Kopf-an-Kopf-Rennen in den USA

US-Wahl: Das prognostizieren die Umfragen für Harris und Trump

Diese Bildkombination zeigt Donald Trump, wie er am 1. Oktober 2024 zu einer Wahlkampfveranstaltung bei Dane Manufacturing in Waunakee, Wisconsin, zu einer Rede eintrifft, und Kamala Harris gestikulierend, als sie die Bühne verlässt, nachdem sie am 27. September 2024 während einer Wahlkampfkundgebung in Douglas, Arizona, eine Rede gehalten hat.
+
Wer wird die US-Wahl gewinnen? Laut Umfragen liefern sich Kamala Harris und Donald Trump ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
  • Christian Stör
    VonChristian Stör
    schließen

Der Ausgang der US-Wahl ist noch unklar. Harris und Trump liegen fast gleichauf. Das Wahlsystem könnte eine entscheidende Rolle einnehmen.

Washington, D.C. – Kamala Harris oder Donald Trump? Gut vier Wochen vor der US-Wahl am 5. November ist diese Frage nach wie vor nicht zu beantworten. Dazu sind die Umfragen im Rennen um die Präsidentschaft einfach viel zu eng.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte Harris einen leichten Vorteil. Sämtliche verfügbaren Daten deuten jedenfalls darauf hin, dass die Kandidatin der Demokraten landesweit die Mehrheit der Stimmen gewinnen wird.

Neue Umfrage zur US-Wahl sieht Harris landesweit drei Punkte vor Trump

Dies zeigen auch die Ergebnisse der vielleicht wichtigsten Umfrage in den USA. Die am 8. Oktober veröffentlichte Erhebung der New York Times (NYT) und dem Siena College sieht Harris bei 49 Prozent der Stimmen und Trump bei 46 Prozent. Zum Vergleich: Die Mitte September von NYT und Siena veröffentlichte Umfrage sah Harris und Trump noch gleichauf bei 47 Prozent. Harris scheint also kurz vor der US-Wahl Boden gutmachen zu können.

Auch im Durchschnitt aller landesweiten Umfragen zur US-Wahl liegt Harris etwa drei Punkte vor Trump. Die Statistik- und Analyseseite FiveThirtyEight errechnet derzeit einen Vorsprung von 2,6 Prozentpunkten für Harris (Stand: 8. Oktober). Andere Analyseportale sehen Harris sogar noch ein klein wenig weiter vorne, wie die nachfolgende Tabelle zeigt:

QuelleKamala Harris (in %)Donald Trump (in %)
Race to the White House49,346,1
Decision Desk HQ/The Hill49,846,5
270toWin49,346,5
Silver Bulletin49,346,2

Umfragen vor US-Wahl sehen Vor- und Nachteile für Harris gegenüber Trump

Die Umfrage von NYT/Siena zeigt noch ein interessantes Detail. Neun Prozent der Wahlberechtigten, die üblicherweise für die Republikaner stimmen, gaben an, bei der US-Wahl am 5. November ihre Stimme Harris geben zu wollen. Harris setzt in ihrer Kampagne verstärkt auf moderate Republikaner, die eine zweite Amtszeit Trumps ablehnen. So hatte sie zuletzt einen gemeinsamen Wahlkampfauftritt mit der früheren republikanischen Abgeordneten Liz Cheney, die wegen ihrer scharfen Kritik an Trump ihr Mandat verlor.

Auch dies ist zunächst einmal eine gute Nachricht für Harris. Anderseits kommt ihre Anbiederung an Republikaner bei den Linken in ihrer Partei weniger gut an. Und auch eine andere wichtige Gruppe hat Harris bisher völlig vernachlässigt: die arabisch-stämmigen Menschen in den USA. Hatten die Demokraten seit Jahrzehnten hier eine klare Mehrheit, kann davon im Zuge der Israel-Gaza-Politik der Biden-Regierung laut Umfragen keine Rede mehr sein. Harris könnte hier viele Stimmen einbüßen.

US-Wahl 2024: Trump oder Harris – diese Promis beziehen Stellung

Taylor Swift kündigt ihre Unterstützung für Kamala Harris bei der US-Wahl 2024 an
Rapper Eminem stellt sich vor der US-Wahl auf die Seite von Kamala Harris
Kid Rock heizt die Menge vor Trumps Auftritt auf dem republikanischen Parteitag vor der US-Wahl 2024 an
Country Star Jason Aldean widmet Trump nach einem missglückten Attentat ein umstrittenes Lied.
US-Wahl 2024: Trump oder Harris – diese Promis beziehen Stellung

Harris kann sich auf landesweite Umfragen vor US-Wahl im Rennen gegen Trump nicht verlassen

Das aber könnte Harris die Wahl kosten. Denn bei genauerem Hinschauen erweist sich, dass die Zahlen für Harris doch nicht ganz so rosig sind. Das liegt am Wahlsystem der USA. Da der Präsident oder die Präsidenten nicht direkt vom Volk gewählt wird, ist das landesweite Ergebnis letztlich ohne Belang. Die Stimmen der Wahlberechtigten entscheiden nur über die Zusammensetzung eines Wahlkollegiums. Wer im sogenannten Electoral College mindestens 270 der 538 Wahlleute auf sich vereinen kann, zieht ins Weiße Haus ein.

Aufgrund dieser Besonderheit des Wahlsystems wird die US-Wahl voraussichtlich in nur einigen wenigen Bundesstaaten entschieden, in denen der Wahlausgang besonders knapp ist. Was heißt das konkret? Mehr als 150 Millionen Menschen werden bei der US-Wahl ihre Stimme abgegeben, aber nur ein kleiner Bruchteil wird das Rennen entscheiden. Mit sehr engen Rennen rechnen Fachleute insgesamt in nur sieben Bundesstaaten:

  1. Arizona
  2. Georgia
  3. Michigan
  4. Nevada
  5. North Carolina
  6. Pennsylvania
  7. Wisconsin

Die Zahlen der vergangenen beiden Wahlen machen das noch einmal besonders deutlich: 2020 verdankte Joe Biden seinen Sieg etwa 43.000 Stimmen aus Wisconsin, Georgia und Arizona – also gerade einmal 0,03 Prozent der landesweit abgegebenen Stimmen. 2016 waren es insgesamt etwa 80.000 Stimmen, die Donald Trump in den wichtigsten Swing States seinen Vorsprung sicherten.

Umfragen in Swing States vor US-Wahl sehen Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Harris und Trump

Wie sehen nun die Umfragen in den Swing States aus? Derzeit hat Harris auch hier einen knappen Vorsprung. Der einfachste Weg zum Sieg für Harris wären Erfolge in den drei Staaten der „blauen Wand“ – Pennsylvania, Michigan und Wisconsin – sowie einer Stimme im Wahlkollegium des 2. Kongresswahlbezirks von Nebraska. Harris liegt in diesen drei Swing States derzeit knapp vor Trump, im 2. Bezirk von Nebraska hat sie sogar einen deutlichen Vorsprung. Damit würde die Vizepräsidentin die erforderliche Schwelle von 270 Stimmen im Electoral College erreichen. Auch in Nevada liegt Harris knapp vorne. Damit könnte sie bei der US-Wahl 276 Stimmen im Electoral College erhalten, sofern es anderswo keine überraschenden Ergebnisse gibt.

Trumps effizientester Weg zum Sieg wäre, die Swing States North Carolina, Georgia und Pennsylvania zu gewinnen, was dem Republikaner genau 270 Stimmen im Electoral College einbringen würde. Der ehemalige Präsident könnte Harris auch schlagen, indem er die Swing States Arizona, Georgia und North Carolina im Sun Belt gewinnt und entweder in Michigan oder Wisconsin triumphiert.

Der Ausgang der US-Wahl könnte am Ende davon abhängen, wer die 19 Stimmen des Electoral College in Pennsylvania gewinnt. Dort haben einige Umfragen zuletzt Trump wieder vorne gesehen. (cs)