Rentenpaket wird vorgestellt

„Casino-Rente“: Scharfe Kritik für Finanz-Paket der Ampel – das ist geplant

  • Lisa Klein
    VonLisa Klein
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Am Dienstag ist es so weit: Die ausgearbeiteten Renten-Pläne der Ampel-Regierung sollen vorgestellt werden. Doch vorab hagelt es bereits heftige Kritik.

Die Regierung hat große Pläne: Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) wollen am Dienstag ein seit Monaten erwartetes Rentenpaket vorstellen, die „dpa“ berichtet bereits im Voraus, was geplant ist. Die Regierung will ein Aktienkapital aufbauen, das als zusätzliche Finanzquelle die gesetzliche Rente absichert. Langfristig soll das Beitragszahler und Bundeshaushalt entlasten. Doch es hagelt Kritik.

200 Milliarden Euro Aktienkapital für die Rente – das plant die Regierung

Erstmals sollen Milliarden für die Rente in den Aktienmarkt fließen. Doch wie funktioniert das? Hierfür soll bis Mitte der 2030er Jahre ein Kapitalstock von mindestens 200 Milliarden Euro aufgebaut werden, wie die Deutsche Presse-Agentur am Montag aus Regierungskreisen erfuhr. Aus den Erträgen sollen Zuschüsse an die Rentenversicherung fließen. Ein zweites großes Ziel des Rentenpakets ist die dauerhafte Absicherung des Rentenniveaus.

Wer wissen will, wie hoch seine Rente voraussichtlich eines Tages ausfällt, kann die Rentenhöhe ganz einfach ausrechnen, echo24.de erklärt wie. Dabei können die Unterschiede ziemlich groß sein. Vor allem Frauen erhalten im Alter deutlich weniger Rente.

Regierung will Rentenniveau „dauerhaft sichern“ – Aktien sollen Beiträge stabilisieren

Die Zahl der Rentner in Deutschland steigt – das Absicherungsniveau der Rente in den kommenden Jahren wird sinken, der Beitragssatz dürfte steigen. Nun gehe es darum, das Rentenniveau, das das Verhältnis von Rentenhöhe zum Lohn angibt, „dauerhaft zu sichern“, wie Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) in einem Interview sagte.

Auf dem Kapitalmarkt soll zudem Geld angelegt werden, dessen Erträge für die Stabilisierung der Beiträge genutzt werden. Aus dem Finanzministerium hieß es am Montag, ab Mitte der 2030er Jahre könnten so jährlich im Schnitt zehn Milliarden Euro zusätzlich an die gesetzliche Rentenversicherung fließen. 

Investition in Aktien zur Sicherung der Rente: Wo kommt das Geld her?

Werden Rentner mit den neuen Plänen automatisch zu Aktienbesitzern? Nein, es geht bei den Plänen der Koalition für das sogenannte Generationenkapital nur um Geld des Staates. Das soll aus unterschiedlichen Quellen kommen: Zum einen will die Regierung in diesem Jahr erst einmal zwölf Milliarden Euro aus öffentlichen Darlehen auf dem Kapitalmarkt anlegen. Das Geld kann aufgenommen werden, ohne dass es auf die Schuldenbremse angerechnet werden muss.

In den kommenden Jahren soll es dann jeweils noch etwas mehr werden. Genauer: Die Zuführungen sollen jährlich um drei Prozent anwachsen. Außerdem sollen bis 2028 noch Vermögenswerte des Bundes in Höhe von 15 Milliarden Euro übertragen werden. Insgesamt sollen bis Mitte der 2030er Jahre 200 Milliarden Euro zusammenkommen. Ausdrücklich nicht geplant ist, dass Rentenbeiträge in Aktienfonds fließen. 

Übrigens: Wer sich Sorgen um seine Rente macht, sollte jetzt so früh wie möglich über die verschiedenen Möglichkeiten nachdenken, vorzusorgen. echo24.de berichtet, wie viel Geld mit 30 Jahren angelegt werden muss, um „reich“ in Rente gehen zu können.

„Casino-Rente“: Scharfe Kritik für Renten-Pläne – Ampel „zockt“ mit der Alterssicherung der Bürger

Doch es gibt bereits heftige Kritik für die Pläne: Finanzmärkte bergen ein gewisses Risiko. Sozialverbände kritisierten die Pläne als spekulativ und unzureichend. Der Ökonom Bernd Raffelhüschen meinte, das kreditfinanzierte Besparen von Aktien erziele nicht ausreichend Rendite.

Heftig ging Sahra Wagenknecht die Regierung wegen des geplanten Generationenkapitals an. „Die Aktienrente ist eine Casino-Rente. Vor lauter Planlosigkeit in der Rentenpolitik zockt die Ampel mit der Alterssicherung der Bürger“, sagte Wagenknecht. Die Bundestagsabgeordnete forderte eine Volksabstimmung über die Rente in Deutschland.

Investition in Aktien zur Sicherung der Rente rentiere sich „wenn überhaupt, erst nach etwa 30 Jahren“

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, sagte der „dpa“: „Eine Geldanlage in Aktien rentiert sich, wenn überhaupt, erst nach etwa 30 Jahren.“ Zur Stabilisierung des Rentensystems sei das viel zu spät. „Der Engpass entsteht jetzt, in den nächsten Jahren, wenn die Babyboomer-Generation aus dem Erwerbsleben ausscheidet“, so Bentele. „Wir brauchen keine spekulativen Investitionen auf dem Aktienmarkt, für die langfristig Milliarden Euro Schulden gemacht und nachfolgende Generationen belastet werden.“

Engelmeier sagte gleichzeitig, sie habe „hohe Erwartungen“ an das Rentenpaket. „Denn die Menschen brauchen Planungssicherheit.“ Deshalb müsse das Rentenniveau auch sehr langfristig auf 48 Prozent festgeschrieben werden. Wirklich nachhaltig und armutsfest werde es allerdings erst, wenn das Niveau auf 53 Prozent angehoben werde. Schon jetzt brauchen immer mehr Menschen trotz Rente finanzielle Unterstützung im Alter.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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