Einer gegen Alle

Video zum Ukraine-Krieg: Einzelner Panzer greift Putins Truppen an

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Die ukrainische Frontstadt Pokrowsk gerät gegen die russische Armee schwer in Bedrängnis. Kiew greift im Donbass auf eine riskante Taktik zurück.

Pokrowsk – Es könnte die nächste mittelgroße Stadt der Ukraine werden, die sich unter die Namen völlig zerstörter Gemeinden wie Bachmut, Awdijiwka, Tschassiw Jar oder Woltschansk einreiht.

Donbass-Front im Ukraine-Krieg: Abrams-Panzer soll russischen Ansturm stoppen

Wladimir Putin hat der Armee aus Russland offenkundig befohlen, die ukrainische Donbass-Stadt Pokrowsk einzunehmen – flankiert durch heftige Gleitbomben-Bombardements. Kiew will dieses Szenario verhindern, indem der Generalstab auf ein bekanntes Mittel zurückgreift, das in den weiten Ebenen im Osten des geschundenen Landes schon wiederholt angewandt wurde.

Konkret: Bei X geht derzeit ein Video um, das zeigt, wie sich ein einzelner Abrams-Kampfpanzer der Ukrainer allein auf weiter Flur vor Pokrowsk (früher 65.000 Einwohner) dem vermeintlich übermächtigen russischen Ansturm stellte.

Ukraine-Front im Donbass: Wladimir Putins Truppen stehen kurz vor Pokrowsk

Diese Herangehensweise ist im Ukraine-Krieg nicht neu. Aber natürlich für die jeweilige Panzer-Besatzung hochgradig gefährlich und riskant, in diesem Fall für vier Soldaten – Kommandant, Fahrer, Richtschütze sowie Ladeschütze. Was genau der M1 Abrams kurz vor einer Reihe an Schützengräben beschießt, ist auf dem Video bei X letztlich nicht zu erkennen. Laut verschiedener ukrainischer Militär-Blogger ist die Bildsequenz jedoch im Raum Pokrowsk zu verorten, wo Wladimir Putins russische Armee sich gerade südlich von Kramatorsk in Stellung bringen will, wo wiederum das ukrainische Hauptquartier für den Osten des ausgezehrten Landes beheimatet ist.

Auch das „heute journal“ des ZDF hatte ein Drohnen-Video zu den Gefechten vor Pokrowsk geteilt, das derzeit in den sozialen Medien die Runde macht. Auf diesen Aufnahmen ist wiederum ein ukrainischer Bradley-Schützenpanzer zu erkennen, mit dessen Maschinenkanone M242 Bushmaster im Kaliber 25 Millimeter die Besatzung mutmaßlich russische Stellungen in Dauerbeschuss nimmt. Die Lage ist überaus angespannt: In den vergangenen Tagen ließen die Ukrainer das Dorf Hrodiwka elf Kilometer östlich von Pokrowsk räumen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Zwischen Awdijiwka und Pokrowsk: Russlands Armee rückt im Donbass vor

Moskaus Invasionstruppen hatten seit Frühjahr zwischen Awdijiwka und Pokrowsk bereits die Dörfer Berdychi, Stepowe und Krasnohorivka sowie die Siedlung Otscheretyne eingenommen. Im Fall von Berdychi und Stepowe tauchten im Netz Drohnen-Videos davon auf, wie die Ukrainer ganzen russischen Panzer-Verbänden einzelne Bradleys entgegenwarfen, die die Angreifer im Dauerfeuer wieder zurückschlugen - unter erneut heftigen Verlusten für Putins Regime.

Dass es sich im genannten Beispiel tatsächlich um die kleinen Dörfer Berdychi und Stepowe handelte, konnte dadurch belegt werden, dass im Hintergrund die einstige Kokerei von Awdijiwka mit ihren Schornsteinen deutlich zu erkennen war. Anfang August erzählte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wiederum, dass die russische Armee massiv Truppen mit Stoßrichtung Pokrowsk zusammenziehe. Laut ZDF greifen die Russen mittlerweile vor allem mit Infanterie an, nachdem ihre Panzer in den Minenfeldern stecken blieben und/oder mithilfe von Kamikaze-Drohnen ausgeschaltet wurden.

Kampfpanzer M1A1 Abrams
Besatzung4 (Kommandant, Fahrer, Richtschütze, Ladeschütze)
IndienststellungAnfang der 1980er Jahre bei der US Army
Gewicht61,3 t
Länge / Breite9,83 m / \t3,66 m
Hauptbewaffnung120-mm-Glattrohrkanone M256
Sekundärbewaffnung1x schweres Maschinengewehr BMG M2 im Kaliber 12,7 mm, 2x Maschinengewehre M240 im Kaliber 7,62 mm

Panzer der Ukraine: Kiews Soldaten rüsten M1 Abrams mit Reaktivpanzerung nach

Was bei dem beschriebenen Abrams auffällt: Die Ukrainer haben diesen ganz offensichtlich mit den Kacheln einer Reaktivpanzerung nachgerüstet, die mit Sprengstoff beschichtet sind und die Panzerabwehrgeschosse wie die gefürchtete RPG-7 mittels einer Gegenexplosion ausschalten sollen. Laut der Open-Source-Intelligence-Website Oryx haben die Ukrainer mittlerweile elf ihrer 31 gelieferten M1 Abrams (Stand: 7. August 2024) verloren.

Und so haben die ukrainischen Panzersoldaten sowie Mechaniker diese reaktive Panzerung im genannten Beispiel an so ziemlich jeder freien Stelle des Panzers angebracht. Sehr wahrscheinlich wohlwissend, dass die Besatzung mit dem Abrams voll in russisches Abwehrfeuer fährt. Beim Versuch, Pokrowsk doch noch zu verteidigen. Irgendwie. (pm)

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