Wegen Ballon-Affäre verschoben

Blinken holt abgesagten China-Besuch nach: Hoffnung auf das Ende frostiger Beziehungen

  • Christoph Gschoßmann
    VonChristoph Gschoßmann
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Erstmals seit Oktober 2018 besucht wieder ein US-Außenminister Peking. Das Verhältnis der beiden Staaten ist frostiger denn je.

Peking - Ist eine Entspannung zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und China möglich? US-Außenminister Antony Blinken unternimmt hierzu einen Schritt: Der Demokrat ist am Sonntag (18. Juni 2023) zu seinem mit Spannung erwarteten Besuch in China eingetroffen. Wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete, landete Blinken am Sonntag in der Hauptstadt Peking. Es ist der erste Besuch eines Außenministers aus Washington seit 2018. Grund hierfür waren strenge chinesische Corona-Maßnahmen, aber auch stark angespannte Beziehungen.

US-Außenminister Anthony Blinken besucht China. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind derzeit frostig.

Während des bis Montag andauernden Besuchs sind eine Reihe von Treffen mit hochrangigen chinesischen Regierungsvertretern geplant. Am Sonntagnachmittag sollte Blinken nach US-Angaben zunächst mit seinem chinesischen Amtskollegen Qin Gang zusammentreffen. Später soll es ein gemeinsames Abendessen geben. Ziel sei eine offene Kommunikation, damit beide Länder ihre Beziehungen verantwortungsvoll gestalten könnten, hatte Blinken vor seiner Abreise gesagt.

China: Unterstützung für Russland und Drohungen gegen Taiwan erschweren USA-Beziehungen

Für Blinken ist es die erste China-Reise seit seinem Amtsantritt. Er holt den Besuch nach, der Anfang Februar aufgrund der Ballon-Affäre und Spionagevorwürfen gegen China verschoben worden war. Das Verhältnis beider Staaten ist auf einem Tiefpunkt. Unter anderem sorgen Chinas Unterstützung für Russlands Krieg in der Ukraine, Pekings Drohungen gegen Taiwan und der anhaltende Handelskonflikt zwischen den beiden Ländern für Streit. Die Regierung von Präsident Joe Biden sieht in China die größte geopolitische Herausforderung und fährt einen harten Kurs gegenüber Peking. China wiederum wirft den USA Hegemonialstreben vor.

Vor den Treffen signalisierte Wang Wenbin, ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums zwar Gesprächsbereitschaft, stellte aber Bedingungen. Die USA sollten aufhören, „das eine zu sagen und das andere zu tun», sagte Wang Wenbin am Freitag. Washington solle auch aufhören, von einer „Position der Stärke“ gegenüber China zu fantasieren. China setze sich für eine allmähliche Rückkehr der Beziehungen auf einen „stabilen Entwicklungspfad“ ein. 

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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Biden stellt Treffen mit Xi Jinping in Aussicht

Sollte das Treffen konstruktiv verlaufen, könnte es bald auch zu einem Gespräch zwischen den beiden Staatsoberhäuptern kommen. Kurz vor Blinkens Ankunft in Peking stellte US-Präsident Joe Biden ein Treffen mit Staatschef Xi Jinping in naher Zukunft in Aussicht. So sagte der Demokrat: „Ich hoffe, dass ich mich in den nächsten Monaten erneut mit Xi treffen und über berechtigte Differenzen sprechen werde, die wir haben, aber auch darüber, in welchen Bereichen wir miteinander auskommen können“. Dies erklärte Biden am Samstag (17. Juni 2023) auf einer Reise nach Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania. Auch auf höchster Ebene könnte es also zu Tauwetter zwischen den Supermächten kommen.

Den Zwischenfall mit dem von den USA abgeschossenen chinesischen Ballon spielte der 80-Jährige herunter: „Ich denke, es war eher peinlich als beabsichtigt“, so Biden. Er glaube nicht, dass die Führung in Peking wusste, wo der Ballon war und wie er ausgestattet war. Man merkt: Die USA sind aktuell bemüht, die Wogen zu glätten. (cgsc mit dpa)

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