Bei Nato-Treffen

Biden stellt Selenskyj versehentlich als Putin vor und verspricht sich bei Harris - Trump reagiert

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Am Rande des Nato-Gipfels stellt Joe Biden Wolodymyr Selenskyj als „Präsident Putin“ vor. Der ukrainische Staatschef nimmt es mit Humor.

Update vom 12. Juli, 11.42 Uhr: US-Präsident Joe Biden hat seinen Versprecher bei der Pressekonferenz am Donnerstag damit begründet, dass er „so konzentriert darauf war, Putin zu schlagen“. Das sagte Biden, nachdem er den Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, bei der Pressekonferenz zum Abschluss des Nato-Gipfels als „Präsident Putin“ vorgestellt hatte.

US-Präsident Biden verwechselt bei der Nato-Pressekonferenz den Namen seiner Vizepräsidentin Kamala Harris mit dem des Ex-Präsidenten Donald Trump.

Trump reagiert auf Bidens Versprecher nach Nato-Gipfel

Auf einen weiteren Versprecher des US-Präsidenten reagierte der ehemalige Präsident Donald Trump auf seiner Plattform „Truth“. Biden hatte bei der Pressekonferenz den Namen seiner Vizepräsidentin Kamala Harris mit Trump vertauscht. Trump schrieb dazu zynisch: „Crooked Joe beginnt seine ‚Big Boy‘-Pressekonferenz mit den Worten: ‚Ich hätte Vizepräsidentin Trump nicht als Vizepräsidentin ausgewählt, obwohl ich glaube, dass sie nicht dafür qualifiziert war, Präsidentin zu werden.‘ Tolle Arbeit, Joe!“

Trump zitiert Biden dabei falsch. Zwar ist die Aussage Bidens nicht deutlich zu verstehen, Biden sagte jedoch, er hätte seine Vizepräsidentin nicht ausgewählt, würde er nicht glauben, dass sie als Präsidentin qualifiziert sei.

Biden-Versprecher bei Nato-Pressekonferenz: US-Präsident vertauscht „Harris“ mit „Trump“

Update vom 12. Juli, 6.21 Uhr: In der vergangenen Nacht hat sich US-Präsident Joe Biden offenbar einen weiteren Patzer geleistet: während einer Pressekonferenz im Anschluss an den Nato-Gipfel, sprach Biden über seine Vizepräsidentin Kamala Harris. Dabei nannte er die 59-Jährige allerdings nicht beim Namen, sondern nannte sie schlicht „Trump“.

„Schauen Sie, ich hätte Vizepräsidentin Trump nicht zur Vizepräsidentin gemacht, wenn ich nicht glauben würde, dass sie auch zur Präsidentin qualifiziert wäre“, so Biden. Im Gegensatz zu seinem Selenskyj-Versprecher fiel dem Präsidenten sein Malheur während der Pressekonferenz aber anscheinend nicht einmal auf.

Peinlicher Versprecher: Biden verwechselt ukrainischen Präsidenten ausgerechnet mit Putin

Erstmeldung: Washington, D.C. – Erneuter Aussetzer des US-Präsidenten: An einer wichtigen Stelle einer Rede am letzten Tag des Nato-Gipfels hat Joe Biden den Namen seines ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj mit dem von Kremlchef Wladimir Putin vertauscht.

Biden sprach über den russischen Angriffskrieg und wollte dann das Wort Selenskyj erteilen. Er sagte: „Nun übergebe ich das Wort an den Präsidenten der Ukraine, der ebenso viel Mut wie Entschlossenheit besitzt. Meine Damen und Herren: Präsident Putin.“

Biden erneut mit Aussetzer: US-Präsident korrigiert sich – Selenskyj schmunzelt

Noch während er sich vom Rednerpult wegdrehte, bemerkte der 81-Jährige den Fehler. Er korrigierte sich unmittelbar und sagte entschuldigend, er sei so sehr darauf konzentriert, Putin zu besiegen. Selenskyj, der neben ihm auf der Bühne stand, konterte scherzhaft mit den Worten: „Ich bin besser.“

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), der ebenfalls auf der Bühne stand und die Szene etwas perplex beobachtete, kommentierte den Vorfall nüchtern: «Versprecher passieren.» Wenn man genug beobachte, finde man auch genug Fehler. Der Inhalte von Bidens Rede ändere sich dadurch nicht. 

Der US-Präsident steht bei dem Nato-Treffen unter ständiger Beobachtung. Nach Bidens desaströs fahrigem und wirrem Auftritt im Fernsehduell mit seinem republikanischen Präsidentschaftsrivalen Donald Trump vor zwei Wochen wird besonders genau darauf geachtet, wie er sich äußert.

Debatte um Bidens Gesundheitszustand vor der US-Wahl

Seit dem Rededuell sieht sich der mit 81 Jahren älteste Präsident in der US-Geschichte einer immer weiter anschwellenden Debatte um seine physische und mentale Eignung für das Präsidentenamt konfrontiert – auch in der eigenen Partei. Die ersten beiden Tage kam Biden als Gastgeber nahezu pannenfrei durch. 

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Die größten Schnitzer leistet sich Biden aber ohnehin in der Regel nicht, wenn er Reden vom Teleprompter abliest. Schwierig wird es für den Demokraten, der nach der US-Wahl im November im Weißen Haus bleiben will, wenn er frei spricht. 

Die eigentliche Bewährungsprobe für den US-Präsidenten steht aber noch aus: In der Nacht zum Freitag will Biden zum Ende des Nato-Gipfels eine Pressekonferenz geben. (lrg/dpa/afp)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Chris Kleponis

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