Gegen Putins Invasion

Neues US-Militärpaket: Welche Waffen jetzt in die Ukraine kommen

  • Patrick Mayer
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Gegen Wladimir Putin: Der US-Kongress beschließt nach langem Ringen ein neues Militärpaket für die Ukraine. Um welche Waffen es dabei geht.

Kiew – Schon seit Oktober stand es bereit: Ein 61 Milliarden Dollar schweres Militärhilfepaket der USA, um der Ukraine gegen die Invasion durch Russland beizustehen. Umgerechnet sind das rund 57,24 Milliarden Euro.

Waffen für die Ukraine: US-Kongress verabschiedet neues Militärpaket für Kiew

Nach einer monatelangen Blockade durch den Flügel derjenigen erzkonservativen Republikaner, die Donald Trump nahestehen, hat mit dem Repräsentantenhaus die erste Kammer des amerikanischen Kongress die neuerliche Waffen-Lieferungen für das geschundene Land am Samstag (20. April) freigegeben. Jetzt geht das Vorhaben noch durch die zweite Kammer, den Senat, in dem die Zustimmung als sicher gilt, weil die Demokraten von Präsident Joe Biden die Mehrheit haben.

„Wir können in diesem Moment keine Angst haben. Wir müssen das Richtige tun. Das Böse ist auf dem Vormarsch. Die Geschichte ruft und jetzt ist es an der Zeit zu handeln“, erklärte der Republikaner Michael McCaul. Unter den Lieferungen ist nicht zuletzt die von Kiew regelrecht flehend erbetene 155-mm-Artilleriemunition für Haubitzen wie die amerikanische M777.

Die ukrainische Armee braucht eigenen Angaben zufolge dringend mehr 155-mm-Munition, zum Beispiel für ihre amerikanischen Haubitzen M777.

Waffen-Lieferungen an die Ukraine: Munition liegt teils gelagert in Deutschland

Jetzt soll es zügig vorangehen. „Es ist eine Frage von Tagen. Biden würde notfalls nachts aufstehen, um final die Unterschrift da drunter zu setzen“, erklärte Dr. Frank Umbach vom European Centre for Energy and Resource Security (EUCERS) am King’s College London bei ntv: „Die Amerikaner haben eine ganze Reihe an logistischen Vorbereitungen getroffen. Die gehen so weit, dass ein Teil dieser militärischen Hilfsgüter, Waffensysteme und Munition bereits in Deutschland auf US-Basen lagert. Es kann diese Woche sehr, sehr schnell gehen. Und das ist etwas, worauf die Ukraine im Moment auch hofft.“ Die Ukrainer hätten schließlich „schon seit letzten März ihre Munition rationieren“ müssen.

Passend dazu hatte Pat Ryder, ein Pressesprecher des US-Verteidigungsministeriums, erklärt, dass die Vereinigten Staaten „ein sehr robustes Logistiknetzwerk“ hätten, „das es uns ermöglicht, Ausrüstung sehr schnell auf den Weg zu bringen“. Wie immens die neuen Waffen-Lieferungen im Ukraine-Krieg sein müssen, verdeutlicht die Summe, die dahintersteckt. Zum Vergleich: Zwischen Februar 2022, dem Beginn des russischen Angriffs unter Kreml-Autokrat Wladimir Putin, und dem Januar 2024 hatten die USA Hilfen in Höhe von 70 Milliarden US-Dollar bereitgestellt – davon waren rund zwei Drittel militärischer Art.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

US-Militärpaket für die Ukraine: ATACMS und Patriot-Raketen sind wohl dabei

„Wir haben hier eine Größenordnung, die fast so groß ist wie die gesamte US-Militärhilfe in zwei Jahren“, sagte Umbach. Seinen Angaben zufolge gehören weitreichende ballistische Raketen mit einer größeren Reichweite zu dem Paket aus Washington. Er spricht von „modernsten Waffen“. Dabei dürfte es sich erneut auch um die wuchtigen Raketen ATACMS handeln, die aus den Mehrfachraketenwerfern HIMARS verschossen werden, von denen die Ukrainer 38 Stück bekamen. Einen haben die Russen mittlerweile wohl zerstört. Mit den ATACMS, die eine Reichweite von bis zu 160 Kilometern haben, hatten die ukrainischen Streitkräfte ihrerseits wiederholt Logistik- und Kommunikationszentren der Russen hinter den Frontlinien getroffen.

Eine wertgesteigerte Version der ATACMS soll auch Ziele bis zu 300 Kilometer hinter der Front treffen können. Es sind jene Mittelstreckenraketen, auf die Kiew jetzt hofft. Nach Angaben aus US-Militärkreisen wird vor allem auch ein Haubitzen-Munitionstyp, der von der ukrainischen Armee besonders häufig eingesetzt wird, besonders schnell geliefert werden. Dabei dürfte es sich um die beschriebene 155-mm-Artilleriemunition für die M777 und andere Artilleriesysteme handeln. Der ukrainische Regierungschef Denys Anatolijowytsch Schmyhal kündigte zudem an, erhebliche Summen aus dem US-Hilfspaket in die Flugabwehr investieren zu wollen. Dabei dürfte es nicht zuletzt um deutlich mehr PAC-Raketen für die Patriot-Luftabwehrsysteme gehen, von denen die Amerikaner und Deutschland drei zur Verfügung gestellt hatten. Berlin will absehbar ein viertes Patriot liefern.

Patriot-Luftabwehrsysteme der Bundeswehr-Flugabwehrraketengruppe 21 bei einer Präsentation. (Archivfoto)

Flugabwehr für die Ukraine: US-Hersteller wollte Patriots für Kiew bauen

Wie die Zeit schreibt, nutzt die ukrainische Flugabwehr mit PAC-3 MSE die modernste Raketenvariante für Patriot. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte kürzlich vor Journalisten erklärt, dass seinem Land ohne weitere Lieferungen die Flugabwehrmunition ausgehen könnte. Der Patriot-Hersteller Raytheon hatte wiederum angekündigt, 2024 fünf weitere Systeme an Kiew liefern zu wollen, was das Netzwerk der ukrainischen Luftverteidigung deutlich verbessern würde. Ob diese Systeme Teil des nun abgesegneten Militärpakets sind, ist indes nicht bekannt.

Wie dagegen die sicherheitspolitische Expertin Claudia Major von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) im „heute journal“ des ZDF erklärte, geht es jetzt auch um Ersatzteile für bereits gelieferte und beanspruchte Waffensysteme sowie um „Komponenten für die Produktion von Drohnen“ durch die Ukraine selbst. (pm)

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