Einwegflasche
Heftige Kritik gegen Lidl: Studie zur Kreislaufflasche „nicht glaubwürdig"?
VonJosefine Lenzschließen
Für Lidl hagelt es erneut heftige Kritik von der Deutschen Umwelthilfe. Es geht um die Kreislaufflasche. Ist sie doch nicht so umweltfreundlich wie angepriesen?
Auf Plakaten oder im TV zusammen mit RTL-Kultmoderator Günther Jauch: Lidl wirbt gerade auf allen Kanälen mit seiner Kreislaufflasche. Schaut man sich die eigens dafür kreierte Webseite an, winken dem Betrachter viele Vorteile der PET-Einwegflasche entgegen: weniger CO2, umweltschonend, energieeffizienter und aus 100 Prozent recyceltem Material.
Für eine genaue Produkt-Analyse hat Lidl das Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg (ifeu) beauftragt. In einem 100-seitigem Papier wird die Ökobilanz der PET-Einweg-Kreislaufflasche dargestellt. Nun hagelt es für Lidl aber Kritik. Der Grund: Der Discounter verzerre mit der Studie und der Werbung um die Öko-Flasche den Vergleich zwischen Einweg und Mehrweg.
Streit um Kreislaufflasche: DUH kritisiert Lidl — „Vorteilshaftere Vergleichsdaten“
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert den Discounter und meint, dass die Studien alte Daten der Mehrwegflasche mit neuen Daten der Einwegflasche vergleiche. Lidl täusche einen geschlossenen 100-Prozent-Materialkreislauf vor, „der so nicht existiert“, schreibt die DUH in einer Mitteilung. Auch ein Faktencheck, den Lidl bereits aufgrund einer ersten Kritik von der DUH erstellt hat, könne widerlegt werden. Lidl erwecke den Eindruck, „als wäre Einweg ganz grundsätzlich ökologisch und das ist nicht der Fall“, so DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. Verbraucher würden aufgrund der Werbung in die Irre geführt werden. Der Discounter soll unter anderem „vorteilshaftere Vergleichsdaten“ genommen haben.
Auch macht die DUH deutlich, dass es bei einem Recyclingvorgang zwischen zwei und fünf Prozent Materialschwund gebe. Ohne eine Auffrischung mit Neumaterial stünde nach einer gewissen Zeit gar kein ursprüngliches Recyclingmaterial mehr zur Verfügung. „Das passt nicht in das Öko-Image, dass sich der Discounter selbst verpassen möchte und deshalb wird dazu einfach geschwiegen“, sagt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer. Lidl steht derzeit außerdem in der Kritik, da Keime auf einigen Fleischproukten gefunden wurden.
Heftige Kritik gegen Lidl: "Nicht glaubwürdig"
Es wird außerdem darauf hingewiesen, dass der vom Discounter beworbene Ansatz von Einweg-Plastikflaschen aus 100 Prozent Recyclingmaterial nicht auf die gesamte Getränkebranche und andere Unternehmen übertragen werden könne. Dass Lidl aber von einer Übertragbarkeit der Studienergebnisse auf andere Unternehmen und der gesamten Branche spreche, sei „nicht glaubwürdig.“
„Insgesamt kann festgehalten werden, dass es bei Lidl kaum noch Spielraum für weitere Verbesserungen gibt. Mehrweg kann hingegen durch Innovationen bei der Flaschenspülung und Logistik sein gutes Ökobilanzergebnis noch viel besser werden lassen. Plastikflaschen bleiben, trotz der von Lidl initiierten Kampagne, was sie schon immer waren: eine insgesamt unökologische Einwegverpackung“, so die DUH abschließend.
Kritik wegen Kreislaufflasche: Lidl setzt sich zur Wehr — DUH „führt keine Belege an, die geeignet wären“
Und was sagt Lidl zu dieser heftigen Kritik? Der Discounter setzt sich zu Wehr und lässt sich diese Unterstellungen nicht gefallen. Am Dienstagnachmittag veröffentlicht Lidl ein Statement: „Lidl wird vorgeworfen, fälschlicherweise behauptet zu haben, dass die DUH erneut Falschaussagen über die Kreislaufflasche verbreitet habe. Der juristische Schritt der DUH bezieht sich allein auf die beanstandete Pressemeldung und inhaltlich nicht auf die Informationskampagne zur Kreislaufflasche und die in deren Rahmen veröffentlichten Studienergebnisse.“
Weiter schreibt der Discounter: „Die DUH versucht durch die damit verbundene Kommunikation die Meinungsführerschaft in der Diskussion um ökologische Getränkeverpackungen für sich zurückzuerlangen. Sie führt keine Belege an, die geeignet wären, die Aussagen der Kampagne zur Lidl Kreislaufflasche substantiell zu widerlegen. Die DUH zeigt, dass sie nicht an dem mehrfach durch Lidl angebotenen konstruktiven faktenbasierten Dialog über die ökologische Transformation des Getränkeverpackungsmarktes interessiert ist. Die juristische Bewertung der Beanstandung erfolgt aktuell.“ Der Streit zwischen dem Disocunter und der Deutschen Umwelthilfe wird also in die nächste Runde gehen.
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