BSW gewinnt an Zustimmung

Umfrage-Hammer für AfD: Wagenknecht-Partei im Aufschwung – Ampel weiter im Tief

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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Das Bündnis Sahra Wagenknecht kann sich im ZDF-Politbarometer weiter konsolidieren. Die AfD verzeichnet dagegen Verluste.

Berlin – So langsam kommt das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) in Schwung. Im aktuellen ZDF-Politbarometer gewinnt das BSW in der Sonntagsfrage an Zustimmung und liegt nun bei sechs Prozent. Damit zöge die im Januar neu gegründete Partei rund um Sahra Wagenknecht ins Parlament ein, wenn an diesem Sonntag Bundestagswahl wäre.

Ein ähnliches Ergebnis hatte zuvor der ARD-Deutschlandtrend ergeben. Dort kommt das Bündnis Sahra Wagenknecht auf fünf Prozent. Die Chance auf den Einzug in den Bundestag scheint also vorhanden. Allerdings blieb das BSW zuletzt im Trendbarometer von RTL und ntv unverändert bei drei Prozent. Es ist also noch nicht klar, wohin die Reise der neuen Partei von Sahra Wagenknecht führen wird. Es scheint aber aufwärtszugehen.

Das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ will die deutsche Politik prägen

Die Partei von Sahra Wagenknecht heißt wie sie. Das ist nur folgerichtig, denn der Name ist erst mal auch das Programm. Nach dem Eintritt in die DDR-Staatspartei SED 1989 war Wagenknecht über Jahrzehnte eines der bekanntesten Gesichter der Folgeparteien PDS und Die Linke. Die studierte Philosophin mit Doktortitel im Fach Wirtschaft ist ein gern gesehener Gast in den diversen Talkshows der TV-Sender. Nach jahrelangem Streit mit der Linken trat die Bestsellerautorin im Oktober 2023  aus und kündigte die Gründung einer eigenen Partei an.
Amira Mohamed Ali hat zusammen mit Sahra Wagenknecht den BSW-Vorsitz inne. Die Rechtsanwältin, die 1980 in Hamburg geboren wurde, ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages. Dort war sie von November 2019 bis Oktober 2023 zusammen mit Dietmar Bartsch Fraktionsvorsitzende der Linken. 2019 sprach sich die Tochter eines Ägypters und einer Deutschen in einem Interview für offene Grenzen aus und lehnte Abschiebungen grundsätzlich ab. Im Jahr 2023 plädierte sie dafür, die (Wirtschafts-)Migration nach Deutschland zu begrenzen. Zudem sprach sie sich dafür aus, Asylverfahren zu beschleunigen und diese an der Außengrenze oder sogar in Drittstaaten durchzuführen.
Ein Coup ist die Einbindung von Thomas Geisel in das „Bündnis Sahra Wagenknecht“. Am BSW-Gründungstag trat der frühere Oberbürgermeister von Düsseldorf aus der SPD aus. Von seiner Ex-Partei verabschiedete er sich mit den Worten, seine „sozialdemokratischen Grundsätze“ seien im BSW eher vertreten als in der SPD. Sein Wechsel sorgt bei seiner alten Partei für Kopfschütteln. Die NRW-SPD übte jedenfalls massive Kritik am Wechsel zur Wagenknecht-Partei. Geisel habe sich nach seiner Amtszeit verannt, sagte Generalsekretär Frederick Cordes dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Mit seiner Kandidatur stelle er sich selbst ins Abseits und lasse zu, dass auf seine erfolgreiche Amtszeit als Düsseldorfer Oberbürgermeister fortan ein Schatten liegen werde.
Neben Thomas Geisel ist Fabio De Masi einer der beiden BSW-Spitzenkandidat für die Europawahl 2024. De Masi, 1980 in Groß-Gerau geboren, ist das Kind eines italienischen Gewerkschaftsmitglieds und einer deutschen Sprachdozentin. Sein Großvater väterlicherseits war ein Partisan im Piemont, der für die Befreiung Italiens vom Faschismus kämpfte. Von 2005 bis 2014 war der Finanzpolitiker als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag tätig, unter anderem für Sahra Wagenknecht.
Das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ will die deutsche Politik prägen

AfD rutscht in aktueller Umfrage deutlich ab

Anders dagegen sieht es bei der AfD aus. Laut ZDF-Politbarometer sinkt die Zustimmung für die Rechten. Die Partei verliert bei der Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Vergleich zur vorherigen Umfrage von Mitte Januar drei Punkte und kommt nur noch auf 19 Prozent. Trotzdem wäre sie noch immer zweitstärkste politische Kraft in Deutschland.

Nach dem Parteitag geht es mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht in den Umfragen aufwärts. Darüber dürfte sich auch Oskar Lafontaine freuen.

Das Thema Rechtsextremismus hat der Umfrage zufolge stark an Bedeutung zugenommen und liegt bei den wichtigsten Problemen in Deutschland jetzt auf Platz zwei, knapp hinter dem Thema Migration. Die Demonstrationen gegen Rechtsextremismus stoßen auf große Zustimmung: 79 Prozent finden sie demnach gut. Dass diese Proteste, die sich auch gegen die AfD richten, die Partei schwächen, glauben 38 Prozent.

72 Prozent der Befragten gaben zudem an, dass ihrer Ansicht nach von der AfD eine Gefahr für unsere Demokratie ausgehe. Ein Verbot der AfD, die in Teilen als rechtsextrem eingestuft wird, unterstützten allerdings nur 41 Prozent.

Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel

Die AfD liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2025 an zweiter Stelle.
Auf dem Parteitag wurde Parteichefin Alice Weidel zur Kanzlerkandidatin gekürt.
AfD-Bundesparteitag in Riesa
AfD Parteitag 2013 in Berlin
Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel

Ampel-Koalition hat laut Umfrage keine Mehrheit

Die Umfragewerte für die anderen Parteien lauten wie folgt: Stärkste Kraft wäre unverändert die Union mit 31 Prozent. Einen Aufschwung verzeichnet die SPD, die in der Umfrage um zwei Punkte zulegt und auf 15 Prozent klettert. Die Grünen würden dagegen nur noch 13 Prozent (minus eins) erreichen, das ist ihr schlechtester Wert seit knapp sechs Jahren. Die FDP bliebe bei unverändert vier Prozent, die Linke büßt einen Punkt ein und kommt auf drei Prozent. Auch die Freien Wähler erreichen demnach drei Prozent. Die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP hätte den Umfrageergebnissen zufolge keine parlamentarische Mehrheit.

ParteiErgebnis in Prozent
CDU/CSU31
AfD19
SPD15
Die Grünen13
BSW6
FDP4
Die Linke3
Freie Wähler3
Sonstige6

Wüst erzielt in Umfrage deutlich bessere Werte als Söder und Merz

Die Arbeit der Ampel-Koalition sehen die Menschen in Deutschland weiter sehr kritisch. Zwei Drittel bescheinigen ihr schlechte Arbeit, nur 28 Prozent sind der Meinung, dass sie ihre Sache gut macht. Eine echte Alternative sehen die Befragten allerdings auch nicht. Nur 31 Prozent glauben, dass die Union es besser machen würde, wenn sie in der Regierung wäre. Für 50 Prozent wäre da kein großer Unterschied, 15 Prozent würden mit einer schlechteren Arbeit rechnen.

In der Liste der zehn wichtigsten Politikerinnen und Politiker taucht diesmal ein neuer Name auf. Bei der Beurteilung nach Sympathie und Leistung („Was halten Sie von?“) erzielt NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) deutlich bessere Werte als Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und CDU-Chef Friedrich Merz. Hinter Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) landet Wüst auf Platz zwei. (cs)

Hinweis: Für das ZDF-Politbarometer befragte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen in der Zeit vom 30. Januar bis 1. Februar insgesamt 1217 Wahlberechtigte telefonisch oder online. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent plus/minus drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von zehn Prozent plus/minus zwei Prozentpunkte.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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