Kongress blockiert Hilfe
„Ohne uns werden sie sicherlich scheitern“: US-Beamte sprechen schon über Ukraine-Niederlage
- VonKilian Beckschließen
Die Analysen westlicher Nachrichtendienste zur Ukraine werden düsterer. Einer gibt dem Land gerade mal noch ein paar Monate – sollte der Westen nichts mehr liefern.
Washington D.C. – Die Anstrengungen westlicher Staaten, der Ukraine mit Waffen und humanitären Gütern zu helfen, um die Truppen von Russlands Präsident Wladimir Putin abzuwehren, würden wohl ohne die USA scheitern. Auf dem Capitol Hill in Washington wird daher immer noch über das von US-Präsident Joe Biden angestoßene Hilfspaket für das Land verhandelt. Im Hintergrund sprechen Beamte aus Nato-Staaten darüber, woran es der Ukraine genau fehlt, und was geschehen würde, sollte die Verteidigung des Landes fallen. „Ethnische Säuberungen und die totale Zerstörung der Ukraine“, befürchtet etwa eine anonyme diplomatische EU-Quelle im Gespräch mit dem US-Sender CNN.
Selenskyj in den USA – Biden kann ihm „nichts versprechen“
Ein US-Sicherheitsbeamter sagte, es gebe „keine Garantie, dass die Ukraine mit uns gewinnt“. Die USA wurden in den vergangenen Monaten zu einem zunehmend unverlässlichen Partner für das Land. Die Republikaner im Repräsentantenhaus blockieren seit Wochen ein milliardenschweres Hilfspaket. Bei einem Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vergangene Woche sagte Präsident Biden: Er könne „nichts versprechen“, solange die Hilfen noch nicht durch den Kongress sind. Der US-Beamte ist sich aber sicher: „Ohne uns wird die Ukraine sicherlich scheitern.“
Demokrat fürchtet Domino-Effekt sollte Bidens Ukraine-Paket nicht durch den Kongress kommen
Besonders besorgt ist man in Washington über eine Art Domino-Effekt: „Wenn wir wegbrechen“, sagte der demokratische Kongressabgeordnete Mike Quigley dem Sender CNN, „dann werden uns unsere Verbündeten folgen“. Und für diesen Fall sehen die nachrichtendienstlichen Einschätzungen in den USA düster aus: Es sei eine Frage von Monaten, bis Russland den Krieg gewinne, sollte die Unterstützung der Ukraine aus dem Westen abreißen, sagte ein US-Militär zu CNN. Aktuell hält die Ukraine die Front im Osten des Landes halbwegs stabil und kämpft damit, russische Luftangriffe auch auf zivile Infrastruktur abzuwehren. Die Sommeroffensive wurde kürzlich auch von Präsident Selenskyj für gescheitert erklärt.
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Ukraine-Offensive scheiterte an mangelnder Feuerkraft
Gescheitert ist die Offensive wohl hauptsächlich wegen der mangelnden Feuerkraft des ukrainischen Militärs, berichtet CNN. Russland verschieße fünf bis sieben Mal mehr als die Ukraine. Das habe für erhebliche Verluste auf ukrainischer Seite gesorgt, sagte ein ukrainischer Beamter CNN. Die Einschätzung der westlichen Geheimdienste gegenüber dem Sender deckt sich insoweit, dass der Ukraine als erstes vermutlich die Marschflugkörper und Flugabwehrraketen ausgehen würden.
Deutschland lieferte zuletzt immer wieder Iris-T-Flugabwehrsysteme, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) weigerte sich aber Taurus-Marschflugkörper freizugeben. Dabei half der sehr ähnliche britisch-französische Storm-Shadow-Marschlufkörper der Ukraine in den vergangenen Wochen dabei, Ziele weit hinter der Front anzugreifen. (kb)
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