60 Milliarden Dollar-Paket

Ukraine setzt neue Waffe nach geheimer Lieferung erstmals ein – neue Hoffnung für Kiew?

  • VonSimon Schröder
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Die Ukraine kann im Krieg mit Putins Russland auf ATACMS-Raketen setzen. Diese ermöglichen es Kiew, neue russische Ziele anzuvisieren.

Kiew – Der Ukraine-Krieg wütet nun seit mehr als zwei Jahren und verwüstet Städte im ganzen Land. Indessen kommt jetzt eine neue Waffe auf Seiten der Ukraine zum Einsatz: ballistische Raketen. Die Langstreckenwaffe hatte die USA im Geheimen in die Ukraine gebracht – bei einem Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt der Krim sollen die Raketen nun erstmals zum Einsatz gekommen sein.

Die neuen Raketen haben eine Angriffsreichweite von bis zu 300 Kilometern und ermöglichen der ukrainischen Armee direkte Angriffe gegen Stützpunkte der Russen weiter im Landesinneren durchzuführen. Jake Sullivan, Berater des Präsidenten in Sachen der nationalen Sicherheit, bekräftigte die Entscheidung ballistische Raketen zu liefern und fügte hinzu: „Wir haben bereits einiges geschickt, und wir werden noch mehr schicken, jetzt da wir zusätzliche Befugnisse und Geld haben.“

Die ATACMS-Raketen sollen kurz nach einer geheimen Lieferung zum Einsatz gekommen sein. (Archivfoto)

US-Kongress verabschiedet Ukraine Paket: 60 Milliarden Dollar, um Putin zu bremsen

Durch den kürzlich im US-Kongress verabschiedeten Plan, der Ukraine mehr militärische Hilfe zu ermöglichen, kann die USA Kiew mit knapp 60 Milliarden US-Dollar im Krieg gegen Wladimir Putins Armee unter die Arme greifen. Am Mittwoch (24. April) sicherte Präsident Joe Biden der ukrainischen Armee zusätzliche ballistische ATACMS-Raketen zu, die alleine knapp 1 Milliarde Dollar des Budgets in Anspruch nehmen werden. Trotzdem warnte Sullivan vor überschwänglichem Optimismus.

Trotz der zusätzlichen Ukraine-Hilfen, sei es durchaus möglich, dass Moskaus Armee weiterhin Territorium gewinnen wird. „Es ist nun mal so, dass wir eine Weile brauchen werden, um uns aus dem Loch auszugraben, dass durch die sechs Monate Verzögerung entstand“, wie der Berater die Lage einschätzte.

USA sträubte sich lange gegen die Lieferung: Putins „rote Linie“ könne überschritten werden

Admiral Christopher Grady, Vizevorsitzender der Joint Chiefs of Staff, teilte der Associated Press in einem Interview mit, dass eine Lieferung der Langstreckenraketen gerade zum richtigen Zeitpunkt angekommen sei. Er merkte an, dass die ballistischen Raketen „sehr disruptiv sein können, wenn sie richtig eingesetzt werden“. Und die Ukraine hofft nun, den Vormarsch der russischen Armee ausbremsen zu können.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die ukrainische Armee forderte schon lange die Lieferung von Langstreckenraketen. Bisher war die USA jedoch zögerlich, da eine Überschreitung Putins „roter Linie“ befürchtet wurde, und der russische Präsident somit Gefahr laufe, den Krieg noch weiter zu eskalieren – wie etwa durch den Einsatz taktischer Atomwaffen, wie Newsweek berichtet. Ob das neu verabschiedete Hilfspaket des US-Kongresses die Ukraine rechtzeitig erreichen wird, bleibt zu hoffen. (SiSchr)

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