Versicherungsjahre steigen

Ab in den Ruhestand: So lang zahlen Deutsche in die Rentenkasse ein

  • Julia Cuprakowa
    VonJulia Cuprakowa
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Neurentner in Deutschland haben im Durchschnitt länger in die Rentenkasse eingezahlt. Dieser Trend scheint vor allem auf einen Grund zurückzuführen zu sein.

Viele Menschen in Deutschland freuen sich auf die Rente. Kein Wunder, denn mit dem Ruhestand verbinden die meisten Bürger viel Zeit und Freiheit. Keine Arbeit mehr, keine lästigen Pflichten. Man kann die Seele baumeln lassen und die Freizeit genießen. Doch der Ruhestand ist nicht immer so rosig, wie er scheint. Denn oft ist die Rente nicht so hoch wie erwartet.

Es sei denn, man gehört zu den „besser gestellten“ Ruheständlern. echo24.de berichtet, ab welchem Einkommen Rentner zur „Oberschicht“ gehören. Man muss aber nicht unbedingt zur Oberschicht gehören, um eine gute Rente zu bekommen. Denn die Höhe der Rente hängt maßgeblich davon ab, wie lange man vorher Beiträge gezahlt hat. Hier gibt es eine positive Entwicklung, die vor allem einen Grund zu haben scheint.

Arbeitnehmer zahlen immer länger in die Rentenkasse ein – so viele Versicherungsjahre haben Arbeitnehmer im Schnitt

Neurentner in Deutschland können auf immer mehr Jahre zurückblicken, in denen sie in die Rentenkasse eingezahlt haben. „Kamen Versicherte bei Beginn ihrer Altersrente im Jahr 2003 noch auf durchschnittlich 33,0 Versicherungsjahre, waren es 2023 bereits 39,3 Jahre“, sagte der Vorstandschef der Deutschen Rentenversicherung Bund, Jens Dirk Wohlfeil, der „Deutschen Presse-Agentur“ in Berlin. Wohlfeil äußerte sich anlässlich der in München stattfindenden Sitzungen der Selbstverwaltungsorgane der Rentenversicherung, der Vertreter- und der Bundesvertreterversammlung.

Besonders deutlich ist der Anstieg bei den Frauen. Hier stieg die Zahl der durchschnittlichen Versicherungsjahre zwischen 2003 und 2023 von 26,6 auf 37,3 Jahre. Das ist auch gut so, denn Frauen bekommen in Deutschland deutlich weniger Rente als Männer. Der Unterschied kann mehrere hundert Euro betragen, wie echo24.de bereits berichtete.

In den alten Bundesländern stieg sie von 23,2 auf 35,9 Jahre, in den neuen Bundesländern von 41,1 auf 42,9 Jahre. Bei den Männern gab es bundesweit einen Anstieg von 40,5 Jahren im Jahr 2003 auf 41,4 Jahre im Jahr 2023. Doch wie lässt sich dieser Anstieg erklären?

Rente in Deutschland: Anstieg der Versicherungsjahre aus verschiedenen Gründen

Wohlfeil führte den Anstieg der Versicherungsjahre vor allem auf die gestiegene Erwerbsbeteiligung westdeutscher Frauen zurück. Ein weiterer Grund für den Anstieg der Versicherungsjahre sei die Einschränkung der Möglichkeiten zum vorzeitigen Rentenbezug in den letzten 20 Jahren. Zudem wirkt sich bei den Rentnerinnen die verstärkte Anrechnung von Kindererziehungszeiten durch die sogenannte Mütterrente aus. Wer dennoch – also trotz der Einschränkungen – früher in Rente gehen möchte, kann dies unter bestimmten Voraussetzungen tun – sogar schon mit 61 Jahren. Doch der vorzeitige Renteneintritt hat einen Haken.

Denn zu den Versicherungsjahren zählen neben Zeiten der Erwerbstätigkeit zum Beispiel auch Zeiten der Kindererziehung, des Bezugs von Sozialleistungen und der Pflege. Wohlfeil: „Eine steigende Erwerbsbeteiligung und längere Versicherungszeiten führen auch zu höheren Beitragseinnahmen der Rentenversicherung und tragen damit zu ihrer finanziellen Stabilität bei.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/Michael Bihlmayer

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