US-Wahlkampf

Vernichtende Video-Botschaft an Harris: Trump schlachtet Gerüchte um Bidens Rückzug aus

  • Paula Völkner
    VonPaula Völkner
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Nach seinem TV-Duell gegen Donald Trump wird über US-Präsident Joe Bidens Rückzug und eine Nachfolge spekuliert. Trump teilt schon jetzt aus.

Washington D.C. – Auf die Gerüchte um den möglichen Rückzug des US-Präsidenten Joe Biden bei der US-Wahl im November haben die Republikaner bereits reagiert. In einer Mail teilte das republikanische Lager laut dpa gegen Vizepräsidentin Kamala Harris aus. Harris wird als mögliche Kandidatin gehandelt, die Biden im Wahlkampf um die Präsidentschaft ersetzen könnte, sollte dieser seine Kandidatur zurückziehen. Der US-Vizepräsidentin sprach das Lager des Ex-Präsidenten Donald Trump in der Mail ab, für das Amt der US-Präsidentin geeignet zu sein.

Auch Trump selbst hatte in der Vergangenheit öffentlich seine Meinung über Kamala Harris kundgetan. Im Jahr 2020 hatte Trump beispielsweise gesagt, Harris sei „keine Person, die gemocht wird“. Nun, da die Vize-Präsidentin als mögliche Kandidatin der Demokraten in den Fokus rückt, teilte Trump scheinbar erneut gegen sie aus. In einem Video, das auf der Plattform X kursiert, ist zu hören, wie Trump über die Vize-Präsidentin sagte: „Sie ist so erbärmlich“. Die Echtheit des Videos ist nicht verifiziert.

Spekulation über Biden-Rückzug: Trump schießt gegen Vize-Präsidentin Harris – „Sie ist so schlecht“

Auf dem Video ist Trump zu sehen – wenn auch verschwommen – wie er in einem Golfcart sitzt. Zuvor hatte er laut Aufnahme über Bidens angeblichen Rückzug gesprochen. Über Biden sagte Trump demnach, er habe ihn aus dem „Rennen geschmissen“. Kamala Harris sei „besser“, sagte Trump laut Aufnahme und fügte hinzu: „Sie ist so schlecht.“

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Die Spekulationen über den möglichen Rückzug Bidens aus dem Wahlkampf folgten auf den misslungenen Auftritt des US-Präsidenten in dem CNN-Duell gegen Trump. In der TV-Debatte wirkte Biden zittrig. Seine Aussagen waren nur schwer verständlich und einige seiner Sätze und Punchlines konnte der 81-Jährige nicht zu Ende bringen.

Demokraten sollen laut Berichten über Harris als Kandidatin für die US-Wahl sprechen

Laut Berichten von US-Medien wie der New York Times und der Washington Post soll die Vize-Präsidentin im Lager der Demokraten bereits vereinzelt als Ersatz für Biden im Rennen um die Präsidentschaft genannt worden sein. Anonymen Quellen zufolge soll der Abgeordnete der Demokraten im US-Kongress, Hakeem Jeffries, signalisiert haben, dass Harris für die Demokraten die beste Option sei, sollte Biden seine Kandidatur zurückziehen.

Ex-Präsident Donald Trump schießt gegen Vize-Präsidentin Kamala Harris (Montage/Archivbild)

US-Abgeordneter fordert Unterstützung für Vize-Präsidentin, „egal ob sie ganz oben auf der Liste steht“

Ein weiteres hochrangiges Mitglied des US-Repräsentantenhauses, James E. Clyburn, erklärte öffentlich, Harris zu unterstützen, sollte Biden von seiner Kandidatur zurücktreten. Die Demokraten sollten „alles tun, um sie zu unterstützen, egal ob sie auf dem zweiten Platz oder ganz oben auf der Liste steht“, erklärte Clyburn der Washington Post zufolge.

Harris sucht Unterstützung für Social-Media-Kampagne: „Strategien der Biden-Harris-Kampagne“

Unterdessen scheint das Wahlkampf-Team der Demokraten nach Unterstützung für die Social Media Strategie der Vize-Präsidentin zu suchen. Am Dienstag (2. Juni) schaltete das Team auf der Jobplattform „daybooks“ eine Anzeige für die Position. Der gesuchte „Social Media Platforms Strategist“ solle der Ausschreibung zufolge unter anderem „Strategien entwickeln, wie die Stimme des Vizepräsidenten und der Biden-Harris-Kampagne online weiterentwickelt und erweitert werden kann“.

Gerüchte über Biden-Rückzug nach TV-Duell gegen Trump: Weißes Haus hält an Biden Kandidatur fest

Auch auf Social-Media-Plattformen wird über die Vize-Präsidentin als mögliche Kandidatin spekuliert. Das Weiße Haus hielt am Mittwoch (3. Juli) weiter an der Aussage fest, dass Biden im Rennen um die Präsidentschaft bleibe. Laut Bericht der New York Times gibt es jedoch auch Hinweise darauf, dass der US-Präsident mutmaßlich in Erwägung ziehe, seine Kandidatur für die Wahl im November zurückzuziehen.

Biden soll laut New York Times Rückzug seiner Kandidatur vor US-Wahl in Erwägung ziehen

Der New York Times zufolge soll Biden gegenüber Vertrauten gesagt haben, dass die kommenden Tage entscheidend für seine Kandidatur seien. Biden soll gesagt haben, er müsse Wahlberechtigte in den USA überzeugen, „dass er seiner Aufgabe gewachsen sei“, heißt es in dem Bericht. (pav)

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