Kriegszeiten
Rheinmetall floriert: Aktienkurs im Höhenflug - Jobs begehrter denn je
VonPatrick Freiwahschließen
Das Leid des Ukraine-Kriegs ist tragisch. Zu den Gewinnern der geopolitischen Lage gehört mitunter Rheinmetall. Eine Personalerin spricht über das boomende Geschäft und Jobs.
Düsseldorf/München - In Kriegszeiten profitiert die Rüstungsindustrie. Das ist nicht nur in den USA so, wo das meiste Geld im Staatshaushalt in den Etat des Verteidigungsministeriums fließt. Auch bei deutschen Konzernen - und davon gibt es einige - hat die geopolitische Entwicklung das Geschäft spürbar angekurbelt. Im Zuge dessen ist hierzulande auch der Bekanntheitsgrad von Unternehmen wie Rheinmetall gewachsen, das seinen Hauptsitz in Düsseldorf-Derendorf (NRW) hat.
Der Aufschwung lässt sich gut an der Rheinmetall-Aktie ablesen: Seit Februar 2022 (Ausbruch des Ukraine-Kriegs) hat sich das Wertpapier an der Börse mehr als verdoppelt. Auch die jüngsten Ereignisse in Israel haben den Aktienkurs befeuert und ihn innerhalb von zwei Tagen um über zehn Euro angehoben. Die wirtschaftliche Lage hat den Rüstungskonzern im März 2023 in den Deutschen Aktienindex befördert, darüber hinaus gibt es zudem ein massives Wachstum an der Bewerbungsfront.
Rheinmetall-Erfolg zieht Bewerber an - „heute hat fast niemand mehr ein Problem mit uns“
Die Anzahl derer, die sich bei Rheinmetall auf Jobs bewerben, ist merklich gestiegen. Ein Indiz liefert das Job- und Karriereportal Stepstone: Laut einer Auswertung gehört Rheinmetall mittlerweile zu den 50 gefragtesten Firmen für Absolventen der Fachbereiche IT, Naturwissenschaften oder auch Ingenieurwesen. Gegenüber der Rheinischen Post hat sich eine Personalmanagerin des Unternehmens zum Aufschwung des Kriegsgeräte-Herstellers geäußert - auch in Sachen Bewerber.
„Heute hat fast niemand mehr ein moralisches Problem mit uns“, lässt Marie Rosenberg in dem Interview wissen. In der Vergangenheit hätten viele potenzielle Bewerber diesbezüglich Zweifel gehabt, das habe sich grundlegend geändert. Eine große Rolle spiele hierbei der Ukraine-Krieg, der dem Rüstungsriesen satte Einnahmen beschert. Wie begehrt der Konzern mittlerweile bei Jobsuchenden ist, unterlegt die 30-Jährige mit Zahlen: „2018 bekamen wir bundesweit rund 45.000 Bewerbungen. Vergangenes Jahr waren es schon fast doppelt so viele: Da hatten wir allein in Deutschland knapp 80.000 Bewerbungen.“
Rheinmetall-Jobs: Aktien, „Sinnhaftigkeit“ und moderne Technologien
Dabei gibt es keinen Zweifel, dass die öffentliche Aufmerksamkeit zum großen Teil dafür verantwortlich ist: „Wir sind im Markt sehr gefragt, unser Aktienkurs hat sich binnen zwei Jahren mehr als verdoppelt, das Volumen unserer Aufträge liegt auf Rekordniveau“, erklärt Rosenberg. Auch von „Sinnhaftigkeit“ redet die Personalerin, hält diesen Begriff mit dem Geschäftsmodell vereinbar: „Es geht um einen Schutz, der nicht einfach so gegeben ist. Und gerade Ingenieure erkennen, wie spannend es ist, solche und andere Technologien bei uns weiterzuentwickeln.“
Im Zuge der florierenden Geschäfte ist sei auch die Abteilung „Rheinmetall Recruiting“ massiv gewachsen - von fünf auf über 80 Personen in gerade mal sechs Jahren. RP Online zufolge gebe es bei Rheinmetall für eine offene Position etwa 22 Bewerbungen, in bestimmten Fällen deutlich mehr. Das Prozedere der Auswahl wird auch von Künstlicher Intelligenz unterstützt, wenn es um das Profil und die Eignung für die jeweilige Position geht.
Bei Rheinmetall arbeiten? Das können Angestellte verdienen
Warum möchten so viel mehr Menschen für Rheinmetall arbeiten, als früher? Laut Rosenberg drehen sich die Beweggründe hauptsächlich um die angespannte Situation in Europa bzw. der Ukraine. Schließlich äußert sich die Personalerin auch zur Frage, wie viel Geld man bei Rheinmetall verdienen kann: Am Standort Düsseldorf gelte der Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie in NRW. Außerdem führt sie aus: „Wir vergüten mindestens marktgerecht (...) Außerdem bekommen alle eine Erfolgsbeteiligung und haben nach einem Jahr im Job die Möglichkeit, Rheinmetall-Aktien zu kaufen – die der Konzern mit 30 Prozent bezuschusst.“
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine




Ein Ende des „Booms“ ist nicht in Sicht, Rheinmetall expandiert: Ende September hatte das Bundeskartellamt „grünes Licht“ für ein Joint-Venture von Rheinmetall in der Ukraine gegeben. Der Rüstungsriese aus Düsseldorf gründet mit dem ukrainischen Staatskonzerns Ukrainian Defense Industry (UDI) ein Gemeinschaftsunternehmen mit Hauptsitz in Kiew. Bundeskartellamtschef Andreas Mundt erklärte hierzu, das Projekt werde „in der Ukraine Militärfahrzeuge bauen und warten“, so Agence France-Presse (AFP). (PF)
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