Nato-Truppen in der Ukraine

Macrons Truppen-Vorstoß: Westliche Spezialkräfte laut EU-Insider längst in der Ukraine

  • Michael Kister
    VonMichael Kister
    schließen

Emmanuel Macron schließt die Entsendung von Bodentruppen in die Ukraine nicht aus. Doch manche Einheiten aus dem Westen sollen dort längst aktiv sein.

Paris – Emmanuel Macron sorgte für ein kleines Beben in Europa. Bei einem internationalen Gipfel in Paris spielte der französische Präsident mit dem Gedanken, dass die Ukraine-Unterstützer nicht nur Material, sondern auch Bodentruppen in das angegriffene Land schicken könnten.

Prompt hagelte es Kritik von Entscheidungsträgern aus ganz Europa, vor allem von der Ampel-Koalition, die einen solchen Schritt gleich einmal kategorisch ausschlossen. Ein hochrangiger europäischer Verteidigungsbeamter sagte in diesem Zusammenhang nun zur Financial Times, Macron habe Russland mit seinem Vorstoß lediglich abschrecken und strategische Ambiguität kreieren wollen. „Jeder weiß, dass westliche Spezialkräfte in der Ukraine sind – es wurde nur noch nicht offiziell bestätigt“, fuhr der Mann fort.

Damit warf der Offizielle eine Information in den Raum, über die bereits seit dem April 2023 spekuliert wird. Im Rahmen eines Leaks von geheimem US-Material wurde damals auch ein auf den 23. März desselben Jahres datiertes Dokument veröffentlicht, das auflistet, wie viele Spezialkräfte aus welchen Ländern in der Ukraine im Einsatz sein sollen. Das Vereinigte Königreich soll demzufolge zu diesem Zeitpunkt mit 50 Kräften das größte Kontingent vor Ort gehabt haben. Lettland erscheint auf der Liste mit 17, Frankreich mit 15 und die USA mit 14 Spezialkräften, während 1 niederländischer Militärangehöriger ebenfalls aufgeführt wird.

Befinden sich westliche Spezialeinheiten von NATO-Staaten in der Ukraine?

England und USA bestätigen indirekt westliche Bodentruppen in der Ukraine

Im Nachgang des Leaks hatte die New York Times berichtet, dass einige betroffene Dokumente manipuliert worden seien, andere aber auch nicht. Zu diesem Zeitpunkt wollte sich das britische Verteidigungsministerium nicht zu der Angelegenheit äußern. Die Reaktion von 10 Downing Street auf die jüngsten Äußerungen von Emmanuel Macron scheint die Präsenz britischer Truppen in der Ukraine jetzt aber indirekt zu bestätigen. „Über die geringe Zahl von Kräften im Land, die die Streitkräfte unterstützen, hinaus haben wir keine Pläne, Truppen im großen Stil zu entsenden“, sage ein Sprecher der Regierung von Premierminister Rishi Sunak.

Das US-Verteidigungsministerium bestätigte im Juli 2023 ebenfalls, dass Angehörige der Streitkräfte der Vereinigten Staaten, die sich in der Ukraine befänden, rückwirkend zum 24. April 2022 eine Gefahrenzulage erhalten, wie das Militär- und Verteidigungsnachrichtenmagazin Task & Purpose berichtete. Gleichzeitig hieß es von dem Pentagon-Sprecher Oberstleutnant Garron Garn jedoch, dass zu diesem Zeitpunkt US-Militärangehörige nur zum Schutz der Botschaft des eigenen Landes in der Ukraine Dienst täten. Das sei nichts Besonderes.

Laut dem aktuellsten Bericht des Defense Manpower Data Center des US-Verteidigungsministeriums waren im Dezember 2023 sieben Armee- und ein Marineangehöriger sowie zehn Marines und ein ziviler Mitarbeiter des Pentagons in der Ukraine. Das Papier präzisiert allerdings nicht, welchen Aufgaben sie nachgingen. Wenn immer noch zutrifft, was Oberstleutnant Garn im Juli sagte, dann wären sie alle der amerikanischen Botschaft in Kiew zugeordnet.

Ausländische Söldner: Russland sieht sich im Konflikt mit Nato

Russland geht ohnehin seit langem davon aus, dass sich die Nato in den Ukraine-Krieg eingemischt habe. Anfang Februar drehte die Staatszeitung Rossijskaja gaseta zum Beispiel Aussagen des österreichischen Militärexperten Markus Reisner so, als habe er gesagt, dass Nato-Soldaten verdeckt als Söldner in der Ukraine kämpften. Das Medienhaus Correctiv recherchierte, dass das wohl nicht der Fall ist.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Eine Meldung der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass vom 28. Februar könnte entsprechende Vorwürfe der Kreml-Propaganda aber wieder aufflammen lassen. Ihr zufolge habe Russland bisher Verfahren gegen 593 Söldner aus 46 Staaten eröffnet, denen vorgeworfen wird, in der Ukraine gegen die Truppen von Wladimir Putin gekämpft zu haben. Unter ihnen seien Amerikaner, Briten und Deutsche.

Französischer Außenminister präzisiert Macrons Äußerungen zu Bodentruppen

Um der internationalen Kritik zu begegnen und womöglich auch, um russischen Vorwürfen vorzubeugen, bemühte sich der französische Außenminister bald nach den Äußerungen von Emmanuel Macron darum, weniger zweideutig als sein Präsident zu sein.

Stéphane Séjourné stellte klar, dass der französische Staatschef nicht davon gesprochen habe, Truppen in die Ukraine zu entsenden, die gegen Russland kämpfen sollen. Stattdessen sei es ihm um die Abwehr von Cyberangriffen, die gemeinsame Waffenproduktion in der Ukraine und die Räumung von Minen gegangen, die jeweils die Präsenz von Truppen in der Ukraine erfordern könnten. (MicKis)

Rubriklistenbild: © imago stock&people