„Generelle Herausforderung“
Geflügel-Skandal bei Lidl: Keime auf Fleisch gefunden - Discounter weist Schuld von sich
VonJosefine Lenzschließen
Lidl muss sich aktuell mit ernsten Anschuldigungen herumschlagen. Es wurden Keime auf Geflügelfleisch gefunden. Nun nimmt der Discounter zu den Vorwürfen Stellung.
Es sind ernste Anschuldigungen: Lidl soll Fleisch verkauft haben, auf denen sich Krankheitserreger befänden. Dies geht aus einem Bericht der Tierschutzorganisation Albert Schweitzer Stiftung hervor. Die antibiotikaresistente Keime sollen vor allem auf Geflügelfleisch der Eigenmarke „Metzgerfleisch“ gefunden worden sein. Bei der Untersuchung Anfang 2023 habe die Stiftung auf rund 71 Prozent der Proben Keime und Krankheitserreger, wie Enterokokken und Salmonellen, gefunden.
Geflügel-Skandal bei Lidl: Keime auf Fleisch gefunden - Discounter nimmt Stellung
Doch wie reagiert der Discounter-Riese auf die schweren Vorwürfe? Auf Anfrage von echo24.de schreibt Lidl: „Die Qualität unserer Produkte sowie der Schutz der Verbraucher hat für Lidl höchste Priorität“. Alle Artikel würden umfangreiche Kontrollen entlang der gesamten Lieferkette unterliegen. Man führe beispielsweise unangekündigte Überprüfungen durch und Lieferanten seien allesamt zertifiziert.
„Wir stehen grundsätzlich in engem Austausch mit unseren Lieferanten, um die hohe Produktqualität sicherzustellen und verpflichten unsere Lieferanten zu einem restriktiven Einsatz von Antibiotika nach Rücksprache mit einem Veterinärmediziner“, heißt es in dem Statement.
Kontaminiertes Fleisch bei Lidl: „Herausforderung der gesamten Branche“
Keime im Fleisch können zwar durch Erhitzen abgetötet werden, dennoch besteht die Gefahr, dass sie sich zuvor auf Oberflächen absetzen und dort mehrere Wochen halten. Besonders für immunschwache Menschen könnte deshalb eine Kontaminierung gefährlich werden.
„Geflügelfleisch ist dabei grundsätzlich vergleichsweise anfällig für Keimbelastung, weswegen Geflügel niemals roh verzehrt werden sollte. Daher sollten im Umgang und bei der Zubereitung von Geflügelfleisch immer grundsätzliche Hygieneregeln eingehalten werden, auf die wir auf allen unseren Geflügelfleischverpackungen ausdrücklich hinweisen“, meint Lidl und fügt hinzu: „Die von der Albert Schweitzer Stiftung festgestellten Keime sind dabei nicht auf die Haltungsform zurückzuführen, sondern stellen vielmehr eine generelle Herausforderung der gesamten Branche im Zusammenhang mit Geflügelfleisch dar. Auch hier arbeiten wir gemeinsam mit der Branche an Lösungen und Verbesserungen.“
Der Discounter weist zwar damit die Schuld von sich, bestätigt aber den Keim-Fund auf dem Geflügelfleisch. Der Discounter versichert jedoch, dass die strengen Kontrollen und Qualitätsmaßnahmen „die Verkehrssicherheit“ der Produkte sicherstellen würden. „Bei gängiger Zubereitung von Geflügel geht für den Verbraucher daher keinerlei Gesundheitsgefahr aus“, so Lidl.
Nach Keim-Fund auf Lidl-Fleisch: Forderung nach höheren Tierschutz-Standards
Die Albert Schweitzer Stiftung fordert grundsätzlich die Umsetzung von höheren Tierschutz-Standards durch die Masthuhn-Initiative. Man könne dadurch schädliche Keime verringern. Allerdings weist Lidl darauf hin, dass es für die Umsetzung ein breites Bündnis der wichtigsten Marktteilnehmer benötige. Weil dies aktuell nicht der Fall sei, unterzeichne der Discounter diesbezüglich keine Forderung.
„Uns ist wichtig, dass wir diesen Weg mit Blick auf die jeweiligen Besonderheiten in den einzelnen Ländern gehen und Tierschutz in seiner gesamten Komplexität –von den Landwirten bis hin zum Kunden –berücksichtigt wird. Wir halten an unserem bereits bestehenden Engagement in Deutschland fest und werden langfristig unser Frischgeflügel vollständig auf die Haltungsstufen 3 und 4 umstellen. Damit erreichen wir ein vergleichbares Tierwohlniveau als in der europäischen Masthuhn-Initiative gefordert“, so Lidl abschließend.
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