Neue Generation

Der neue VW-T-Roc im Fahrtest: Ist er besser als der Golf?

  • Rudolf Bögel
    VonRudolf Bögel
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Europas beliebtestes SUV bekommt ein Update: Der VW T-Roc erscheint komplett neu. Setzt er seinen Erfolg fort und bedroht sogar den Golf? Erster Fahrtest.

München – Ein VW Käfer war immer ein VW Käfer. Und ein Golf bleibt immer ein Golf. Generation für Generation. Das ist das Geheimnis des Volkswagen-Designs. So wenig wie möglich zu verändern – und trotzdem ein neues Auto zu präsentieren. Diesem Prinzip sind die Wolfsburger auch beim neuen T-Roc treu geblieben, der mit einem Verkauf von zwei Millionen Exemplaren ein echter Volkswagen unter den SUVs ist und sogar den Golf schon vom Thron gestoßen hat bei den Zulassungszahlen. Und da steht sie nun vor uns, die zweite Generation. In Kanarien-Gelb mit schwarzem Dach. Vertraut und doch nicht vertraut – der Neue sieht aus wie der Alte. Allerdings ein ganzes Stück moderner als der erste T-Roc, der 2017 zu den T-Modellen von Volkswagen stieß.

Kanariengelb mit schwarzem Dach: Diese Farbkombination steht dem neuen T-Roc besonders gut. Vor allen Dingen in der Ausstattungslinie „R-Line“ mit dem mächtigen Kühler.

Der Buchstabe T steht bei VW ja traditionell für SUVs, die vor allem bei der älteren Klientel geschätzt werden. Von ganz klein, dem T-Cross (4,13 m) bis ganz groß, dem Touareg (4,90m). Dazwischen rangiert der T-Roc, der sich jetzt auf 4,37 Metern streckt und damit seinen Vorgänger um zwölf Zentimeter schlägt. Der Radstand ist um 3,9 Zentimeter auf 2,63 Meter angewachsen. Und das zahlt natürlich auf den Sitzkomfort ein. Selbst der 1,94-Meter-Hüne, mit dem wir uns die Testfahrt teilen, hat ausreichend Platz. Im Fond wird es enger, aber es geht. Zum ersten Mal kann beim T-Roc die Rückenlehne des Beifahrer-Sitzes umgelegt werden, um auch lange Gegenstände zu transportieren. Das Kofferraumvolumen kann sich ebenfalls sehen lassen: 475 bis 1.350 Liter – da kriegt man schon was unter.

Neuer VW T-Roc: Qualitätssprung im Interieur

Das eigentliche Highlight ist jedoch das Interieur. Schon im Vorfeld hat Volkswagen wissen lassen, dass die Qualität des T-Rocs einen Satz nach vorne machen wird. Von wegen – das war schon ein ziemlich großer Sprung. Über dem Armaturenbrett breitet sich ein feines Stoffgewebe aus, hinter dem bespannten Türtafeln leuchtet farbiges Ambientelicht. Unterschäumte Flächen, feines Kunstleder – die Materialien fassen sich gut an. Gewöhnliches Plastik findet man, aber nur dort, wo man normalerweise nicht hinschaut. Ja sitzen wir denn schon im Touareg? Das ist vielleicht jetzt wenig zu weit gesprungen, aber ein bisschen Tiguan findet sich schon hier und da.

Mit dem T-Roc startet Volkswagen eine Qualitätsoffensive. Glattes Kunstleder, unterschäumte Flächen und feiner Stoff werten das Interieur des SUV´s deutlich auf.

Zum Beispiel das Head-up-Display oder der beleuchtete Dreh-Drück-Regler in der Mittelkonsole, mit dem sich die einzelnen Fahrstufen oder auch ganz profan die Lautstärke steuern lassen. Apropos Bedienung. Hier hat sich VW die Kritik der Käuferschar zu Herzen genommen. Am Lenkrad gibt es wieder richtige Tasten – die unpraktischen Slider sind hier verschwunden. Wer sie vermisst: Unter dem 12,9 Zoll großen Infotainment-Bildschirm gibt es sie noch zum Regulieren der Temperatur. Die Bedienung des Touchscreens ist logisch, geht schnell vonstatten und wird von Künstlicher Intelligenz (KI) unterstützt. Das ist alles stimmig – das Gesamtbild wird nur von wenigen Details getrübt, wie etwa vom klobigen Gangwahlhebel hinter dem Lederlenkrad.

Welcher Motor rockt am meisten beim VW-T-Roc?

Das Interieur des T-Roc, der gegen Cupra Terramar, BMW X1 und Audi Q3 antritt, ist schon mal echter Rock´n´Roll für die Augen. Aber rockt uns auch das, was unter der Haube steckt? Testen konnten wir leider nur den bereits bekannten 1,5-Liter eTSi, der zum Marktstart zur Verfügung steht. Der Mild-Hybrid-Antrieb besteht aus einem 1,5 Liter großen Turbo-Benziner und einem elektrischen Startergenerator, der noch mal zusätzliches Drehmoment auf die Vorderachse schickt und auch die Turbolöcher ausbügelt. Wahlweise 116 oder 150 PS stehen zur Verfügung. Für einen sportlich ambitionierten Fahrer ist das allerdings zu wenig. Da ist Geduld gefragt, bis der ebenfalls mit Mild-Hybrid ausgestattete 204 PS starke 2,0 Liter eTSi mit Allrad kommt oder der noch potentere T-Roc R. Er schöpft aus dem gleichen Benziner dann 333 PS und ist damit genauso stark wie der aktuelle Golf R. Beide Motorisierungen sind für 2026 angekündigt, wobei das Top-Modell eher gegen Ende des Jahres kommen dürfte. In Planung ist darüber hinaus noch ein Voll-Hybrid mit 136 oder 170 PS. Ein reines Elektroauto wird es vorerst nicht geben.

Beim neuen T-Roc darf jetzt auch endlich das VW-Logo mitten in der Lichtspange des Hecks beleuchtet werden.

Doch zurück zu unserem 1,5 eTSi, der sich überraschend spritzig fährt, auch wenn die Sprintwerte von 8,9 Sekunden von 0 auf 100 das nicht gerade vermuten lassen. Zwischen 1.500 und 3.500 U/min pusht das 250 Nm Drehmoment ordentlich. Bei höheren Drehzahlen wird die Maschine aber laut und lästig. Liegt am Miller-Brennverfahren, das für die Effektivität des Verbrenners zuständig ist. Zusammen mit der Zylinderabschaltung sorgt das tatsächlich für einen akzeptablen Verbrauch. Wir benötigten zwar 6,8 Liter– das aber auf kurvigen und bergigen Landstraßen. 5,6 Liter, wie für den Motor offiziell angegeben, halten wir durchaus für möglich.

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Knapp über dem VW-Golf: So viel kostet der neue T-Roc

So viel zum Thema „Rock“ unter der Haube. Aber wie sieht das mit dem „Roll“ aus für einen wirklich guten Fahrzeug-Rock´n´Roll? Wie gut ist das Fahrwerk des T-Roc? DCC heißen die die drei magischen Buchsstaben, die bei VW dafür verantwortlich sind. Dynamic Chassis Control heißt das. Auf gut Deutsch: der T-Roc hat ein adaptives Fahrwerk. Es ist zwar eine Zusatz-Option, zu der wir aber dringend raten. Federn und Dämpfer sind ein echter Genuss. Komfortabel auf Wunsch, aber schneidig, wenn es um die Kurven geht. Dazu die präzise Progressivlenkung – macht unter dem Strich 880 Euro Aufpreis, aber rentiert sich. Schön übrigens, dass die Fahrwerkskonstrukteure den kecken Hüftschwung in den Kurven zulassen. Natürlich jederzeit unter der Kontrolle der elektronischen Assistenten, aber trotzdem ziemlich spaßig für den Fahrer hinter dem Lenkrad. 

Auf dem schicken Lederlenkrad sind die ungeliebten Slider-Schalter durch normale Tasten ersetzt worden. Dahinter sieht man den klobig wirkenden Ganghebel.

Weil wir gerade bei den Preisen sind: Los geht es mit dem Basismodell „Trend“, das schon für 30.845 Euro zu haben ist, und damit nur knapp 1.000 mehr kostet als ein Golf. Im Vergleich zum Vorgänger ist der neue T-Roc zwar um einiges teurer, das ist aber aufgrund der qualitativ hochwertigeren Ausstattung und der besseren technischen Ausrüstung durchaus gerechtfertigt. In der eleganten Version „Style“ (ab 38.510 Euro) bekommt der T-Roc erstmalig Massagesitze. Die werden beim Top-Modell „R-Line“ (42.460 Euro) standesgemäß durch Sportsitze ausgetauscht, auf Wunsch sogar mit Leder.

Unser Fazit zum neuen VW T-Roc

Mehr als nur warme Worte: Das Volkswagen-Versprechen, wieder mehr auf Qualität zu achten, haben die Wolfsburger beim T-Roc wirklich erfüllt. Die Materialien sind stimmig, fühlen sich gut an und sehen gut aus. Auch bei der Technik hat man aufgerüstet. Teilautonomes Fahren, automatisches Einparken – das ist man so nur in den höheren Klassen gewöhnt. Mit einem Einstiegspreis von knapp über 30.000 Euro bietet Volkswagen endlich wieder viel Wagen für das Volk. Dort wo auch der Rock´n´Roll zu Hause ist. Rudolf Bögel

Rubriklistenbild: © VW