Neuer TÜV-Bericht

Alarmierende Zahlen: So viele Fahrschüler rasseln durch die Führerscheinprüfung

  • Adrian Kilb
    VonAdrian Kilb
    schließen

Noch nie in den vergangenen Jahren sind so viele Menschen durch die theoretische Führerscheinprüfung gefallen, wie 2023. Zugleich werden immer mehr Prüfungen abgelegt – besonders, bei einem Verkehrsmittel.

Über viele rechtliche Fragen rund ums Autofahren, die in der Straßenverkehrsordnung (StVO) geregelt sind, wissen viele Menschen nicht so recht Bescheid. Beispielsweise, wenn es darum geht, ob der Beifahrer einen Parkplatz freihalten darf. Es herrscht außerdem oftmals Unklarheit darüber, welche Sticker am Wagen erlaubt sind oder wie das Auto getunt werden darf.

Auch sind sich viele Autofahrer unsicher bei der Frage, ob auf Parkplätzen von Supermärkten und Discountern die Regel „rechts vor links“ gilt und wer bei einem Unfall die Schuld trägt.

TÜV-Daten zeigen Höchstwert: Durchfallquoten beim Führerschein zuletzt nie höher

Doch schon beim Versuch, den Lappen zu erwerben, zeigt sich immer mehr eine alarmierende Unwissenheit. Weil die Basics nicht sitzen, rasseln immer mehr junge Menschen durch die theoretische Prüfung für den Autoführerschein. Ein neuer Bericht des TÜV-Verbandes präsentiert alarmierende Zahlen. Demnach sind noch nie in den vergangenen Jahren so viele Menschen durchgefallen wie 2023.

Bei den über 18-Jährigen fiel sogar gut wie jeder Zweite (49 Prozent) durch die Theorieprüfung der Klasse B für den klassischen Autoführerschein. In allen Klassen rasselten demnach 42 Prozent der Fahrschülerinnen und Fahrschüler durch die theoretische Prüfung. Mit zehn Prozentpunkten mehr als noch 2014 und 3 Prozentpunkten mehr als 2022 ist auch das dem Bericht zufolge ein neuer Höchstwert. Durch die Praxisprüfung fiel wie in den vergangenen Jahren in allen Klassen etwa jeder Dritte.

Von ABS bis TÜV: Diese Abkürzungen sollte jeder Autofahrer kennen

Verschiedene PKWs stehen hintereinander.
TÜV Süd Technischer Überwachungsverein KFZ Auto-Plakette Verkehrssicherheit Hauptuntersuchung
Schild mit Tüv Plakette, HU, Deutschland, Europam Hauptuntersuchung
Ein Mechaniker fuellt Motoroel in ein Kraftfahrzeug
Von ABS bis TÜV: Diese Abkürzungen sollte jeder Autofahrer kennen

Immer mehr schaffen theoretische Prüfung nicht – das ist der Grund

„Sehr viele Fahrerlaubnisbewerber fallen auch beim zweiten Versuch durch die Fahrerlaubnisprüfung“, sagte Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug & Mobilität beim TÜV-Verband, am Dienstag bei einer Online-Pressekonferenz. Die Wiederholungsprüfung für die Theorie bestanden laut Bericht rund 54 Prozent nicht, die für die Praxis rund 40 Prozent. 

„Insbesondere in der Theorieprüfung wird die Prüfung nicht ernst genug genommen“, sagte Goebelt zur Interpretation der Ergebnisse. Die individuelle Vorbereitung sei aus Verbandssicht nicht ausreichend. Es müsse deutlich gemacht werden, dass „stupides Auswendiglernen“ nicht zum Erfolg führe und genügend Zeit für die Vorbereitung eingeplant werden müsse, meinte Goebelt.

Fahrschülerinnen und Fahrschüler sollten sich in Absprache mit dem Fahrlehrer gut überlegen, ob sie reif für die Prüfungen seien. Zur Verbesserung der Quoten müsse aber auch die Qualität der Fahrausbildung verbessert werden - etwa durch moderne Lernmethoden und eine gezielte Prüfungsvorbereitung. 

„Run auf den Führerschein“: So viele Fahrprüfungen wurden abgelegt

Die theoretische Führerscheinprüfung umfasst 30 Fragen. Für ein Bestehen sind maximal zehn Fehlerpunkte erlaubt. „Vorfahrtsregeln sind besonders wichtig, da darf nur eine Frage falsch beantwortet werden“, sagte Goebelt.

Nicht nur die Durchfallquoten, auch die Zahl der Fahrprüfungen in Deutschland erreichte dem Bericht zufolge einen neuen Höchststand. 2023 wurden rund 1,97 Millionen Theorieprüfungen (2022: 1,82 Millionen) und rund 1,77 Millionen praktische Prüfungen (2022: 1,75 Millionen) durchgeführt. „Wir erleben einen regelrechten Run auf den Führerschein“, sagte Goebelt. Und das, obwohl der Führerschein in bestimmten Städten und Bundesländern ganz schön teuer werden kann. Im Herbst 2023 mussten die Fahrschüler deutschlandweit zudem deutlich wieder in die Tasche greifen, als noch vor einigen Jahren.

Bei welchem Verkehrsmittel die theoretischen Prüfungen steil nach oben gingen

Auch der Autoführerschein mit 17 sei weiter beliebt. Rund 519.000 Minderjährige absolvierten die theoretische Prüfung für das begleitete Fahren, rund 443.000 die praktische. Die Durchfallquoten waren dabei geringer als bei den über 18-Jährigen und lagen bei 38 Prozent für die Theorie sowie 26 Prozent für die Praxis (Volljährige: 42 Prozent). „Sie sind teilweise in der Berufsschule oder in der Schule, sind mit dem Prüfungsalltag noch wesentlich besser vertraut als es möglicherweise ihre älteren Kollegen sind“, erklärte Goebelt. 

Die Prüfungen für den Lkw-Führerschein blieben mit rund 122.000 Theorieprüfungen (2022: 123 000) und fast 121 500 Praxisprüfungen (2022: 117 300) auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr. Deutlich angestiegen sind die Prüfungszahlen für den Bus-Führerschein. Rund 13.000 Fahrschülerinnen und Fahrschüler absolvierten die theoretische Prüfung - ein Anstieg um fast 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Praxisprüfungen verzeichneten ein Plus von rund 31 Prozent. 

Die Ergebnisse basieren auf Daten aller technischen Prüfstellen in Deutschland und wurden am 29. Februar 2024 erhoben. Wegen möglicher Nachmeldungen kann es laut TÜV leichte Abweichungen geben. 

Rubriklistenbild: © IMAGO / Becker&Bredel

Mehr zum Thema