Altersversorgung unter Druck

Renten-Meilensteine in Deutschland in Bildern – von Bismarck über Riester bis Müntefering

Otto von Bismarck brachte im Juni 1889 nach jahrelanger Debatte das „Gesetz über die Invaliditäts- und Altersversicherung“ durch den Reichstag.
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Der Name Bismarck hallt bis heute nach. Auch weil Otto von Bismarck im Juni 1889 nach jahrelanger Debatte das „Gesetz über die Invaliditäts- und Altersversicherung“ durch den Reichstag brachte. Die Geburtsstunde der Rente in Deutschland.
Der Holzstich zeigt Dreher, Gießer und Former in einer Porzellanfabrik um 1880.
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Altersrente gab es damals aber erst ab dem vollendeten 70. Lebensjahr – die Lebenserwartung betrug damals nicht mal 50 Jahre. Der Holzstich zeigt Dreher, Gießer und Former in einer Porzellanfabrik um 1880.
Bismarcks politisches Kalkül war klar: Er wollte die Arbeiter besänftigen.
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Bismarcks politisches Kalkül war klar: Er wollte die Arbeiter besänftigen. Rentenversichert waren zunächst Arbeiter und „kleine Angestellte“ mit Einkommen bis 2.000 Mark. Die Beiträge zahlten Arbeitgeber und -nehmer zu gleichen Teilen.
Angestellte waren ab 1913 bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte angesiedelt.
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Größere Reformen gab es Anfang des 20. Jahrhunderts. Angestellte waren ab 1913 bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte angesiedelt. Sie konnten schon ab 65 Jahren in Rente gehen – anders als Arbeiter.
Das Bild zeigt verwundete deutsche Soldaten in Frankreich.
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Vor dem Ersten Weltkrieg hatten die deutschen Rentenversicherungsanstalten Überschüsse, die sie etwa in Wohnungsbau steckten. Entlassungswellen und Hinterbliebenenrenten änderten das schnell. Das Bild zeigt verwundete deutsche Soldaten in Frankreich.
Frauen im Ghetto Warschau bei erzwungener Näharbeit
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Im NS-Regime werden Jüdinnen und Juden und andere verfolgte Gruppen aus der Rentenversicherung ausgeschlossen. Millionen von Zwangsarbeitern - im Foto: Frauen 1941 im Ghetto Dambrowa Gornicza bei erzwungener Näharbeit – bleiben ohne Rentenansprüche. Überschüsse der Kassen flossen in Kriegsanleihen.
Bundeskanzler Konrad Adenauer (r) gibt in Bonn seine Stimme für die Bundestagswahl 1957 ab
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„Keine Experimente“ lautete Konrad Adenauers Slogan zur Bundestagswahl 1957. Bei der Rente wagte er aber eine Reform. Bis dato waren die Renten enorm gering, 50 DM war der Mindestsatz, der Durchschnitt nur unwesentlich höher. Nun änderte sich die Berechnung, Arbeiterrenten stiegen um etwa 60 Prozent.
Willy Brandt im Jahr 1972.
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Die nächste große Neuerung gab es unter Willy Brandt. Seit (dem Wahljahr) 1972 können auch Nicht-Pflichtversicherte in die Rentenversicherung einzahlen – etwa Selbstständige und Hausfrauen. Letzteres war ein Schritt zur Unabhängigkeit von den Ehemännern. Ab 1977 gab es dann auch einen „Versorgungsausgleich“ bei Scheidung.
Norbert Blüm klebt Rentenplakat
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„Die Rente ist sicher“: Auch mit diesem Satz blieb der mittlerweile verstorbene Arbeitsminister Norbert Blüm in Erinnerung. Auch Blüm kümmerte sich aber um die Lage der Rentnerinnen – er führte 1986 die „Mütterrente“ ein. Seither zählen Kindererziehungszeiten für die Rentenhöhe.
13 09 1985 Berlin Deutsche Demokratische Republik DDR Alte Frauen unterhalten sich
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Die nächste große Herausforderung ist die Eingliederung der Bürger der ehemaligen DDR (hier ein Foto aus Ostberlin 1985) in die bundesdeutsche Rentenkasse. Die Deutsche Rentenversicherung preist rückblickend die Stärke des umlagefinanzierten Systems: „Die Rentenversicherung zahlte von einem Tag auf den anderen fast vier Millionen zusätzlicher Renten. Das wäre in einem kapitalgedeckten Rentensystem nicht vorstellbar gewesen.“
  • Florian Naumann
    VonFlorian Naumann
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Die Rente ist in Deutschland Dauerstreitthema – und angeblich stets „sicher“. Die wichtigsten politischen Wegmarken von Bismarck über Blüm bis in die Gegenwart.

Von Bismarck über Blüm bis zu Müntefering und Merkel – die Geschichte der Rente in Deutschland in Bildern.

Jeder will alt werden – und die allermeisten Menschen in Deutschland brauchen sie dann dringend: die gesetzliche Rente. Der Anteil der Rentnerinnen und Rentner in Deutschland wächst: 2023 erhielten (Hinterbliebenenrenten eingerechnet) 21 Millionen Menschen eine Rente. Das war mehr als ein Viertel der Bevölkerung.

Ob sich Otto von Bismarck das so vorgestellt hat, als er 1889 – nach zweijährigem Ringen – das „Gesetz über die Invaliditäts- und Altersversicherung“ durch den Reichstag brachte? Wohl kaum. Auch, weil „seine Rente“ nur einen sehr viel kleineren Personenkreis abdeckte.

Rente in Deutschland von Bismarck bis Aktienrente: Bewegte Geschichte

In den 130 Jahren ihres Bestehens hat die Rente in Deutschland viele Wandlungen durchlaufen. Doch gerade segensreiche Entwicklungen machen den Rentenkassen mittlerweile über große Ausgabenlast zu schaffen: Die Menschen werden älter. Die Rente stellt seit den 1950ern (eigentlich) eine auskömmliche Alterssicherung dar und sichert zum Beispiel auch Eltern ab, die ihre kleinen Kinder zu Hause betreuen.

Wiederholt hat sich das Umlageprinzip als Vorteil herausgestellt, wie jedenfalls die Deutsche Rentenversicherung auf ihrer Webseite betont: Als 1990 die damals neuen Bundesländer der Bundesrepublik beitraten, ließen sich die Zahlungen auf Millionen weiterer Rentner ausweiten. Und als in den 00er-Jahren die Kapitalmärkte schwankten, geriet das System nicht ins Wanken.

Was aber tun, wenn auf lange Sicht weniger Menschen einzahlen und mehr Menschen von der Rente leben müssen? Die Debatte schwelt seit langem. Ob die Aktienrente das Problem lösen kann, ist umstritten. Andere Stimmen rufen nach Einbeziehung auch von Beamten und Selbstständigen in die gesetzliche Rente, so wie etwa in Österreich. Unterdessen müssen auch viele langjährige Einzahler bereits jetzt mit Mini-Renten auskommen. Die Rente hat also nicht nur eine bewegte Vergangenheit – sondern sie wird ziemlich sicher auch eine bewegte Zukunft haben. Die bisherige Entwicklung und die entscheidenden Köpfe dahinter zeigt unsere Fotostrecke. (fn)

Rubriklistenbild: © Montage: Imago Images/dpa/picture-alliance/Peter Popp/Steffen Kugler/fn

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