an, eine positive Meinung zu Trump zu haben. Nach der Debatte mit Biden waren es sogar 43 Prozent. Allerdings richtete sich die Umfrage nur an Wählerinnen und Wähler, die das Duell zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten auch gesehen hatten. Die Umfrage hatte eine Fehlermarge von ca. plus oder minus 5,5 Prozentpunkten. Außerdem waren die Zuschauende um fünf Prozentpunkte wahrscheinlicher, dem Republikaner-Lager anzugehören.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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Eine andere Umfrage, durchgeführt von CBS News und YouGov, war ebenfalls verheerend für Biden. Von den 1130 registrierten Wählerinnen und Wählern gaben im Februar noch 37 Prozent an, Biden solle sich erneut als Präsidentschaftskandidat für die US-Wahlen aufstellen lassen. Nach der Debatte rutschte der Wert um ganze neun Prozentpunkte auf 28 Prozent ab. Unter den registrierten Demokraten waren es sogar zehn Prozentpunkte von 64 Prozent vor dem TV-Duell auf 54 Prozent danach. (sischr)

Rubriklistenbild: © Jacquelyn Martin/AP